Samstag, 1. Juli 1916

    

Sammlung von Obstkernen zur Oelgewinnung. Der dem Reichskanzler unterstellte Kriegsausschuß für Oele und Fette hat eine umfassende Sammlung der ölhaltigen Obstkerne in die Wege geleitet und ihre Ausführung dem Vaterländischen Frauenverein übertragen. Der Stadt-Bonner Zweigverein hat nun im Verein mit dem Ausschuß für hauswirtschaftliche Kriegshilfe in allen Schulen und in der Verkaufsstelle des Ausschusses für hauswirtschaftliche Kriegshilfe Am Hof 1 Sammelstellen für Obstkerne eingerichtet und bittet alle, recht eifrig zu sammeln, damit es durch die Hilfe jedes einzelnen ermöglicht wird, dieser bedeutungsvollen vaterländischen Aufgabe im weitesten Maße zu genügen. Es sollen gesammelt werden: Die Steine von süßen und sauren Kirschen, Pflaumen und Zwetschen, Mirabellen, Reineklauden und Aprikosen, außerdem die Kerne von Kürbissen und Trauben. Es ist nötig. Daß die Kerne von reifem Obst stammen, weil die des unreifen Obstes wenig und schlechtes Oel enthalten. Jedoch können auch die Kerne von gekochtem und gedörrtem Obst verwendet werden. Die abgelieferten Kerne müssen gut gereinigt und getrocknet sein, und vor allem dürfen die Kernarten nicht vermischt werden, dies würde den Zweck der Sammlung schädigen. Anhängende Reste von Fruchtfleisch setzen den Wert der Kerne sehr herab, deshalb ist es nötig, die Kerne im warmen Wasser zu reinigen und vorsichtig in der Sonne zu trocknen. Andere Obstarten als die genannten sind nicht zu sammeln.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 1. Juli 1916Ein angeblich taubstummer junger Mann besuchte in diesen Tagen die an der Rheinuferbahn gelegenen Ortschaften unseres Landkreises und suchte da in den bessern Famlien auf Grund „amtlich beglaubigter“ Ausweispapiere Unterstützungen zu erbetteln. Durch diese Schriftstücke wies er nach, daß er aus Bayern stamme, im Krieg verschüttet worden sei und sich dabei sein schweres Uebel zugezogen habe. Vor wenigen Tagen sei er aus der Arbeit in einer Geschoßfabrik entlassen worden und deshalb auf die Mildtätigkeit des Nächsten angewiesen. – Er übernachtete auf dem Felde in Strohschobern und sprach tagsüber stark dem Alkohol zu, und einige Leute wollen ihn in berauschtem Zustande sprechen gehört haben. Die milden Gaben flossen dem „armen Krieger“ überall reichlich zu, weil jedermann ihn bedauerte.

Dem Bonner Wehrbund gehören jetzt vor allem die Schüler der hiesigen Fortbildungsschule an, aber wie sich an seinen Uebungen zuerst die bereits oder noch dienstpflichtigen Jünglinge und Männer beteiligten, so sollten das auch jetzt in viel größerem Umfange als es zur Zeit geschieht, diejenigen tun, die demnächst zur Fahne einberufen werden. Sie würden davon nicht nur den Vorteil haben, daß sie, wie die frühern Mitglieder des Wehrbundes, die Ausbildung und später der Dienst im Felde weniger anstrengt und schneller voranbringt, sondern sie werden auf Grund eines Erlasses des Kriegsministeriums vom 29. Januar 1916 schon vorher gefragt, in welchen Truppenteil der Waffen, für die sie ausgehoben sind, sie eingestellt werden möchten. Allerdings können diese Wünsche nicht immer berücksichtigt werden, aber schon daß sie geäußert werden dürfen, ist offenbar eine große und wichtige Vergünstigung. Die demnächst oder in Bälde einzuberufenden Jungmannen sind in besondern Abteilungen vereinigt, die Sonntags für sich üben und in der Woche Dienstags und Freitags abends von 8 ½ (oder 9) bis 10 Uhr an folgenden Stellen und unter nachstehenden Leitern turnen: in der Turnhalle der Stiftsschule unter Herrn Peter Lanser, in der Turnhalle der Nordschule unter Herrn Lehrer Ruster, in der Turnhalle in Kessenich unter Herrn Ferd. Büttinghausen, in der Turnhalle in Poppelsdorf unter Herrn Turnwart Bauer. An all diesen Stellen werden zu der angegebenen Zeit Neumeldungen entgegengenommen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

        

Lindenblütentee. Berechtigungsscheine zur Entnahme von Lindenblüten (Tee-Ersatz) aus den städtischen Anlagen werden von der städtischen Garten-Verwaltung, Rathausgasse 16 an Interessenten unentgeltlich verabfolgt.

Kartoffelbeschlagnahme im Stadtkreise Bonn. Im Stadtkreise Bonn sind sämtliche Kartoffeln, alte wie neue, für den Kommunalverband beschlagnahmt. Gestattet sind nur Verkäufe an den Kommunalverband Stadtkreis Bonn oder an einen von diesem bestellten Ankäufer, welcher mit einer entsprechenden Ausweiskarte versehen ist.

Städtischer Kartoffelverkauf. In der Woche vom 2.- 8. Juli 1916 können bei den städtischen Verkaufsstellen nicht mehr wie 2 Pfund Kartoffeln für den Kopf und die Woche verabfolgt werden. Der Kartoffelpreis beträgt für die Woche vom 2. bis 8. Juli 1916 für Abteilung A Pfund 5 Pfg., für Abteilung B Pfund 6 Pfg., für Abteilung C Pfund 10 Pfg. Die Kartoffeln werden an allen Tagen ausgegeben.

Lebensmittel-Verkauf. In einer Anzeige dieser Nummer sind die Lebensmittel angegeben, die in der Zeit vom 2.-8. Juli in denjenigen Geschäften, die als Verkaufsstellen städtischer Lebensmittel bezeichnet sind, abgegeben werden und zwar mit Angabe der Preise. Plock- und Mettwurst gelangt in Metzgereien und anderen einschlägigen Geschäften zum Verkaufe, Speck und Schmalz nur in Metzgereien. Den Lebensmittelgeschäften werden genügend Vorräte der bezeichneten Lebensmittel zur Verfügung gestellt, sodaß jeder die ihm zustehende Menge bestimmt erhalten kann. Jeglicher Andrang, besonders an den ersten Verkaufstagen ist daher vollständig überflüssig.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)