Sonntag, 7. März 1915

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 7. März 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 7. März 1915Oeffentliche Vorträge über wirtschaftliche Kriegsbereitschaft im Hause finden in den nächsten Wochen statt. Die Hausfrauen werden gebeten zu diesen Vorträgen wegen ihrer großen Wichtigkeit recht zahlreich zu erscheinen. (...)

Generalversammlung der Akt.-Ges. Grand Hotel Royal. In der gestrigen Generalversammlung, deren Vorsitz Herr Beigeordneter Bottler führte, waren 668 Aktien mit 1106 Stimmen angemeldet. Die höhere Anzahl der Stimmen als der Aktien rührt daher, daß die Stadt Bonn 210 Aktien mit 680 Stimmen hat. Zu Punkt 1 der Tagesordnung: Aenderung der §§ 1 und 2 des Statuts verliest der Vorsitzende ein Schreiben des Zweigvereins des Deutschen Sprachvereins von Anfang August, in dem der Gesellschaft vorgeschlagen wird, den Namen des Hotels in Könighof und des Cafés in Königsgarten umzuändern. Der Aufsichtsrat hat dieser Anregung vorläufig nachgegeben und den Namen geändert. Da aber nur die Generalversammlung darüber Beschluß fassen kann, wurde diese Frage der Versammlung gestern zur Entscheidung vorgelegt. Der Vorsitzende bemerkte, daß diese Frage von zwei Seiten zu betrachten sei; einmal, daß mit allen fremdländischen Ausdrücken aufgeräumt werden solle, dann ist aber auch mit der Schwierigkeit zu rechnen: Unser Hotel ist unter dem Namen Grand Hotel Royal im ganzen Reiche und darüber hinaus bekannt. Aendert man den Namen, so fügen sich die Bonner leicht darein; aber die Auswärtigen und Ausländischen wissen von der Aenderung nichts; da könnte dann sehr leicht eine Verwechslung mit ähnlich klingenden Gasthöfen vorkommen. Deshalb ist vom Standpunkt des Geschäftes aus eine vollständige Namensänderung nicht ganz einwandfrei. Der Aufsichtsrat empfiehlt deshalb der Versammlung, den § 1 des Statuts: Namen und Firma der Gesellschaft unverändert beizubehalten, den § 2 abzuändern in: Zweck der Gesellschaft ist der Betrieb des Gasthofes Königshof und des Kaffeehauses Königshof. Herr Dr. Krantz fragt nach den formellen Schwierigkeiten, die Anzeigen im General-Anzeiger vom 7. März 1915Anzeigen im General-Anzeiger vom 7. März 1915entständen, wenn auch der § 1 dahin abgeändert würde: Die Gesellschaft führt den Namen Gasthof Königshof (vormals Grand Hotel Royal). Der Vorsitzende Beigeordneter Bottler erklärt, daß dann alle Aktien eingezogen und umgestempelt werden müßten. – Die Versammlung stimmt der Aenderung des § 2 zu; § 1 bleibt unverändert.
   Der Geschäftsbericht wird von dem Vorsitzenden erstattet. Er erwähnt, daß die erhoffte Entwicklung des Geschäftsganges in den ersten sieben Monaten die gehegten Erwartungen durchaus bestätigt habe, daß aber die Einnahmen seit Ausbruch des Krieges um 50. v. H. gegen den gleichen Zeitraum des Vorjahres zurückgegangen seien. (...) – Zum Schluß fragte Dr. Krantz noch an, wie es mit dem Betriebe des Kaffeehauses stände. Der Vorsitzende antwortete, daß der Betrieb zu Anfang des Krieges gänzlich geschlossen werden mußte, später aber, nach 6 Wochen, wieder für die Nachmittagsstunden eröffnet worden sei und sich gut entwickelt habe. Auf die Anfrage von Dr. Krantz, ob es notwendig sei, daß immer die Musik spiele, antwortete Direktor König, daß er anfangs ohne Musik den Betrieb eröffnet habe. Es sei aber eine Unterbilanz entstanden. Sobald er aber dazu übergegangen sei, die Musik spielen zu lassen, sei der Besuch ganz erheblich gestiegen. Da weiter keine Anfragen gemacht wurden, schloß der Vorsitzende die Versammlung.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 7. März 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 7. März 1915Kriegsanleihe. Das bischöfliche Generalvikariat fordert in Nr. 5 des Kirchlichen Amtsanzeigers zu Zeichnungen auf die neue Anleihe auf. Es heißt: „Es ist vaterländische Pflicht für jeden, der dazu in der Lage ist, hier mitzuwirken, zumal es sich um eine mündelsichere, unter der Gewährleistung des Deutschen Reiches stehende Kapitalanlage handelt, unter günstiger (5 Prozent) Verzinsung.

Städtischer Speckverkauf. Trotz der ungünstigen Witterung war der Andrang zum Verkaufslokal in der Rathausgasse am Samstag nachmittag noch größer als an den beiden vorherigen Samstagen. Die Verwaltung hatte für ausreichende Vorräte gesorgt und auch der Verkauf ging flott vonstatten. Mehr als 25 Zentner Speck wurden im Laufe des Nachmittags umgesetzt. Der überaus rege Zuspruch beweist, daß der städtische Verkauf zu billigen Preisen einem wirklichen Bedürfnis entspricht, namentlich jetzt, wo die Preise für Schweinefleisch fast unerschwinglich sind. Aller Voraussicht nach findet auch in der kommenden Woche wiederum ein Verkauf von Speck statt.

Eine raffinierte Diebin wurde am Samstag von der Strafkammer wegen Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten verurteilt. Die Angeklagte, ein Dienstmädchen, hatte s. Anzeige im General-Anzeiger vom 7. März 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 7. März 1915Zt. In der Klinik gelegen und einer Frau, die in der Narkose lag, einen Fingerring entwendet und versteckt. Erst nach längerem Leugnen gab das Mädchen zu, den Ring genommen zu haben. Außerdem hatte die Angeklagte einige Kleidungsstücke entwendet. Der Vertreter der Anklagebehörde hatte drei Wochen Gefängnis beantragt. In Anbetracht der schwerwiegenden Umstände erkannte das Gericht auf eine erheblich höhere Strafe.

Bubenstreich. Vor einigen Nächten wurden am oberen Rheinwerft zwei Rettungsringe der Stadt Bonn von einem unbekannten Täter von ihrem Standort weggenommen und wahrscheinlich in den Rhein geworfen. Leider ist es bis jetzt nicht gelungen, den Burschen zu ermitteln, den eine empfindliche Freiheitsstrafe treffen würde.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

„Hindenburgstraße“. Könnte man den Bonnertalweg nicht „Hindenburgstraße“ nennen. Es ist doch längst kein Talweg mehr, rechts und links zweigen Straßen ab, die die Namen großer Männer führen, wie Bismarckstraße, Loéstraße, Moltkestraße, Lessingstraße und Goethestraße. Eine alte Abonnentin.

 (Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

 

Der unausgebildete Landsturm. Auf mehrfach an uns gerichtete Anfragen teilen wir mit, daß diejenigen unausgebildeten Landsturmpflichtigen, die am 1. August 1914 das 45. Lebensjahr bereits vollendet hatten, sich nicht zur Musterung zu stellen brauchen.

Zum Jubiläum der Bonner Königshusaren. Mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit wird auch die jetzt hier weilende Ersatz-Schwadron von einer Feier absehen. Der Verein ehemaliger Königshusaren legt morgen früh am Kaiser Wilhelm-Denkmal einen Kranz nieder.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)