Montag, 8. März 1915  

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 8. März 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 8. März 1915Zum hundertjährigen Jubiläum unseres Husaren-Regiments ist neben vielen besonders abgesandten Liebesgaben am Samstag morgen ein schwer bepackter Eisenbahnwaggon Liebesgaben als Eilgut direkt zur Front abgegangen. Die vereinigten vaterländischen Vereine und Bürger Bonn’s haben es sich nicht nehmen lassen, unsere „Lehm ops“ mit allen den Dingen zu erfreuen, die Magen und Leib zuträglich sind. Große Mengen praktischer Wollsachen, Unterkleider sind gestiftet, aber auch das leibliche Wohl der Husaren nicht vergessen worden. Was an Delikatessen aufzutreiben ist, was eines jeden Feinschmeckerszunge ergötzt, wurde in reichlicher Fülle zusammengetragen. Unter anderem haben es sich unsere Metzger nicht nehmen lassen, Wurst- und Fleischwaren beizusteuern. Ueber 5.000 Zigarren und Zigaretten kamen dazu. Damit auch der Durst unserer Lehm ops befriedigt werde, haben unsere verschiedenen Brauereien über 10 Fässer Bier in verschiedener Größe dem Liebesgabentransport beigefügt. Die Roisdorfer Brunnenverwaltung stiftete mehrere Kasten Roisdorfer Wasser, eine Firma in Bonn lieferte über 500 Flaschen Boonekamp ab und nicht zuletzt aber waren es die Bonner Damen und besonders die „Bräute“, die mit verschämten Blicken sorgfältig eingewickelte Paketchen und Pakete der Sammelstelle ablieferten und dabei bemerkten, daß das rosafarbene Briefchen auch an die richtige Adresse abgeliefert werden möchte. – Jedenfalls dürfen unsere wackeren Lehm ops mit dem Ergebnis des Liebesgabentransportes wohl zufrieden sein.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Anzeige im General-Anzeiger vom 8. März 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 8. März 1915Godesberg. In der „Erholung“ fand am 3. ds. unter dem Vorsitz der Frau Bürgermeister Dengler die Generalsversammlung des Vaterländischen Frauenvereins Godesberg statt. Der Schriftführer, Herr Direktor Teudt betonte bei Erstattung des Jahresberichts, daß dem Verein seit Ausbruch des Krieges neue wichtige Aufgaben erwachsen seien. In Gemeinschaft mit zahlreichen anderen Vereinen Godesbergs wurden unter dem Zeichen des Roten Kreuzes ein Arbeitsausschuß und eine Arbeitszentrale gegründet, wobei dem Vaterländischen Frauenverein ein wichtiger Teil der Arbeit zufiel. In der Wöchnerinnenpflege wurden 950 Portionen kräftiges Mittagessen an 70 Wöchnerinnen unentgeltlich ausgeteilt und 8 Wöchnerinnen durch Stellung einer Pflegefrau Hilfe geleistet. Auszeichnungen für treue Dienste konnten in diesem Jahre zum Geburtstag der Kaiserin 34 ausgeteilt werden, und zwar an 21 Mädchen , welche 5 Jahre, an 6 Mädchen, welche 10 Jahre und an 7 Mädchen, welche 15 und mehr Jahre Dienstzeit an einer Stelle hinter sich hatten.
   Die im Februar d. Jahres veranstaltete Festlichkeit „Der Kurpark im Rosenschmuck“ hatte einen Reinertrag von 1720 Mark. Dem Verein war es dadurch möglich, der Zentrale vom Roten Kreuz zu Kriegsanfang 1000 Mark und dem neugegründeten Vaterländischen Frauenverein Bonn-Land 500 Mark zu überweisen. Durch die Kriegstätigkeit des Vereins ist die Mitgliederzahl auf fast 200 gestiegen. In Kursen, die von hiesigen Aerzten abgehalten wurden, fanden im ganzen 129 Helferinnen ihre mit einem Examen abgeschlossene Ausbildung. Davon konnten bis jetzt 69 im praktischen Hilfsdienst in hiesigen Lazaretten und Genesungsheimen Verwendung finden; 27 sind bereits zu Hilfsschwestern ernannt worden. Dem Vaterländischen Frauenverein wurden fünf Genesungsheime mit zusammen 120 Betten angeschlossen. (...)

 (Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)

Der Gemüsemarkt zu Bonn.
Anzeige im General-Anzeiger vom 8. März 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 8. März 1915Aus unserem Leserkreise wird uns über die Bonner Marktverhältnisse von einem offenbar recht sachkundigen und scharfen Beobachter folgendes geschrieben:
   Angebot und Nachfrage haben zu allen Zeiten die Werte der Waren bestimmt und die Preise gemacht. Nun kommt der Krieg und durchlöchert auch dieses eherne Wirtschaftsgesetz, schiebt die Preise auch da weit hinauf, wo kein Mangel an Ware herrscht, und wo keine übermäßige Nachfrage ist. So scheint es wenigstens, was den Bedarf angeht. Daß kein Mangel herrscht, beweisen die Berge und die Mannigfaltigkeit von Gemüse, die noch tagtäglich und besonders an den Hauptmarkttagen auf die hiesigen Märkte kommen.
   Der Bonner tagtägliche Markt trägt sein altes Gesicht. Von der Rathaustreppe bis zur Bonngasse steht Korb neben Korb, Stand neben Stand, gefüllt mit den Landesprodukten unsrer näheren Umgegend und den Früchten des Südens. Es wimmelt von Verkäufern, weniger von Käufern; es wird gefeilscht und gehandelt und abgeschlossen, wie in Friedenszeiten. Die Gesichter der Verkäufer drücken behäbige Ruhe, die Sicherheit des Besitzes aus; die Züge der Käufer sind wie früher kritisch, unzufrieden, drei Falten zerreißen die Stirn; aber es wird gekauft. – Um 12 Uhr aber steht noch mancher Korb voll Gemüse hier, sitzen die Verkäufer noch hinter gutbesetzten Ständen, und nur noch vereinzelt zieht ein Käufer durch die Reihen.
   Es kommt mehr auf den Markt, wie gekauft wird, auf dem Markte selbst. Zum größten Teil sind es Händler, die hier ausbieten. Was dann auf dem Markte selbst nicht fortgeht, wird den hauskunden in der Stadt durch „fliegende“ Gemüsehändler angeboten.
   Der Markt weist sein altes, für die Jahreszeit maßgebendes Gesicht auf. Krauskohl, Rosenkohl, Spinat, Suppenkräuter, Erdkohlrabi, Möhren, Karotten und was sonst die Küche bedarf. Nur eines fehlt oder ist nur sehr schwach vertreten: unser Hauptnahrungsmittel, die Kartoffel. Das ist ja in der jetzigen Jahreszeit einigermaßen durch die Einkellerung erklärlich; andererseits liegen die Gründe des Fernbleibens der Kartoffeln doch in der bekannten Preisbildungspolitik der Interessenten.
   Auch der Markt für den Großhandel scheint vom Kriege gar nicht berührt. Dienstags und Freitags bringen gut ein halbes Hundert große Wagen und wohl nicht weniger wie hundert Hand-, Hunde- und Eselwagen Berge von Gemüse auf den Stiftsplatz. Noch liegt die Nacht über der Stadt und schon rasselt es aus allen Richtungen heran auf diesen neuen und großen Platz. Die Straßen rundum belegen die Gefährte, und auf dem Markt steht dann bald Korb an Korb, und haufenweise lagern Spinat und Krauskohl, das Hauptgemüse auf dem Pflaster. Feilgeboten werden Salat, ferner in großen Mengen die Sprütchen des Rosenkohls, der sich neben dem Krauskohl eine ebenbürtige Stelle als Wintergemüse errungen hat. Von überwintertem Gemüse herrscht der Rotkohl vor; von Wurzelgemüsen Möhren, Karotten, weiße Rüben, Schwarzwurzel; weiter aber ist hier alles zu haben, was der Garten