Samstag, 30. Januar 1915 

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 30. Januar 1915Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 30. Januar 1915Freiwillige Krankenpflege. Auf Anordnung des Hrn. Territorialdelegierten für freiwillige Krankenpflege in der Rheinprovinz entsandte der Vaterländische Frauen-Verein Stadtkreis Bonn wiederum 6 Schwestern in das Etappengebiet, zum ersten Male nach dem Osten. Die Schwestern traten gestern von Koblenz aus die Reise nach Lodz an.

Ein allgemeiner Appell aller Abteilungen des Bonner Wehrbundes findet am Sonntag nachmittag statt. Die Abteilungen vereinen sich dazu um 3 Uhr auf dem Arndtplatz, von wo aus sie geschlossen zur Auguststraße am Hofgarten marschieren. Dort findet eine Aufstellung zur Besichtigung seitens der Behörden statt, die um 4 Uhr erwartet wird. Nach der Besichtigung findet am Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Kaiserplatz ein Vorbeimarsch statt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Kriegsgedichte. Wir bitten unsere Leser dringend, die Einsendung von Kriegsgedichten möglichst zu beschränken, da durch die Prüfung der meist nicht druckreifen Reime der Redaktionsdienst zu stark belastet wird.

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Januar 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Januar 1915Das Stadtverordneten-Kollegium, das gestern tagte, hat eines seiner tüchtigsten Mitglieder durch den Tod verloren. Gestern nacht starb nämlich nach langer Erkrankung Konsul Louis Wessel. Oberbürgermeister Spiritus widmete dem verstorbenen Stadtverordneten einen herzlichen Nachruf, den wir in seinem Wortlaut an anderer Stelle zum Abdruck bringen. Der städtische Kriegshilfetag hat – trotzdem die Sammlung noch nicht ganz abgeschlossen ist – laut Mitteilung des Herrn Oberbürgermeisters im Kollegium – bis jetzt eine Reineinnahme von 18.000 Mark ergeben. Der Vorsitzende verlas ein Schreiben des Generalfeldmarschalls von Hindenburg, in dem dieser der Stadt Bonn für die Beihilfe zur Hindenburg-Spende seinen besten Dank ausspricht.
  
Die Pflasterung eines Kohlelagerplatzes auf dem Schlachthofgelände wurde genehmigt, ebenso die Bewilligung eines weiteren Kredits von 100.000 Mark für die Errichtung eines Gasautomaten. Mit der Uebernahme eines Fehlbetrags von 4423,39 auf den städtischen Haushalt, mit welchem Betrag die Rechnung des Städt. Gesangvereins für 1913/14 abschließt, erklärte sich die Versammlung einverstanden. Gegen die Verpachtung einiger Grundstücke war nichts zu erinnern. Es wurden einige Wahlen, insbesondere Kommissionswahlen, vorgenommen.
   Eine Anfrage von Dr. Krantz und seiner Freunde wegen der Lebensmittel- und Fleischversorgung der Stadt wurde eingehend beantwortet. In den Unterstützungsausschuß wurden die noch abkömmlichen Mitglieder des Teuerungsausschusses, Feldmann und Kaiser, und außerdem die Herren Kalt und Gentrup gewählt. Auf eine Anfrage wegen der Metallsammlung teilte Abgeordneter Piehl mit, daß es sich empfehle, so lange mit der Hergabe von Metall zu warten, bis die Vaterländischen Vereine die Angelegenheit in die Hand genommen hätten. Aus diesem Grunde sei auch die bereits in den Schulen begonnene Metallsammlung vorerst eingestellt. (...)

 

Zur Kriegshilfe. Der Bonner Männer-Gesang-Verein „Apollo“, der seit Beginn des Krieges sich in den Dienst der Wohltätigkeit stellt, wird morgen Sonntag ein Konzert mit Kaisergeburtstagsfeier auf Kasselsruhe geben. Herr Kessel hat sein Lokal unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Der Ertrag ist für das Rote Kreuz bestimmt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Zur Nachahmung empfohlen. Eine hiesige Firma am Markt sandte aus Anlaß des Kaisergeburtstages an eine große Anzahl im Felde stehende arme Soldaten Paketchen mit Unterzeug, Kopfschützern und sonstigen praktischen Sachen. Jeder Sendung waren folgende Verse beigefügt:
  
„Es wird es muß bald tagen,“ – Dies Raunen geht durch’s Land, - Die treu den Feind geschlagen, - Dir Held reich ich die Hand. – Als Dank am hehren Kaiser-Tag – Bring ich Dir diese Gabe dar, - Nichts mög auch mehr gefährden! – Der Friede muß auf Erden.

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 30. Januar 1915Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 30. Januar 1915Zur Erflehung des Friedens finden auf Anordnung des Papstes am 7. Februar in allen Pfarr- und Klosterkirchen Europas besondere kirchliche Feiern statt. Das Allerheiligste bleibt den ganzen Tag über zur öffentlichen Anbetung ausgesetzt. Abends soll die Feier mit dem sakramentalen Segen geschlossen werden. Der Papst hat ein Gebet zur Erflehung des Friedens verfasst, das an dem Abend nach dem Rosenkranz verrichtet wird. Zugleich ermahnt der Papst die Gläubigen, an diesem Tage die hl. Eucharistie zu empfangen. – In den außereuropäischen Diözesen findet die kirchliche Feier am 21. März statt.

Die Bonner Landstürmer in Libramont haben den Geburtstag des Kaisers, wie uns aus Librament geschrieben wird, schlicht aber herzlich und – trotz der Kriegszeit – gemütlich gefeiert. Morgens um 10 Uhr versammelten sie sich ohne Unterschied der Konfession zum katholischen Gottesdienst zusammen. Ein deutscher Pater aus dem belgischen Kloster Chanty zelebrierte die hl. Messe und hielt eine Ansprache, die von großer Begeisterung des Deutsch-Belgiers für den deutschen Kaiser zeugte. (Der Pater ist schon 22 Jahre in Belgien.) Nachdem zog die Kompanie mit klingendem Spiel zum Kompaniesammelplatz. Es war das erstemal, daß die Spielleute aus der Kompanie marschierten, ein schönes Bild für unsere neuen belgischen Landsleute. Dann folgte eine kurze Ansprache des stellvertretenden Kompanieführers, danach Parademarsch, welcher trotz unserer 40 – 45 Jahre großartig klappte. Abends war gemütlicher Bierabend bei Münchener Bier. Natürlich haben wir auch einen Gesangverein, welcher unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Lehrer Diedrichs, geradezu Großartiges leistete. Es war ein schöner Abend, den jeder Landsturmmann nie vergessen wird. G.K.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)