Mittwoch, 28. April 1915

  

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 28. April 1915Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 28. April 1915Wehrbund. Wir machen auf den Aufruf im heutigen Anzeigenteile aufmerksam, der die Jünglinge und Männer, die ihrer Einberufung entgegensehen, zur Teilnahme an den Uebungen des Wehrbundes auffordert. Es ist für alle diese eine vaterländische Pflicht, an den Uebungen teilzunehmen und sich dadurch vorzubereiten auf den Militärdienst.

Der Verband „Deutsche Arbeit“ der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die unberechtigte Fremdtümelei im Warenverkehr zu bekämpfen, hat unter dem Vorsitz des Staatsministers z. D. Dr. von Richter in Berlin eine Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses abgehalten. Es wurde hervorgehoben, daß seit der letzten Sitzung zahlreiche wirtschaftliche Verbände und Einzelfirmen dem Verbande „Deutsche Arbeit“ sich angeschlossen haben. Es war bei der Ausdehnung notwendig, besondere Fachausschüsse zu bilden, die die auftretenden Fragen zu prüfen und vorzubereiten haben. Es wurde auch beschlossen, zu dem Deutschen Werkbund, zu dem Allgemeinen Deutschen Sprachverein und ähnlichen Vereinigungen in ein förmliches Gegenseitigkeitsverhältnis einzutreten, damit ein förderndes Zusammenarbeiten gesichert ist. Mit der Vorbereitung zur Ausstellung „Deutsche Waren unter fremder Flagge“ hat sich der Ausschuß eingehend beschäftigt. Eine Neueinrichtung „Deutsche Wochen“, während denen die Käufer nur Waren deutschen Ursprungs verlangen sollen, ist in Aussicht genommen, ebenso die Schaffung einer Marke „Deutsche Arbeit“. Ferner soll im Verein mit anderen Zentralverbänden eine Sammelstelle über die Behandlung deutscher Firmen im Auslande geschaffen werden, um geeignete Grundlagen für die Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen zu gewinnen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten")

  

Anzeigen im General-Anzeiger vom 28. April 1915Anzeigen im General-Anzeiger vom 28. April 1915Ein Messerheld. Auf der Bahnhofstraße wurde in der vergangenen Nacht ein hier wohnender Arbeiter namens Mahlberg von einem anderen Mann, mit dem er in Wortwechsel geraten war, durch Messerstiche so erheblich verletzt, daß seine Aufnahme in eine Klinik veranlaßt werden mußte. Der Täter wurde durch die Bahnwache festgenommen.

Ersetzt fremdländische Schilder, Aufschriften usw. Die noch vielfach vorhandenen fremdländischen, insbesondere französische und englische Inschriften, Aufschriften und Anschläge in öffentlichen Straßen, auf öffentlichen Plätzen, sowie an sonstigen für den geschäftlichen Verkehr bestimmten oder öffentlich zugänglichen Stellen, insbesondere auch in und an Verkaufsläden, Gasthäusern und Geschäftsräumen erregen in der jetzigen Kriegszeit in weiten Kreisen der Bevölkerung berechtigten Anstoß. Ebenso wird auch vielfach für den äußeren Aufdruck auf Geschäftspapieren, Rechnungsformularen, auf Waren und Warenproben eine ausländische Bezeichnung oder eine fremde Sprache gewählt. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Waren, die für die Ausfuhr in das Ausland bestimmt sind, mit einer fremdsprachigen Aufschrift versehen werden. Aber im übrigen muß es als ein unabweisbares Gebot gelten, daß nur deutsche Bezeichnungen angewandt werden. Von mehreren Generalkommandos ist bereits im Wege der mit Strafandrohung versehenen Verordnung gegen die Missstände vorgegangen worden. Auch für den VIII. Korpsbezirk ist eine gleiche Verordnung zu erwarten, wenn wider Erwarten die bereits mehrmals gegebenen Anregungen zur Beseitigung der Missstände keinen durchgreifenden Erfolg haben werden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Venusberg. Bonn hat an seinem schönen Venusberg und Kaiser-Wilhelms-Park einen Erholungsort, um den uns viele deutsche Städte beneiden. Leider ist aber durch die große Schnaken-Plage, die von Jahr zu Jahr schlimmer wurde, der Aufenthalt und das Sitzen im Waldein den heißen Sommermonaten fast zur Unmöglichkeit geworden. Wäre es nicht möglich, dem entgegen zu treten, wenn man z. B. jetzt schon die vielen großen und kleinen Pützen desinfizierte oder abgrüb und die Mückenschwärme beizeiten tötete? Da in diesem Jahr, wie es scheint, die Straßen der Stadt nicht gesprengt werden können, wäre es für jung und alt und nicht zum wenigsten für die vielen Invaliden eine doppelt große Wohltat, im Walde ein angenehmes, schattiges Plätzchen zu finden, wo man ruhen könnte. Ein fleißiger Spaziergänger.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 28. April 1915Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 28. April 1915Gehaltserhöhungen in Betrieben, die für Heereslieferungen arbeiten. Der letzten Sitzung der Bonner Handelskammer lag ein Ersuchen des stellvertretenden Generalkommandos zu Koblenz um eine gutachtliche Aeußerung zu einer Eingabe des Bundes der technisch-industriellen Beamten betr. Gehalterhöhungen in Betrieben, die für Heereslieferungen arbeiten, vor. Der Vorsitzende bemerkt dazu, daß man gegen die verlangte militärbehördliche Anordnung von Kriegs-Teuerungszulagen für die Privatangestellten in den mit Heereslieferungen bedachten Betrieben grundsätzlich Einspruch erheben müsse. Die Entlohnung der Angestellten sei dem Ermessen der Betriebsinhaber oder der Direktoren der Werke zu überlassen, weil sie alleine in der Lage seien, ein Urteil über die Leistungen jedes einzelnen Angestellten zu fällen und danach die Höhe des Gehaltes zu bemessen. Gerade in der gegenwärtigen Zeit habe es sich gezeigt, wie die Unternehmer freiwillig große Opfer auf sich genommen haben, um ihre Angestellten vor Stellenlosigkeit zu schützen, und es sei zu erwarten, daß sie auch fernerhin ihrer Pflicht sich bewußt seien, wenn es gilt, Not zu lindern, wo solche sich zeigt. Auch werden sie schon aus eigenem Interesse denjenigen Angestellten Zulagen bewilligen, die sich durch ihre Tätigkeit um das Unternehmen verdient machen. Schematisch derartige Zusagen anzuordnen, errege Unzufriedenheit, weil darin eine Unbilligkeit gegenüber dem tüchtigeren Angestellten liegt. Die Kammer stimmte diesen Aeußerungen zu und beschloß in diesem Sinne das gewünschte Gutachten abzugeben.

Die Verdaulichkeit des K-Brotes. Die „Korrespondenz des Bundes Deutscher Frauenvereine“ schreibt: Für diejenigen, die einen empfindlichen Magen haben und das K-Brot nicht gut vertragen können, gebe wir den Ratschlag, nicht zu dick geschnittene Scheiben des Brotes kurz vor der Mahlzeit hellgelb zu rösten. Das Brot wird dann leichter verdaulich.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten")