Dienstag, 29. Februar 1916

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. Februar 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 29. Februar 1916Arndt-Eiche in Eisen.
Gestern nachmittag hatte sich der Lehrkörper und die Studentenschaft unserer Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität an der Arndt-eiche zur Kriegsnagelung eingefunden. Die Chargierten der studentischen Korporationen nahmen mit ihren Bannern vor dem Wahrzeichen Aufstellung, während Rektor und Senat sowie der Arbeits-Ausschuß mit seinem Vorsitzenden, Herrn Oberbürgermeister Spiritus, unter der Kuppel versammelt waren. Stud. theol. Mathias Schiffer von der Vereinigung Katholischer Theologen brachte das Hoch auf unsern Kaiser aus. In schwungvollen Worten feierte er die heilige Vaterlandsliebe, die Begeisterung und Entschlossenheit, für Kaiser und Reich, für Volk und Heimat das Leben einzusetzen, wobei die Studentenschaft nicht in letzter Reihe stehe. Redner gedachte der ruhmreichen Taten unseres Landheeres, die fast noch von unserer Marine übertroffen würden. Solche Beweise ernster Pflichterfüllung, solche eiserne Disziplin seien nur dort möglich, wo jeden dieselbe Liebe zum gleichen Vaterlande beseele, für das er freudig kämpfe und, wenn es sein müsse, willig sterbe. Der jugendliche Redner schloß mit dem Wunsche, daß unserm Kaiser auf seinen kriegerischen Taten neue edle Werke des Friedens erblühen möchten. In das mit Begeisterung aufgenommene Hoch auf unseren Kaiser stimmte die Versammlung freudig ein.
   Nachdem die letzten Klänge des „Heil Dir im Siegerkranz“ verhallt, richtete Se. Magnifizenz Herr Rektor Geheimrat Dr. Anschütz folgende Worte an Herrn Oberbürgermeister Spiritus:
   Hochgeehrter Herr Oberbürgermeister! Lehrkörper und Studentenschaft der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität haben einen der vier Ehrenschilde am Stamme der Arndteiche gestiftet. (...) Wir alle nehmen den innigsten Anteil an Freud und Leid der Stadt Bonn, wenn auch die wenigsten von uns geborene Bonner sind. (...) Die hier stehenden Dozenten und die jedes Semester die Universität aufsuchenden Scharen von Studierenden fühlen sich hier bald heimisch, wozu der heitere Sinn und die lebensfreudige Tüchtigkeit der Bonner nicht wenig beiträgt.
    (...) Uns allen, die wir uns heute hier zusammen gefunden haben, ist unser liebes Bonn ans Herz gewachsen. Unseren Gefühlen der Zuneigung und Anhänglichkeit an die Stadt Bonn, die allzeit blühen, wachsen und gedeihen möge, geben wir lebendigen Ausdruck mit dem Ruf, in den ich Sie alle einzustimmen bitte: Die Stadt Bonn lebe hoch! hoch! hoch!
   Her Oberbürgermeister Spiritus nahm die Spende der Universität, eine Brieftasche mit 2000 Mark Inhalt, mit Worten herzlichen Dankes in Empfang und hielt hierauf etwa folgende Ansprache:
   Hochverehrte Versammlung! Eurer Magnifizienz danke ich namens der Stadt Bonn aufrichtig für die gütigen Worte, die Sie soeben an mich gerichtet haben. Nicht minder danke ich für die große Spende, die die Universität Bonn durch ihre Lehrer und Schüler heute durch Nagelung an der Arndteiche der Bonner Kriegshilfe, vor allem den Witwen und Waisen gefallener Bonner zu Teil werden läßt. Die Universität bekundet dadurch ihr warmes Interesse für die Bürgerschaft der Stadt Bonn (...).Wenn ich mich dieses aufrichtigen Dankes entledige, benutze ich zugleich gern die Gelegenheit, um der Universität Bonn weiter zu danken für das große Entgegenkommen, das die Stadt in dieser Kriegszeit seitens der Universität gefunden hat. Ich verweise insbesondere darauf, daß die Universität ihre großen, leider ja jetzt leer stehenden Säle zur Verfügung stellte, wodurch es ermöglicht oder doch jedenfalls sehr erleichtert wurde, die Lebensmittelversorgung unserer Bevölkerung zu einem ersprießlichen Ergebnis zu führen. Alles dies, meine verehrten Herren ist ein Beweis dafür, wie eng und befreundet Universität und Stadt Bonn zusammenstehen. (...)
