Freitag, 10. August 1917

     

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 10. August 1917Kartoffeln.
Die Wochenmenge beträgt 5 Pfd. Die Zulage für Schwerarbeiter 4 Pfd. Die Kartoffeln für die Woche vom 19. bis 25. August sind bis Donnerstag, den 16. August, bei den städtischen Kartoffelverkaufsstellen abzunehmen. Es empfiehlt sich, die Kartoffeln rechtzeitig abzunehmen, sie pfleglich zu behandeln und in ihrem Verbrauch sparsam zu sein, da Hemmungen in der Zufuhr nicht ausgeschlossen sind.
Fleisch.
Auf die Zusatzfleischkarten werden Samstag zum letzten Mal Fleisch sowie Blut- und Leberwurst zu den bekannten Preisen verausgabt. Beim Einkauf von Wurst ist auch die Warenkarte Nr. 20 abzugeben. Auf die Reichsfleischkarten werden, da Zusatzfleisch vom 13. des Mts. nicht mehr abgegeben wird, Fleisch und Fleischwaren in Zukunft nur noch Samstags in den Metzgereigeschäften an die Kunden verkauft.
[...]
Ausnutzung der Ackerflächen.
Eine weiter Steigerung der Gemüseerzeugung ist durchaus erforderlich. Die jetzt abgeernteten Felder, besonders die der Frühkartoffeln, werden daher zweckmäßig sofort wieder bestellt und mit Krauskohl, Butterkohl usw. bepflanzt, oder mit Stoppelrüben oder Spinat besät. Bei günstiger Witterung und bei unverzüglicher Ausführung können auch noch Stangenbohnen mit gutem Erfolg gesetzt werden.
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Sammeltätigkeit.
Eine ganz besondere Bitte um Sammlung von ausgekämmtem Frauenhaar erscheint angebracht, da es für die Herstellung von Treibriemen große Bedeutung hat. Erinnert sei auch an die Sammlung von Obstkernen, die für die Margarineverarbeitung wertvoll sind. Akaziensamen wird mit 0,70 M. für das Kilo vergütet. Für die Viehfütterung bildet der getrocknete Kaffeesatz einen wertvollen Bestandteil. Man schütte daher den Kaffeesatz nicht achtlos weg, sondern trockne ihn und bringe ihn zur Ablieferung. [...]
Spart mit dem Schuhwerk.
Die zunehmende Lederknappheit, der Mangel an Schuhen und Ausbesserungsstoffen zwingen zur größten Sparsamkeit im Gebrauch von Lederschuhen, besonders in den Sommer- und Herbstmonaten, damit der Bedarf für den Winter einigermaßen sichergestellt werden kann.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Nachrichten des Lebensmittelamtes der Stadt Bonn.“)

   

Städtisches Bekleidungsamt. Die Einlasskarten zur Verkaufsstelle für getragene Kleider und Schuhe werden für die Zeit vom 14. bis 18. August am kommenden Montag morgen von 9 Uhr ab im städtischen Bekleidungsamt Gangolfstraße 2 ausgegeben. Es werden nur weiße Frauen- und Kinderschuhe abgegeben.

Die Kriminalpolizei nahm einen fahnenflüchtigen Soldaten fest, der mehrere Zentner Kartoffeln und Bohnen gestohlen hatte. Eine Frau von hier, die die gestohlenen Feldfrüchte veräußern wollte, wurde zur Anzeige gebracht.

Vor Freude geheilt. Eine ältere Frau von hier wurde vor etwa vier Monaten, als ihr jüngster Sohn zum Militär eingezogen wurde, geistesgestört und mußte in eine Anstalt verbracht werden. Am Mittwoch abend kam der junge Vaterlandsverteidiger, der inzwischen verwundet worden war, unerwartet auf Urlaub. Die Freude über das Wiedersehen war bei der Frau so groß, daß sie geistig wieder völlig klar wurde und sich aller Einzelheiten erinnerte, die sich vor vier Monaten zugetragen hatten. Welche Freude diese unerwartete Heilung bei der ganzen Familie hervorgerufen hat, kann man sich leicht vorstellen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Godesberg, 9. August. Die vereinigten Frauenvereine Godesbergs veranstalteten gestern im Saale der Tonhalle einen Lichtbilder-Volksabend mit der Vorführung der beiden Lichtbilderserien „Frauenarbeit im Kriege“ und „Lügen und Schmähungen unserer Feinde“. Der ersten Bilderreihe schickte Frl. Schmidt den Aufruf an die deutschen Frauen von Charlotte Westermann voraus, worin diese zur Arbeitstreue und Ausdauer ernstlich ermahnt werden. Die Bilder zeigten die Frau im Dienste der Straßenbahn, als Omnibuskutscherin, als Fensterputzerin usw., sowie in den Munitionsfabriken. Vor der zweiten Lichtbilderreihe verlas Herr Fortbildungsschulleiter Forsbach das herrliche Flugblatt unseres vaterländischen Schriftstellers Gustav Frenssen „Um Haus und Herd“. Die vorgeführten Schmähbilder aus französischen und englischen Zeitungen auf unser Deutschtum, auf die Kriegsführung unserer Soldaten und die ihnen hierbei angedichtete Ausübung von Greueltaten spotten jeder Beschreibung und erfüllen mit Entrüstung und Abscheu gegen eine derartige gemeine Gesinnung unserer Feinde. Die Versammlung schloß mit dem gemeinsamen Gesang: Deutschland über alles!

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und fern“)

   

Flegelei. Nachdem in dankenswerter Weise auch viele bemittelte Bürger sich im vaterländischen Interesse dazu verstanden haben, ihre Kinder barfuß laufen zu lassen, hat sich bei einigen Flegeln die Gewohnheit herausgebildet, solche Kinder mit ihren meist stark benagelten Schuhen auf die Füße zu treten. Als ein Flegel dieserhalb gestern in der Bonngasse von einem vorübergehenden Herrn zurechtgewiesen wurde, antwortete er mit groben Schimpfereien und drohte mit der Hülfe seiner Eltern. Wir geben den Vorgang hier wieder, um diejenigen Personen, welchen es obliegt, hier einzutreten, an ihre Pflicht zu erinnern. Denn wohin sollte es führen, wenn ein solcher Unfug sich weiter auswachsen würde. Ein recht bedenkliches Zeichen ist es obendrein, wenn Kinder für ihre Flegeleien sich noch auf den Schutz ihrer Eltern berufen zu können glauben.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)