Mittwoch, 31. März 1915

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 31. März 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 31. März 1915Im Interesse der Landesverteidigung muß jeder Rückgang in der Fertigung der Heeresbedürfnisse, insbesondere der Munition, vermieden werden. Hierzu ist es erforderlich, daß auch die in der Heimat stehenden Männer hinter ihren im Felde stehenden Brüdern an Opferwilligkeit nicht zurückstehen, sondern sich bereit finden, während der bevorstehenden Feiertage den dringen nötigen Heeresbedarf zu fertigen. Daher werden die deutschen Arbeiter dem Wunsche der Heeresverwaltung, die Arbeit während der bevorstehenden Feiertagen in den staatlichen Betrieben als auch in den mit Heereslieferungen betrauten Privatfirmen nur am ersten Feiertag ruhen zu lassen, gern entsprechen.

Fahnen heraus am Bismarcktage. Berliner Blätter teilen mit, daß die Stadt Berlin zur Feier von Bismarcks 100. Geburtstage beflaggt sein wird. Auch die Stadt Bonn wird diesen bedeutungsvollen Tag wohl im Schmucke der vaterländischen Fahnen sehen.

Anzeige im General-Anzeiger vom 31. März 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 31. März 1915Bismarckfeier des Städtischen Gymnasiums und Realgymnasiums. Kein im üblichen Rahmen sich bewegender Schulakt in der Aula war es, durch den das Städtische Gymnasium den 100. Geburtstag Bismarcks feierte. Der ganze letzte Schultag wurde dem Gedächtnis des großen Kanzlers gewidmet. Um 9 Uhr zog die Schülerschar unter Führung der Lehrer, die Schulfahne voraus, den Rhein entlang zur Bismarcksäule. Mit Richard Dehmels „Gebet ans Volk“ leitete der Chor die Feier ein. Wohlgelungene Gedichtvorträge („Wo Bismarck siegen soll“ und „Bismarck als Führer zum Siege“) atmeten den Geist, der alle an diesem Festtag beseelt. Machtvoll drang die Ansprache des Direktors Dr. Riepmann in die Herzen der um die Säule gescharten Zuhörer. Wie die alten Germanen ihren Göttern in der freien Natur, in Hainen und auf Bergeshöhen ihre Huldigung dargebracht hätten, so feierten auch wir den ganz großen Helden unseres Volkes am würdigsten unter freiem Himmel, dort, wo ein wuchtiger Turm oder eine Riesensäule ihre überragende Größe der Nachwelt versinnbildlicht. So großes die Helden der Befreiungskriege, deren Andenken die Schule vor 1 ½ Jahren auf der Terrasse des Drachenfelses gefeiert hat, geleistet haben, das größte Ziel, die staatliche Einigung der verschiedenen deutschen Stämme, war einem Größeren zu erreichen, vorbehalten. Daher ist Bismarck kein Mann der Vergangenheit, sondern eine Gegenwartsgröße. Er lebt in uns und ist ein Volksheld geworden. Gerade in unserer großen, eisernen Zeit wird uns die belebende Kraft, die von seiner Persönlichkeit und seinem Werk ausströmt, besonders kund in der festen Zuversicht, die Heer und Volk beseelt, daß der stolze Bau, den des Reiches Baumeister geschaffen, alle Stürme überdauert und gefestigt daraus hervorgeht. Mächtig ertönte der Heilruf, in dem die Versammelten dem Gefühl der Dankbarkeit und Verehrung Ausdruck verliehen, begeistert erklang das gemeinsame Lied: „Deutschland, Deutschland über alles“. Die rauschenden Wogen des Rheins gaben den Rhythmus, die Sonne sandte Strahlen der Verheißung, die lichtdurchflutete Landschaft verlieh der Feier eine weihevolle Stimmung. Auf dem Rückmarsch gab sich die Begeisterung der Schüler noch in manch flott gesungenem Lied, so auf Hindenburg und Zeppelin, kund.

  (Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 31. März 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 31. März 1915Stadttheater. Mit der Aufführung des Müller-Schlösser’schen „Schneider Wibbel“ schließt heute die Reihe B. Nicht ohne Berechtigung haben viele Bühnen dieses Stück gerade im Kriegswinter neu eingeübt. – Schildert es doch in seiner Weise das französische Joch, unter dem unsere Rheinlande vor hundert Jahren seufzten. Der echt rheinische Humor treibt in diesem harmlosen Volksstück reiche Blüten. Mit Rücksicht auf die nahenden Ostertage und zum Abschluß der Spielzeit, die durch einige Feiertagsvorstellungen verlängert werden dürfte, soll morgen, am Gründonnerstag noch einmal „Faust“, und zwar als Volksvorstellung gegeben werden, eine Veranstaltung, welche alle Freunde klassischer Werke mit Freuden begrüßen werden.

