Samstag, 20. Februar 1915 

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 20. Februar 1915Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 20. Februar 1915Bonner Wehrbund. Am Sonntag nachmittag veranstaltet der Bonner Wehrbund eine Geländeübung im Raume von Hersel. Die Abteilungen vereinigen sich um 8 Uhr an der Karlsschule zu dieser Uebung. In der letzten Zeit sind viele Mitglieder des Wehrbundes zur Fahne einberufen worden. Noch größere Einziehungen dürfen im März und April bevorstehen. Allen denjenigen, die dann noch mit ihrer Einziehung rechnen müssen, bietet sich noch reichliche Gelegenheit durch sofortigen Eintritt in den Wehrbund ihren Körper auf die bevorstehende Dienstzeit vorzubereiten und sich im voraus mit den Elementen des Dienstes zu ihrem Vorteil vertraut zu machen. Die jetzt eingezogenen früheren Mitglieder genießen den Vorteil, ihrer vorgesetzten Behörde die amtliche Bescheinigung über ihre Teilnahme an den Wehrbundsübungen vorlegen zu können. Sie sind daraufhin fast ausnahmslos bevorzugten Regimentern, besonders der Garde zugewiesen worden. Sie dürfen auch weiter darauf rechnen, sich des besonderen Vertrauens ihrer Vorgesetzten zu erfreuen.

Sanitätshunde. Die hiesige Meldestelle des Deutschen Vereins für Sanitätshunde hat wiederum 5 Führer mit 5 Sanitätshunden nach der Front abgesandt. (...) 40 Führer und 41 Sanitätshunde stehen von Bonn aus schon im Felde. – Bei der Bonner Meldestelle können wieder weitere Führer zur Ausbildung eingestellt werden. Als solche kommen noch nicht oder nicht mehr dienstpflichtige Leute, sowie Landsturm mit und ohne Waffe in Frage. Meldung bei dem Leiter der Meldestelle Herrn Polizeikommissar Flaccus, Kirschallee 23 wohnhaft.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Stadtverordnetensitzung vom 19. Februar.
Oberbürgermeister Spiritus eröffnete die Sitzung um 5.15 Uhr.
   Vor Eintritt in die Tagesordnung entschuldigte Stadtv. Henry den Stadtv. Mengden wegen seines Fehlens bei der Sitzung damit, daß auch sein 2. Sohn auf dem Felde der Ehre den Heldentod gestorben sei.
   Oberbürgermeister Spiritus bat den Stadtv. Henry, dem Stadtv. Mengden die Teilnahme der Versammlung auszusprechen.
   Sodann gab der Vorsitzende Kenntnis von der Schrift des Herrn Apothekers Block-Bonn „Blut als Nahrungsmittel“ und legte es auf dem Tisch des Hauses zur Einsichtnahme aus.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Anzeige im General-Anzeiger vom 20. Februar 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 20. Februar 1915Die Versammlung tätigte verschiedene Kommissionswahlen, erklärte sich mit der Ergänzung des Gemeindebeschlusses über den Schlachthauszwang einverstanden und genehmigte die erforderlichen Mittel zur Erneuerung des Fußbodenbelages in einem Raum der Vernichtungsanstalt [im städtischen Schlachthof].
   Die Versammlung bewilligte zur Bewirtschaftung brachliegender Grundstücke einen Kredit von 1.200 Mark für den Hektar. Mit einer Neunummerierung der Westseite der Endenicher Allee, der Vereinigung der Zahlstelle Bonn-West mit der Steuerzahlstelle Altstadt und der Abänderung einer Bestimmung des Gesellschaftsvertrages der rechtsrheinischen Bahnen erklärte die Versammlung sich einverstanden.
   Verschiedene Einrichtungen im städt. Plegehaus, die Verpachtung von Grundstücken und die Richtigstellung eines Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung wurden gutgeheißen. Eine Erhöhung der Steuer für Luxushunde wurde vertagt. (...)
   Ein Antrag auf Zuschüsse zu den Einquartierungsgeldern wurde ebenfalls vertagt und eine Anfrage wegen Durchführung des Straßenbahnbetriebs bis zur Bergstraße dahin beantwortet, daß der Betrieb am 1. März ohne Erhöhung des Fahrpreises aufgenommen werde.
Ein Antrag (...) wegen des Preisunterschiedes zwischen dem bei Bäckern beschlagnahmten Roggen und dem von der Stadt gelieferten Roggenschrotmehl wurde besprochen und ruch die Besprechung für erledigt erklärt.

