Mittwoch, 24. Februar 1915 

 

Schaufensterausstellung. Die Vernichtung eine senglischen Kreuzers durch ein deutsches Unterseeboot hat das Elektr. Geschäft Jean Nolden, Wenzelgasse, im Schaufenster sehr wahrheitsgetreu zur Darstellung gebracht. Ein Zeppelin und Flugzeuge begleiten das Schiff. Nicht bloß unsere Jugend umlagert das Schaufenster und beschaut mit blitzenden Augen dies Modellbild eines Seekampfes, auch mancher Erwachsener bleibt stehen und blickt nachdenklich auf den Seekrieg im Schaufenster.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 24. Februar 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 24. Februar 1915Der Kriegslehrgang für Lehrerinnen, Hausfrauen und erwachsene Mädchen aus Stadt und Land wurde gestern fortgesetzt. Die Beteiligung war noch stärker, als am ersten Tag. Nirgends war mehr ein Sitzplatz frei. Viele mußten im Saal noch auf der Galerie des Bürgervereins stehend den stundenlangen Ausführungen zuhören.
   Frau Pfarrer L. Haarbeck-Thallichtenberg sprach über „Das Haushalten in Küche, Haus und Hof.“ Nur die richtige, sparsame Einteilung der vorhandenen Nahrungsmittel verbürgt den Sieg in wirtschaftlicher Beziehung – so führte sie aus. (...) Nicht das Geringste darf verkommen. Wenn so jeder seine Pficht tut, kommen wir aus mit unseren Vorräten. Es ist ein Irrtum, zu glauben, die Kriegskost müsse weniger schmackhaft und weniger nahrhaft sein. Jetzt erst können wir Frauen beweisen, ob wir wirklich vom Kochen etwas verstehen, ob wir auch mit Wenigem haushalten können. Dazu gehört natürlich statt der früheren Bequemlichkeit ein wenig mehr Arbeit des Kopfes. Den Begüterten sei gesagt: Wer sich für sein Geld Delikatessen gestatten kann, zögere nicht, solche zu kaufen; denn er schont damit den Vorrat, der dem Volke gehört.
   Prof. Dr. Wygodzinski-Bonn erklärte die wichtigsten Bestimmungen des Bundesrates über die Sparsamkeit im Verbrauch von Nahrungsmitteln. Wir müßten uns in allem auf das ungünstigste Ergebnis der Ernte 1915 einrichten, wenn wir auf das Beste hoffen wollen. (...) Die Hausfrauen müssen sich zwar nun nach fremden Verfügungen in der Küchenführung richten (was ihnen gewiß nicht leicht sein wird – meint Prof. Wygodzinski – denn sie haben ja immer geglaubt, daß sie das Kochen am besten verstehen;) aber das Heer der deutschen Frauen wird jetzt auch lernen, was Deutschland groß gemacht hat und was das Heer der deutschen Männer längst gelernt hat, nämlich Disziplin halten!
   Herr Direktor Feldmann behandelte das Thema „Die Geld-, Kredit- und Darlehensverhältnisse während der Kriegszeit.“ Er (...) forderte zum Schluß seines instruktiven Vortrages auf, das Geld vor allem das Goldgeld den Banken zu bringen, wo allein es zum Wohle des Vaterlandes wirken könne.
   Den vierten und letzten Vortrag des Vormittags hielt der Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer R. Bosch-Bonn über „Die Bedeutung der Kleintierzucht während des Krieges (Geflügel-, Ziegen- und Kaninchenzucht.)“ (...)

Für seine Tapferkeit ... Den Angehörigen des am 23. Dezember 1914 bei Lodz in Polen gefallenen Offizierstellvertreters Friedrich Conrad von hier wurde das ihm verliehene Eiserne Kreuz 2. Kl. für tapferes Verhalten im Gefecht übermittelt.

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 24. Februar 1915Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 24. Februar 1915Missionsversammlung kath. Frauen und Jungfrauen. Der furchtbare Krieg, der so viel Elend über die Menschheit gebracht, hat auch dem Missionswesen schwere Wunden geschlagen und es wird nach dem Kriege gewaltige Opfer kosten, diese wieder zu heilen. Darum ist es von der größten Bedeutung, daß das Interesse für die Missionen allzeit wach gehalten und neu belebt werde. – Zu diesem Zwecke wird die Missionsvereinigung kath. Frauen und Jungfrauen auch in diesem Jahre und zwar am Sonntag, den 7. März, nachmittags 6 Uhr, im großen Saale des Bürgervereins eine Versammlung veranstalten. (...)

Katholischer Gesellenverein. Der patriotische Abend des Katholischen Gesellenvereins am verflossenen Sonntag, der zugleich als Abschiedsfeier für die vielen demnächst zum Militär einrückenden Mitglieder galt, war sehr gut besucht. Den Mittelpunkt des Abends bildete der Vortrag des Herrn Rechtsanwalts Henry über das Thema: „Unsere Kämpfer und wir.“ In kräftigen Strichen zeichnete er ein Bild von den Opfern, die unsere Soldaten da draußen an der Front so freudig und voll heldenmütiger Ergebung im Interesse des geliebten Vaterlandes bringen. Daraus folgerte er mit Recht daß wir daheim, die wir alle ohne Unterschied der Parteien und Klassengegensätze ebenso sehr wie unsere Soldaten an dem endgültigen Ausgang des Krieges interessiert seien, auch ebenso freudig wie sie zu den Opfern bereit sein müßten, die das Vaterland in dieser ernsten Stunde namentlich auf wirtschaftlichem und religiös-sittlichem Gebiete von uns allen fordere. Mit einem brausend aufgenommenen Hoch auf den Kaiser schloß der Redner seine eindrucksvollen Ausführungen. (...) Die weiteren Programmnummern, vor allem die zwei flott gespielten Einakter, paßten sich in bester Weise dem patriotischen Charakter des Abends an. Sicherlich wird die Erinnerung an diesen schönen und lehrreichen Abend die Mitglieder, die in kurzer Zeit des Kaisers Rock anziehen müssen, noch lange begleiten und in ihnen wachhalten die Flamme heiliger Begeisterung für Kaiser und Reich.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)