Donnerstag, 29. November 1917

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. November 1917Anzeige im General-Anzeiger vom 29. November 1917Die Universitätsbibliothek hat soeben ihren Jahresbericht für das am 31. März abgelaufene Jahr 1916/17 herausgegeben. Der Bericht stellt mit Befriedigung fest, daß das Berichtsjahr in der immer dringlicher werdenden Neubaufrage einen höchst erfreulichen Fortschritt gebracht hat. Durch die hochherzige Schenkung eines Ehepaares, das nicht genannt sein will, wurde es ermöglicht, das vortrefflich gelegene Grundstück Poppelsdorfer Allee 25 zu erwerben. Auch für die Erweiterung durch ein Nachbargrundstück wurden von derselben Seite die Mittel zur Verfügung gestellt. Dadurch wird das Grundstück auch in seiner Größe weitgehenden Anforderungen genügen und auf lange Zeit die ersehnte freie Entwicklung der Bibliothek und ihres Betriebes ermöglichen. Möchte es gelingen, auch die Kosten des Baues bereitzustellen, so daß er sofort nach dem Kriege begonnen werden kann. […]

Hunde an die Front! Es eignen sich der deutsche Schäferhund, Dobermann, Airedal-Terrier und Rottweiler, auch Kreuzungen aus diesen Rassen, die schnell und gesund sind und mindestens 40 Zentimeter Schulterhöhe haben. Sie müssen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die Diensthunde werden aufs beste gepflegt und gefüttert. Die Hunde werden – von Fachdresseuren ausgebildet – im Erlebensfalle nach dem Kriege an ihre Besitzer zurückgegeben. Bei den ungeheuren Kämpfen an der Westfront haben die Hunde durch stärkstes Trommelfeuer die Meldungen aus vorderster Linie in die rückwärtige Stellung gebracht. Hunderten unserer Soldaten ist durch Abnahme des Meldeganges durch die Meldehunde das Leben erhalten worden. Militärisch wichtige Meldungen sind durch die Hunde rechtzeitig an die betreffende Befehlsstelle gelangt. Obwohl der Nutzen der Meldehunde im ganzen Lande bekannt ist, gibt es noch immer Besitzer von für den Kriegsdienst geeigneten Hunden, welche sich nicht entschließen können, ihr Tier der Armee und dem Vaterlande zu leihen! An alle Besitzer der vorgenannten Hunderassen ergeht daher die dringende Bitte: Stellt Eure Hunde in den Dienst des Vaterlandes! Wer zögert? Anmeldungen nimmt entgegen Sanitätshund-Meldestelle Bonn, Leiter Polizeikommissar Flaccus, Bonn, Kirschallee 23.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. November 1917Anzeige im General-Anzeiger vom 29. November 1917Am Kriegsgericht Bonn wurde am Donnerstag der 27jährige Josef Me. aus Lannesdorf, welcher am 24. Oktober in der dortigen Gemarkung auf einen noch nicht abgeernteten Kartoffelacker des Grubenbesitzers Sebastian Me., tagsüber sich 2 Zentner Kartoffeln aufsammelte, mit 6 Wochen Gefängnis bestraft. – Für einen Diebstahl von 116 Pfund Tafeläpfel während der Nacht zum 9. September in der Godesberg-Friesdorfer Gemarkung erhielt der 52jährige Maurer Friedrich Ma. aus Friesdorf eine empfindliche Freiheitsstrafe von 3 Monaten Gefängnis. […] Ein 18jähriger belgischer Arbeiter in der Chamottefabrik zu Mehlem hatte seinen Mitarbeitern verschiedentlich Geldbeträge gestohlen und diese hauptsächlich für Einkäufe von Lebensmitteln verwandt, die er an französische Kriegsgefangene in dieser Fabrik verkäuflich abließ. Laut angebrachten Aushängeschildern an allen Ausgängen ist allen dortigen Arbeitern der Verkehr mit Kriegsgefangenen untersagt. Des Angeklagten Strafmaß lautete auf 1 Woche Haft. […]

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Für die Rheinische Goldankaufwoche vom 9. bis 16. Dezember, unter dem Ehrenschutze des Oberpräsidenten hat Dienstag eine Versammlung in der Lese die nötigen Vorbereitungen für Bonn und Umgegend getroffen. Herr Oberbürgermeister Spiritus begrüßte die von ihm eingeladenen Landräte des Bonner und des Siegkreises, die Vorsitzenden der Vaterländischen Vereinigungen, die Leiterinnen der Frauenvereine und die bei der letzten Reichsanleihe tätigen Obmänner der Werbekreise. Er wies auf die außerordentlich große Bedeutung des Goldankaufs und der Goldankaufwoche für die Rüstung der Reichsbank und damit des Reiches hin und betonte, daß leider die Rheinprovinz in der Goldabgabe noch hinter den Provinzen Sachsen und Pommern weit zurückgeblieben sei. […] Es wurde darauf beschlossen, die Stadt wie bei der letzten Reichsanleihe wieder in Werbekreise zu teilen und in ihnen von Haus zu Haus zu werben. Nach einer eingehenden Aussprache schloß der Oberbürgermeister die Sitzung mit herzlichen Wünschen für ein reiches Ergebnis der Goldankaufwoche.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)