   Aber, meine verehrten Anwesenden, jetzt ist nicht die Zeit zum Feiern von Jubiläen. Noch steht unser Vaterland in schwerem Kampfe mit einer Welt von Feinden, noch heißts andere Ausschau zu halten, als wie in eine Zukunft zum Feiern und zur Freude. (...) Aber, meine verehrten Herren, auch dieser Weltkrieg wird ein Ende haben, und es wird eine Zeit kommen, wo unsere mit dem Lorbeer des Sieges gekrönten Truppen heimziehen in die alte Vaterstadt. Dann kommt für unser deutsches Vaterland, für jeden Stand und Beruf in ihm eine neue Zeit. Dann wird es sich darum handeln, das, was das deutsche Schwert uns erfochten und errungen, umzusetzen in neue Werte von wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Bedeutung. Daran und dabei werden die deutschen Hochschulen als Träger der Bildung und Kultur vor allem zur Mitarbeit berufen sein, und auch der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität wird sich dann ein schönes weites Feld der Arbeit eröffnen, auf dem sie säen und Früchte hervorbringen kann, zu ihrem Ruhm und zum Wohl unseres geliebten deutschen Vaterlandes. So möge aus schwerer Zeit der Universität Bonn eine gesegnete und glückliche Zukunft erwachsen. Das ist der Wunsch, den ich heute aufrichtig namens der Stadt Bonn der Universität entgegenbringe und zu dessen Bekräftigung ich Sie alle bitte, mit mir einzustimmen in den Ruf:
   Die Universität Bonn, ihre Lehrer und Schüler, an ihrer Spitze der Rektor Magnificus, sie leben hoch!
   Nunmehr wurde die Nagelung durch Anbringen eines in Eisen getriebenen künstlerisch ausgeführten Schildes vorgenommen, das das Siegel der Universität trug. Den ersten Nagel schlug Rektor Geheimrat Anschütz ein, den zweiten der Vorsitzende der Vertreterversammlung und sodann folgten die einzelnen Chargierten, die Nägel mit dem Zirkel ihrer Korporation einschlugen.
   Der von der Witterung begünstigte Nachmittag hatte die Bonner zu Tausenden nach dem Münsterplatz gelockt, um das vertraute farbenprächtige Bild, das die Studenten in großem Wichs mit ihren farbenprächtigen Fahnen boten, nach langer Zeit wieder einmal sehen zu können. Es erinnerte an friedliche Zeiten! Eine Militär-Musikkapelle, die während der Nagelung lustige Weisen erklingen ließ, erhöhte die Stimmung der durch die Siegesnachrichten erfreuten Zuhörerschaft.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Ein Elternabend zur Beratung der Berufswahl war am Sonntag vom Innungs-Ausschuß im Vortragssaal der Fortbildungsschule veranstaltet. Direktor Bins hielt einen Vortrag über die Bedeutung der richtigen Wahl des Berufes für das Leben uns stellte an die Spitze seiner Ausführungen den Satz: Der Beruf soll vor allem dem Menschen innere Befriedigung bringen. Dazu ist bei der Wahl zu beachten, daß er den Neigungen des Wählenden, den geistigen und körperlichen Anlagen entspricht. Lediglich den Neigungen des jungen Mannes ohne Berücksichtigung seiner Anlagen und Fähigkeiten zu folgen, wäre falsch. Deshalb bewährt sich die sogenannte freie Berufswahl seitens der Schulentlassenen allein nicht. Es müssen Ratgeber hinzukommen und diese sind Eltern, Lehrer, Arzt und Männer der Praxis. In ausführlichen Darlegungen wies der Vorsitzende auf die erziehliche[n] und wirtschaftliche[n] Vorteile einer geordneten Lehre gegenüber dem ungelernten Berufe hin und ermahnte die anwesenden Eltern, Beschwerden nicht zu fürchten und auf scheinbaren anfänglichen Verdienst zu verzichten, um die Söhne und Töchter zu selbständigen, zufriedenen und glücklichen Menschen in einen gelernten Beruf zu führen. Recht praktische und deshalb überzeugende Erläuterungen gaben hierauf erfahrene Handwerksmeister über Betrieb, Anforderungen und Aussichten ihres Gewerbes. Es sprachen die Herren Maler- und Anstreichermeister Hartmann, Schneidermeister Dalschow, Metzgermeister Brandstätter, Schmiedemeister Lux, Friseur Senff, Schlossermeister Kofferath und zusammenfassend über die gebotenen Ausführungen Herr Maler- und Anstreichermeister Wallenfang. Eine zweite gleiche Versammlung soll am Sonntag, den 12. März 1916, abends, wieder im Vortragssaale der Fortbildungsschule abgehalten werden. Von nun ab werden jeden Sonntag Morgen von 11-12 Uhr Vertreter des Innungs-Ausschusses in der Fortbildungsschule, Zimmer 10, anwesend sein, um den Eltern und Söhnen bei der Berufswahl mit Rat zur Seite zu stehen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)