(Bonner General-Anzeiger, „Aus Bonn“)

Antrag betr. Ersatzwahlen für die Stadtverordneten-Versammlung.
Es ist folgender Antrag eingegangen: „Die unterzeichneten Stadtverordneten beantragen, auf die Tagesordnung der nächsten Stadtverordnetensitzung folgenden Gegenstand zu bringen: Ersatzwahl für die innerhalb der Wahlperiode ausgeschiedenen Stadtverordneten. Bonn, 15. Febr. 1915. gez. Cosack, Krantz.“
   Stadtv Krantz: Die wiederholt eingetretene Tatsache, daß die Kommissions- und Stadtverordneten-Sitzungen nicht genügend besetzt gewesen sind, hat die liberale Fraktion zu diesem Antrag veranlaßt. Sie wissen, daß wir eine starke Einbuße an mitbestimmenden Stadtverordneten erlitten haben durch Einziehung zum Heere. Es sind 6 der liberalen Fraktion und einer der Zentrumsfraktion. Außerdem für militärische Zwecke, als Aerzte vier Herren, zwei vom Zentrum und zwei von der liberalen Fraktion eingezogen worden. So gehen 11 Herren dadurch verloren. Nun kommt der große Verlust dazu, den der Tod in unseren Reihen veranlaßt hat. Vier Herren sind durch Tod abgegangen.; daß sind also 15 Herren, die fehlen. Wir möchten dann bitten, die Fraktionsverhältnisse zu beachten. Das Verhältnis zwischen der liberalen Fraktion und dem Zentrum von 22:17 ist ausgeglichen, jetzt steht es 16:16. Das Verhältnis verschiebt sich also zu Ungunsten der liberalen Fraktion. Wir halten es für eine große Ehre, daß sechs unserer Fraktionsmitglieder eingezogen sind, aber wir wünschen nicht, daß dies uns zum Nachteil gereicht. Ich muß mit großer Anerkennung davon sprechen, daß sich gleich zu Kriegsbeginn ein Zusammenschluß aller Bürger, ohne Rücksicht auf die Partei gebildet hat, der sich in außerordentlich glücklicher Weise bewährt hat. Dieser Zusammenschluß, der deswegen schon angenehm empfunden wurde, weil er eine persönliche Anerkennung und das gegenseitige Vertrauen in sich schließt, hat den weiteren Vorteil, aus der ganzen Bürgerschaft Hilfskräfte herbeigerufen zu haben, ohne nach der Partei zu fragen. Dieses schöne Verhältnis besteht glücklicherweise bis auf den heutigen Tag. Ich möchte daher die Herren von der Zentrumsfraktion bitten, den Antrag, wie er gestellt ist, zu genehmigen. Im Namen meiner Fraktion kann ich erklären, daß wir bereit sind, auf Grund des gegenwärtigen Besitzstandes weiter zu arbeiten. Ich glaube, meine Herren, wenn Sie das alles bedenken und dem Antrage zustimmen, wird dies in der weitesten Bürgerschaft aufs wärmste empfunden werden. Draußen im Felde stehen unsere Truppen im einmütigen Zusammenhalten gegen einen übermächtigen Feind; auch wir, die wir in der Heimat das bürgerliche Leben aufrecht erhalten und seine Aufgaben lösen sollen, wollen uns nicht veruneinigen, sondern auch in einheitlichem Zusammenwirken weiter arbeiten.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

Stadtv. Henry gibt darauf folgende Erklärung ab:
„Im Auftrage der Zentrumsfraktion habe ich folgendes zu erklären:
   „Die Zentrumsfraktion erkennt an, daß die liberale Fraktion bei der Zahl ihrer durch Tod abgegangenen Mitglieder den berechtigten Wunsch hat, ihre Reihen zu ergänzen. Sie glaubt, daß diesem Wunsche durch eine Ersatzwahl in der ersten Klasse, die bisheran unbestrittener Besitz der liberalen Fraktion ist, Genüge geschieht.
   Aus demselben Grunde ist die Zentrumsfraktion mit einer Ersatzwahl in der in ihrem festen Besitze befindlichen dritten Klasse einverstanden.
   Die Ersatzwahl in der heißumstrittenen zweiten Klasse glaubt die Zentrumsfraktion in dem Bestreben, einen Wahlkampf zu vermeiden, bis zum Herbst verschieben zu sollen. Ich stelle daher den Antrag, die Ersatzwahl nur für die erste und dritte Klasse vorzunehmen.“
   Die Abstimmung ergibt ein Stimmenverhältnis von 13:13. Oberbürgermeister Spiritus gibt die Entscheidung für den Antrag der Herren Cosack und Dr. Krantz. (...)
   Oberbürgermeister Spiritus: Nun gestatten Sie mir, meine Herren, noch ein kurzes Wort. Ich möchte wünschen, daß die Wahlen, denen wir jetzt entgegengehen, in demselben Geiste vor sich gehen werden, wie ihn die Bonner Bürgerschaft in den sechs Kriegsmonaten an den Tag gelegt hat. Ich kann sicher sein, daß die Bonner Bürgerschaft sich nicht in Parteikämpfe einlassen wird. Ich hoffe, daß es den in Frage kommenden Persönlichkeiten gelingen wird, zwischen beiden Fraktionen Kompromisse zu schließen, die beide Seiten befriedigt und der Stadt zum Segen gereicht. (Bravo!)
   Stadtv. Henry erklärt im Namen seiner politischen Freunde, daß er den Worten des Oberbürgermeisters zustimme.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)