Dienstag, 2. März 1915

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 2. März 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 2. März 1915Die Handelskammer zu Bonn gibt die Niederschrift über die Verhandlungen in ihrer Sitzung vom 13. Febr. Bekannt (…) Nach Erledigung der Wahlen brachte der Vorsitzende, Kommerzienrat Soennecken, wie alljährlich, einen Rückblick auf die wirtschaftlichen Verhältnisse im Jahre 1914 zum Vortrag. Er unterschied dabei die Zeit bis zum Ausbruch des Krieges und die darauf folgende Zeit, in der jene Verhältnisse eine vollständige Umgestaltung erfahren, sich aber im allgemeinen günstiger gestaltet haben, als ursprünglich erwartet wurde. Im besonderen verbreitete er sich über den Grad der Beschäftigung, die Geld- und Kreditverhältnisse, den Arbeitsmarkt, die Ernährungsfrage und die Veränderung auf dem Gebiete des Zivilrechts. (…) Im Anschluß an den „Rückblick“ wurde die Frage der Beschäftigung von Kriegsgefangenen erörtert und auch über die Vergebung von Kriegslieferungen verhandelt. Die Kammer beschloß eine Vermittlungsstelle für Kriegslieferungen einzurichten, was sowohl im Interesse der Militärbehörden, wie der im Bezirk ansässigen Firmen liegen dürfte. – Daran schloß sich ein Bericht über wichtigere Eingänge seit der letzten Sitzung.

Vor dem Schwurgericht wurde gestern die Dienstmagd K. wegen Vergehens gegen § 218 zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 2. März 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 2. März 1915Auf ein 100jähriges Bestehen kann am 7. März unser Husaren-Regiment König Wilhelm I (1. Rheinisches) Nr. 7 zurückblicken. In Anbetracht der Kriegszeit – das ganze Regiment bis auf ein Ersatz-Eskadron ist im Felde – wird naturgemäß von einer Feier abgesehen.
  
Das Regiment ist in Wriezen a. O. formiert worden aus Teilen des Schlesischen National-Husaren-Regiments und einer Eskadron der 1. Leib-Husaren. Sein erster Kommandeur war Major Graf Henckel von Donnersmark. Es hatte seine erste Garnison in Posen und wurde 1852 nach Bonn verlegt. Seitdem sind die Husaren unzertrennlich mit Bonn verknüpft. Derselbe jugendfrische Geist, der die Nationalhusaren 1813/14 zu den Attacken von Stößen und Laon begeisterte, derselbe Geist der Vaterlandsliebe und Hingebung, wie er 1870/71 im Husaren-Regiment lebte, ist auch in diesem Kriege nicht untergegangen. Und dieser herrliche Reitergeist unserer „Lehm op’s“ wird sich auch fernerhin bestätigen bis zur hoffentlich baldigen siegreichen Wiederkehr in die altvertraute Bonner Garnison.
   Unsere Bonner Bürgerschaft hat ihre freundliche Gesinnung gegenüber unseren „Lehm op’s“ bisher dadurch geäußert, daß sie den im Felde stehenden Husaren Liebesgaben sendet. Gewiß wird dies an dem Jubiläumstage des Regiments in besonders reichlichem Maße geschehen.

Erweiterung der Bestimmung über das Tragen von Kriegsorden. 1. Zum Paletot und zum Mantel darf von Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften das Band des Eisernen Kreuzes oder eines preußischen Kriegsordens oder des Militär-Verdienstkreuzes oder eines Militär-Ehrenzeichens oder der Rettungsmedaille am zweiten Knopfloch von oben getragen werden.
2. Ferner dürfen angelegt werden; a) von den Offizieren zum kleinen Dienstanzug: das Militär-Verdienstkreuz, ein Militär-Ehrenzeichen oder ein Band dieser Auszeichnungen nach der Vorschrift für preußische Kriegsorden (Offizier-Bekleidungsvorschrift Ziffer 41); b) von den Unteroffizieren und Mannschaften beim Dienst in Mütze und außer Dienst: das Eiserne Kreuz oder ein preußischer Kriegsorden oder ein Militär-Verdienstkreuz oder ein Militär-Ehrenzeichen oder ein Band dieser Auszeichnungen oder das Band der Rettungsmedaille am zweiten Knopfloch von oben des Waffenrocks.

