Sonntag, 12. August 1917

       

Anzeige im General-Anzeiger vom 12. August 1917Alles Gold gehört in dieser eisernen Zeit dem Vaterlande!
Verkauft daher Eure Goldsachen der Goldankaufstelle am Münsterplatz!

Wilde Gerüchte. Wir lesen in Traubs „Christlicher Freiheit“: Deutschland ist voll von unsauberen Gerüchten und Klatschereien. Eben höre ich, daß eine Bonner Firma – ihr Name wird mir angegeben – 300.000 M. in Gold vom Kriegsministerium zugewiesen bekommen habe, um goldene Achselklappenstücke für unsere Generale zu machen. Ich erkundige mich an der zuständigen Stelle. Kein Wort ist an dem Gerücht wahr!

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

     

Wer über das gesetzlich zulässige Maß Hafer, Mengkorn, Mischfrucht, worin sich Hafer befindet, oder Gerste verfüttert, versündigt sich am Vaterlande!

Briefkastenanfragen. Wegen notwendiger Einschränkung des Papierverbrauchs richten wir noch mal die dringende Bitte an unsere Leser, bei Briefkasten-Anfragen Marken für Rückporto und genaue Adressenangabe nicht zu vergessen, damit briefliche Erledigung erfolgen kann.

Recht frohe Gesichter konnte man in den letzten zwei Wochen an den beiden Kriegsküchen Sandkaule und Universität wahrnehmen. Wenn es so bleibt den Winter 1917-18, wollen wir zufrieden sein. Der Universitätsküche aber möchten wir für die Zukunft den Vorschlag machen, etwas mehr Wert auf Reinlichkeit, Säuberung der Tische und der nur hin und wieder zur Ausgabe gelangenden Löffel zu legen. Am besten nimmt man sich seinen Löffel mit – man erspart dadurch manchen Aerger und Verdruß.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Ferienspiele. Wie im Frieden und nach zweijähriger Unterbrechung im vorigen Jahre, so ziehen auch jetzt wieder jeden Morgen viele Hunderte Knaben und Mädchen unserer Volksschulen auf den Venusberg, um unter der Leitung von Lehrern und Lehrerinnen und mit ihnen froh zu spielen und dabei Kraft und Gesundheit zu stärken. Die Beteiligung ist recht zahlreich, vor allem aus den nächst gelegenen Vororten Kessenich, Dottendorf und Poppelsdorf strömt die Jugend in Scharen auf dem Venusberg zusammen. Oben wird zunächst ungefähr eine Stunde gespielt, wobei jedes Kind sich die Gruppe, bei der es mittut, selbst wählen kann, dann erhält jedes ein Stück Brot mit guter Marmelade (keinen „Kriegsmus“), danach wird wieder ein Stündchen gespielt, und unter munterem Singen geht es in geschlossenen Zügen gegen Mittag den Berg wieder hinunter nach Hause. So soll es täglich den ganzen Monat August gehen, am 1. September werden die Ferienspiele dann voraussichtlich mit einer Feier abgeschlossen werden.

Die Schwalben haben uns schon zum Teil verlassen und der Rest hält große Versammlungen und Konferenzen auf Telegraphen- und Telephondrähten ab und überlegt mit lautem Gezwitscher die große Heimreise nach dem Süden und wie sie über die Feuerlinie an der Westfront kommen. Uebrigens bedeutet der so frühe Wegzug der Schwalben einen frühen und harten Winter. Der eigentliche Wegzug derselben soll eigentlich erst am 8. September (Maria Geburt) sein, denn der Volksmund sagt: Maria Geburt jagt alle Schwalben furt!

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)