Die belgische Zichorie. Nach Meldungen aus Belgien wird dort bereits jetzt im großen Maßstabe ein Gemüse gesammelt und auch für die Ausfuhr auch Deutschland vorbereitet, das man bei uns kaum kennt, obwohl es einer weiteren Verbreitung wert wäre: die Zichorie. Bei uns in Deutschland kennt man diese Pflanze nur als Kaffee-Ersatzmittel, oder als farbgebenden Zusatz zu allerlei Kaffee-Essenzen. Die junge Zichorienwurzel, die der Wurzel des Löwenzahns oder der Schwarzwurzel sehr ähnlich ist, liefert dagegen, wenn sie in jungem Zustande, bevor sie etwas hart zu werden beginnt, ein überaus feines, schmackhaftes Gemüse, dem außerdem noch eine medizinische Wirkung zukommt. Es kann weil Schwarzwurzel in einer mit Mehl gespeisten Buttertunke, oder abgekocht und mit brauner Butter begossen zubereitet werden. An manchen Orten kennt man ja den Zichorientee als Mittel gegen die Bleichsucht, sowie als Blutreinigungsmittel. Man kann deshalb den Gartenbesitzern nicht eindringlich genug den Anbau dieser Gemüseart empfehlen. Gerade jetzt wäre die richtige Zeit dazu.

 Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 31. März 1915Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 31. März 1915Städtische Realschule. Aus dem Jahresbericht ist folgendes zu entnehmen: Die Mobilmachung brachte für das Schulleben durchgreifende Veränderungen. Von den neun angestellten Lehrpersonen sind bis heute fünf zum Heeresdienste einberufen, zwei davon verwundet und einer von diesen ist mit dem Eisernen Kreuzeausgezeichnet worden. Sechs Schüler meldeten sich zum freiwilligen Heeresdienst. Von den früheren Schülern starben sieben den Heldentod, während noch drei als vermißt bezeichnet werden. An den Uebungen des Wehrbundes, an der Woll- und Goldsammlung beteiligten sich die Schüler mit großem Eifer. Die Goldsammlung ergab in einer Woche die Summe von über 18.000 Mark. Durch Entscheidung des Kgl. Provinzialschulkollegiums in Koblenz vom 4. Februar 1915 wurde der Antrag auf Ausbau der Realschule zur Oberrealschule in dem jetzigen, durch einen Aufbau zu vergrößernden Gebäude abgelehnt und als Bedingung ein Neubau verlangt. Am Schlusse des Schuljahres erhielten 14 Schüler das Zeugnis für den einjährig-freiwilligen Dienst. Die Schülerzahl betrug im Winterhalbjahr 192. Neuanmeldungen werden Mittwoch, den 14. April, von 10 – 1 Uhr, im Schulgebäude entgegengenommen. Die Aufnahmeprüfungen sind Donnerstag, den 15. April, von morgens 8 Uhr ab. Das alte Schuljahr wurde mit einer Bismarck-Gedenkfeier geschlossen.

Anzeige im General-Anzeiger vom 31. März 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 31. März 1915Königliches Gymnasium zu Bonn. Dem Jahresbericht über das Schuljahr 1914 entnehmen wir: Mit dem Ende des Schuljahres 1913/14 ist Prof. Dr. Jos. Schmitz in den Ruhestand getreten. Am Freitag den 3. April 1914 schloß das Schuljahr mit der feierlichen Entlassung von 41 Abiturienten. Schon am Spätnachmittag und am Abend des 1. August erhielten zahlreiche Schüler der oberen Klasse Urlaub, um sich als Kriegsfreiwillige zu stellen. Am 3. August begannen die Notreifeprüfungen. Insgesamt haben 32 Oberprimaner und 3 Unterprimaner die Notreifeprüfung bestanden, dazu ein Auswärtiger. Ferner meldeten sich 35 als Kriegsfreiwillige und 4 erhielten das Einjährigen-Zeugnis. Mit dem Ausbruch des Krieges traten acht vollbeschäftigte Lehrer in das Heer ein, drei Schüler sind bereits den Heldentod gestorben. Für die Goldsammlung haben die Schüler der Anstalt bis jetzt 85.000 Mark an die hiesige Reichsbankstelle abgeliefert. Zwei Lehrern wurde das Eiserne Kreuz verliehen.

Die ersten Maikäfer haben Schulbuben gestern auf den Venusberg gefunden.

Bauernregeln im April: Dürre im April, kein Bauer will. – Aprilregen verheißt Segen. – Ist der April nicht gut, schneit’s dem Hirten auf den Hut. – Der Fledermäuse Abendflug macht’s Wetter im April sehr gut. – Auf Aprildonner folgt der Sommer. – St. Georgi und Marks (25.) machen oft noch Arg’s.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)