hervorbringt. Es ist sachgemäß durch den Winter gebracht, und präsentiert sich durchweg als vorzügliche, saubere, appetitliche Ware. Auch Raritäten für diese Kriegszeit sind vorhanden: weiße und bunte Bohnen; in Säckchen und Düten verpackt, hütet sie sorgfältig die Verkäuferin und fordert „Marktpreis“. Auch auf dem Stiftsplatz machen sich als weitere Seltenheit, wohl nur auf dem Markt, die Kartoffeln bemerkbar. Ein, zwei Säcke lehnen sich schüchtern an überquellende mächtige Gemüsekörbe. Es ist ja klar, der Züchter bringt nur das auf den Markt, was im marktfähig scheint. Das ist sein gutes Recht. Doch nach allem, was man zu hören bekommt, sind auch noch Kartoffeln im Lande. Auf irgend eine Art werden sie schon auf den Markt kommen. Vielleicht bringt der Sommer sie an den Tag.
   Zum Bonner Markt steuert ein nicht zu weites Gebiet und auch das nur teilweise bei. Die Aufschriften der Anlieferungswagen beweisen es. Bornheim, Botzdorf, Hersel, Gr.-Rheindorf, Friesdorf, Witterschlick schließen den Kreis. Was darüber hinaus züchtet, so namentlich am Vorgebirge, arbeitet mit Köln. Aber auch aus diesem engen Gebiete, ja selbst aus dem Gebiete der Stadt Bonn, geht, wie allgemein bekannt, ein großer Teil, für Endenich, Grau-Rheindorf der allergrößte Teil, nach Köln.
   Der Markt auf dem Stiftsplatz ist im Gegensatz zum andern Markt am Rathaus ein Umschlagplatz im Großen. Er dient in der Hauptsache dem Handel zwischen Züchter und Großversand. Schon früh ziehen die Händler durch die Stände, mustern die Waren, fragen nach Preis, bieten und kaufen. Gegen die Mittagszeit hin sondiert sich der Markt dann immer mehr. Die Züchter wandern langsam mit leeren Körben und Wagen ab, die Menge der Menschen hat sich verlaufen. Hundegeheul und Eselschreie verhallen, und vier, fünf Großhändler mit ihren Packerinnen lassen den Markt fast einsam erscheinen. Der Markt hat ein anderes, ruhigeres Gesicht bekommen. Hübsch verpackt mit Packleinen, stehen in Reih und Glied die riesigen Körbe mit Gemüse. Rote, gelbe, grüne Leitzettel verraten dem Neugierigen, wohin die Reise geht: nach Berlin, Gelsenkirchen, Elberfeld, ins Industriegebiet meist.
   Und dann werden die Wagen hoch mit den Körben beladen und flinke Pferde bringen sie nach Beuel an die Bahn.

(Bonner General-Anzeiger)

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 8. März 1915Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 8. März 1915Frauenversammlung der Remigiuspfarre. Die auf Initiative des Bonner kath. Arbeitervereins in den einzelnen Pfarreien der Stadt abgehaltenen Frauenversammlungen haben einen vollen Erfolg gehabt. Die Versammlungen der Marien- und Stiftspfarre waren jedesmal von ca. 600 Frauen besucht. Heute abend, punkt 8 Uhr, findet nun im Kath. Vereinshause in der Josephstraße eine solche Versammlung statt für alle Frauen der Remigiuspfarre. Redner sind: Frau Schultheiß, Herr Pfarrer Ludwigs und Herr Rektor Dr. Honnef. Das Thema lautet wieder: Haushalt und Krieg. Außerdem werden einige ernste Deklamationen und Lieder vorgetragen. Hoffentlich finden sich die Hausfrauen der Pfarrgemeinde vollzählig ein.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)