Samstag, 11. August 1917

      

Barfuß oder in Holzschuhen die Kollegien zu besuchen, fordert der allgemeine Studentenausschuß auch der Leipziger Universität die Kommilitonen auf.

Ein Student der Mathematik und Naturwissenschaft hatte einem auswärtigen Pfarrer, der seine Tochter nicht mit dem Studenten verkehren lassen wollte, Briefe mit gemeinen Beleidigungen geschrieben, auch gedroht, die Tochter erstechen zu wollen. Die Strafkammer verurteilte gestern den Studenten, der als geistig geringwertig bezeichnet wurde, zu acht Monaten Gefängnis. Der Student ist schon von der Universität entfernt worden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

     

Ein falsches Gerücht. Seit Wochen ist in unserer Stadt das Gerücht verbreitet, daß auf behördliche Anordnung hin schulpflichtigen Mädchen die Haare abgeschnitten werden sollen. Was mit den Haaren geschehen soll, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die einen wußten, daß sie als Lederersatz verwandt würden, die anderen behaupteten sogar, es würden Filze zum Reinigen der Gewehre daraus hergestellt. Boshafte Zungen meinten hier und da, die Haare gewisser Kleinen würden zu Kamelhaartreibriemen verwandt. Wie uns auf unsere Anfrage an amtlicher Stelle versichert wird, ist an dem ganzen Gerede kein wahres Wort, da eine diesbezügliche Verfügung nicht erlassen worden sei. Dadurch erledigen sich auch die Anfragen, die von besorgten Müttern an uns gestellt worden sind.

Einschränkung des Gasverbrauchs. Unter Bekanntmachungen erscheint in der heutigen Nummer die Anordnung des Reichskommissars über die Sicherstellung des Betriebes der Gasanstalten. Hiernach ist allgemein eine Einschränkung des Gasverbrauches gegen denjenigen des Vorjahres um 20 Prozent in Aussicht genommen. Nach den bekanntgegebenen Ortsvorschriften ist für den Stadtkreis Bonn jedoch nur eine Einschränkung von 10 Prozent angeordnet, unter Freilassung der Gasverbrauchsmenge, die monatlich 30 Kubikmeter nicht übersteigt. Es ist dies ermöglicht dadurch, daß die bisher getroffenen Maßnahmen zur Erzielung einer Gasersparnis einen tatsächlichen Erfolg hatten. Im eigensten Interesse der Bürgerschaft liegt es, die neuen Anordnungen zu befolgen, um schärfere Einschränkungsmaßregeln zu vermeiden.


(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Dankschreiben. Der Verfasser des Gedichts: „Deutschlands Frühlingserwachen“, Herr Lehrer a. D. Hürmann, erhielt aus dem Großen Hauptquartier unterm 4., bzw. 5. d., nachstehendes Dankschreiben: „Im Auftrage des Herrn Generalfeldmarschalls von Hindenburg beehre ich mich Ihnen für die gefällige Zuschrift vom 3. August 17 nebst Beilage den verbindlichen Dank Seiner Exzellenz ergebenst auszusprechen, v. Prutz, Rittmeister und Adjutant.“ – „Seine Exzellenz der Erste Generalquartiermeister General der Infanterie Ludendorff läßt Ihnen für das übersandte Gedicht seinen besten Dank aussprechen, A. B. Lingemann, Oberstleutnant und Adjutant.“

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)