Anzeige im General-Anzeiger vom 2. März 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 2. März 1915Osterfeldpostsendungen. Das WTB meldet amtlich: Die Heeresverwaltung macht schon jetzt darauf aufmerksam, daß das ständige Anwachsen des Feldpostverkehrs die Zulassung einer allgemeinen Versendung von Osterglückwunschkarten unmöglich macht. Das Publikum wird daher gebeten, von der Versendung derartiger Karten Abstand zu nehmen. Sonst würde die Heeresverwaltung genötigt sein, die Annahme von Feldpostkarten zur Osterzeit zeitweise gänzlich zu sperren.
  
Ebenso wird zur Vermeidung einer Sperrung vor besonderen Osterpaketsendungen dringend gewarnt.

Die Schlußprüfung der Teilnehmer an dem letzten Sanitäter-Ausbildungs-Kursus hat am Sonntag nachmittag in der Halle an der Quantiusstraße durch den Inspektor der Sanitäts-Kolonnen im Stadt- und Landkreise Bonn, Stabsarzt Dr. Förster, stattgefunden. Etwa 100 Teilnehmer aus allen Ständen unterzogen sich der Prüfung und fast alle entsprachen den gestellten Anforderungen. Rittmeister d. L. Weyermann betonte namens des Zweigvereins vom Roten Kreuz, daß die zahlreiche und rege Beteiligung an den Kursabenden ein gutes Zeugnis für das Verständnis sei, das der Sache des Roten Kreuzes entgegengebracht werde. Er dankte dem Kursleiter Stabsarzt Dr. Förster für seine unermüdlichen Bemühungen, sowie dem langjährigen Kolonnenführer Herrn Schneider für seine Tätigkeit, und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 2. März 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 2. März 1915Der Bonner Wehrbund unternahm am Samstagabend eine Geländeübung im Dunkeln, zu der die Abteilungen um 9 Uhr am Sportplatz mit großer Beteiligung antraten. Eine Partei rückte dann ab, um alle Zugänge von Dottendorf zu besetzen, der anderen Partei lag es ob, den Einmarsch in Dottendorf zu erzwingen. Der Zusammenstoß beider Parteien erfolgte gegen halb 11 auf der Friesdorfer Seite des Ortes. Um halb 12 rückten die Abteilungen wieder in die Stadt ein.
  
Am Sonntagabend fand eine Versammlung der Mitglieder und Freunde des Wehrbundes mit ihren Familien im großen Saal von Schumacher in Kessenich statt, die sehr gut besucht war. Nachdem schon bei früherer Gelegenheit im Wehrbund über die Entwicklung der Kriegsereignisse auf dem westlichen und dem östlichen Kriegsschauplatz gesprochen worden war, hielt diesmal Herr Professor Clemen einen Vortrag über den Krieg in den asiatischen und afrikanischen Kolonien Deutschlands. Darauf veranstaltete eine Turnriege der Kessenicher Abteilung des Wehrbundes ein Schauturnen am Barren, das von der vorzüglichen körperlichen Durchbildung der Turner des Wehrbundes aufs glänzendste zeugte. Herr Dr. Brüggemann las sodann eine Reihe von Feldpostbriefen aus Nordpolen vor, die ein anschauliches Bild von den dortigen Defensivstellungen während der Entwicklung der Dinge in Mittelpolen und der Entscheidung in Ostpreußen gaben. Der Vorsitzende des Wehrbundes, Herr Oberstabsarzt Professor Dr. Schmidt dankte den Beteiligten für die reichen Anregungen des Abends. Neue Mitglieder können sich jederzeit zum Wehrbund bei Herrn Goldschmidt, Brückenstraße 10, außerdem bei allen Uebungen in den einzelnen Abteilungen und Sonntags von 12 bis 1 Uhr auf der Geschäftsstelle, Thomastraße 2, anmelden.

Unsere Schülerinnen auf der Goldsuche. Man schreibt uns: Ein recht erfreuliches Ergebnis hatte die Goldsammlung am Lyzeum und der Mittelschule von Fräulein Heyermann. In nur einwöchiger Frist wurde durch den Werbeeifer der rührigen Schülerinnen die Summe von 18.000 M. in Gold umgesetzt und eingebracht. Herzlichen Dank den wackeren Mädchen und der Schule, die stets so freudig den vaterländischen Pflichten dient! Wir dürfen den Emsigen, die so erfolgreich auf Goldpfaden gestreift sind, verraten, daß sie noch in dieser Woche einen „goldigen“ einen schulfreien Tag erhalten werden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)