Sonntag, 28. Februar 1915 

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 28. Februar 1915Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 28. Februar 1915Zeichnet die zweite Kriegsanleihe! Im Hinblick auf die große Bedeutung der zweiten Kriegsanleihe für unser Vaterland und im Interesse der Erwerber der so günstigen Anlagepapiere, wie sie die Kriegsanleihe darstellt, machen wir darauf aufmerksam, daß auch bei der Königlichen Kreissparkasse in Bonn, Argelanderstraße 47, Zeichnungen an den Werktagen von 8 ½ Uhr morgens bis 7 Uhr abends und an Sonntagen von 10-12 Uhr bereitwilligst entgegengenommen werden. Auch werden von der genannten Stelle Zeichnungsscheine auf Wunsch übermittelt.

Vaterländische Reden und Vorträge. In den „Vaterländischen Reden und Vorträgen“ sprach Herr Geheimrat Thurneysen am Mittwoch u. in der Wiederholung des Vortrages am Samstag über „Irland und England“. Der Vortragende betonte, daß man die heutige Stimmung der Iren in Irland und in Amerika gegen England nur als Ergebnis der ganzen Geschichte Irlands verstehen könne und führte in wenigen Strichen seinen Zuhörern die Vergangenheit vor Augen. Er zeigte namentlich, wie in dem von den englischen Protestanten geknechteten Irland im Laufe des 18. Jahrhunderts eine irisch-nationale Partei sich zu entwickeln begann, die im 19. erstarkte und als hervorragendste Früchte die Besserstellung der irischen Bauern und den Wiedergewinn der Selbstregierung (Home Rule) zeitigte. Er schloß damit, daß seit Ausbruch des Krieges Englands gegen Deutschland der Mehrzahl der Nationalisten noch ein höheres Ziel, die völlige Befreiung Irlands von England, vorschwebe, das sie zu natürlichen Bundesgenossen Deutschlands mache, und daß sie dabei bei den irischen Amerikanern begeisterte Unterstützung finden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Februar 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Februar 1915Wegen Körperverletzung hatten sich am Samstag der Tagelöhner M., der Schreiner V., der Büffetier R. und der Tagelöhner W., sämtlich aus Bonn, vor der Strafkammer zu verantworten. Alle Angeklagten sind mehr oder weniger oft vorbestraft. Vor kurzem hatte M., der mit den anderen verfeindet war, eine Wirtschaft in der Kasernenstraße aufgesucht. Die anderen, die das wohl bemerkt hatten, begaben sich ebenfalls in die Wirtschaft, und es dauerte nicht lange, so war der schönste Krakeel in Schwung. Da die drei auf M. eindrangen, zog dieser ein Messer und wehrte sich so gut er konnte. Dabei gab es mehrfach Stichverletzungen. Das Gericht nahm an, daß M. in Notwehr gehandelt habe. Die übrigen Angeklagten seien aller Wahrscheinlichkeit nach nur zu dem Zweck in die Wirtschaft gekommen, um mit M. Händel anzufangen. M. wurde daraufhin freigesprochen. R. erhielt 1 Jahr drei Monate Gefängnis. Da bei ihm Fluchtgefahr vorlag, wurde er sofort verhaftet. V. und W. erhielten Gefängnisstrafen von je neun Monaten.

Ein gefährlicher Bursche unschädlich gemacht. In den Weihnachtsferien wurden aus der Karlsschule mehrere Geigen, Wolle, die von den Kindern zum Stricken von Liebesgaben verwendet werden sollte, sowie bares Geld, das ebenfalls für die im Felde stehenden Soldaten unter den Kindern gesammelt worden war, gestohlen. Etwa 14 Tage später gelang es der Polizei in Nürnberg, einen Menschen festzunehmen, der dort in eine Schule eingebrochen war. Bei der gerichtlichen Vernehmung des Einbrechers ergab sich jetzt, daß er auch den Diebstahl in der hiesigen Karlsschule ausgeführt hatte. Der Festgenommene ist bereits vielfach vorbestraft, u. a. auch schon mit Zuchthaus. Von den hier gestohlenen Sachen wurde bei dem Verhafteten nichts mehr vorgefunden.

Eine Modellhutausstellung ist in diesem Jahre in Köln ins Werk gesetzt worden. 22 der größten Firmen Deutschlands und eine Reihe Modistinnen haben unter dem Szepter der nationalen Mode ausgestellt. Man erwartet hier viele Modistinnen und sonstige Einkäufer in Modeartikeln. Der Grundzug der kommenden Mode besteht darin, daß sich die Damen die Kopfbedeckung unter Berücksichtigung ihrer Eigenart und Kleidung wählen können, sodaß also keine Vorschrift über die bevorzugte Anwendung von großen, mittleren und kleineren Hüten vorhanden ist. Der Zeit entsprechend werden vorwiegend dunkle Stoffe verwandt. Man hat sich bemüht, einfache Formen und Garnierungen zu wählen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Februar 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Februar 1915Unsere opferbereite Studentenschaft. Da dieses Jahr der übliche Kaisergeburtstags-Kommers ausfallen mußte, so hat die Vertreterversammlung der Bonner Studentenschaft beschlossen, die sonst dafür gemachten Aufwendungen, zu Ehren Seiner Majestät, vaterländischen Zwecken zu widmen. Es wurde demgemäß, allein von den ortsanwesenden aktiven Mitgliedern der nicht wegen des Feldzuges suspendierten Korporationen der für ihre geringe Zahl stattliche Betrag von 603 Mark aufgebracht, und wie folgt verwendet: 240 Mark an das hiesige Rote Kreuz, 240 Mark an den vaterl. Frauen-Verein, 120 Mark an die Bonner Kriegshilfe und 93 Mark an den Bonner Lazarettzug.
   Mit Befriedigung wird man hieraus entnehmen, wie auch der kleine Rest der Bonner Studentenschaft, dem es nicht gegönnt ist, mit den Waffen oder im Sanitätsdienst sich zu betätigen, ihrer vaterländischen und königstreuen Gesinnung hochherzigen Ausdruck zu geben verstanden hat.

Einen stimmungsvollen patriotischen Nachmittag leitete Herr Gerhard Ebeler aus Köln im großen Saale der Kasselsruhe.Patriotische Reden, Quartett-Vorträge und eine bildliche Darstellung aus dem Leben unserer blauen Jungens, wechselten mit Konzertunterhaltungen. Besonders die selbstverfaßten rezitatorischen Vorträge von Herrn Ebeler fanden starken begeisterten Beifall. Eine Wiederholung findet morgen (Sonntag) statt. Von der letzten Veranstaltung wurde an umgewechseltem Gold Mk. 320 der Reichsbank überwiesen.

Ein Unterhaltungsabend des Wehrbundes findet morgen, Sonntag den 28. Februar, 8 Uhr in Schumachers Gasthof zur Traube, Kessenich, Mechenstraße, statt. Es sprechen: Prof. Clemen: Die Kämpfe in unseren Kolonien. Dr. Brüggemann: Feldpostbriefe. Geheimrat Brinkmann: Humor im Felde. Dr. Fischer – Köln: Rezitationen. Mitglieder mit ihren Angehörigen, sowie alle Freunde der Sache sind herzlich eingeladen. Eintritt frei.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)