Mittwoch, 30. Mai 1917

       

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Mai 1917Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Mai 1917U-Boot-Spende.
Wieder wendet sich das Vaterland an seine Bürger und fordert sie auf, zu einer neuen Spende beizusteuern. Haben wir durch den herrlichen Erfolg der Kriegsgefangenenspende das Los unserer unglücklichen Brüder lindern können, haben wir durch die Spende für die Soldatenheime und Marineheime unseren ruhebedürftigen Kämpfern ein Stückchen Heimat geschenkt und haben wir durch die Kaisergeburtstagspende 1916 unsere Hilfsbereitschaft im Orte gestärkt, so gilt es heute in der U-Boot-Spende einen Dank abzustatten, der so in aller Herzen geschrieben ist, daß wir kaum Worte brauchen werden, um dafür zu werben, gilt es doch unseren U-Booten, die jetzt ganze Arbeit machen gegen unseren gefährlichsten Feind: England. Für ganze Wochen allein hinaus im kleinen Boot ins weite Meer, ganz auf sich selber, auf ihre eigene Wachsamkeit und Kopf und Herz ihres jungen Führers gestellt, meist unter Wasser im engsten Raum, wo nur treueste Kameradschaft das Aushalten ermöglicht, immer gegenwärtig, den Tod fürs Vaterland in den Wogen zu finden; oder auf unseren schwarzen Husaren des Meeres, den Torpedobooten, Streifen kühnster Art gegen Englands schwer befestigte Küsten vorzunehmen und so dem erbittersten Feinde, der seit vielen Jahren uns einzukreisen versucht, der gegen das ganze deutsche Volk den Hungerkrieg erklärt hat, endlich auf einen deutschen Frieden vorzubereiten. So reißen unsere Seehelden ein Stück nach dem anderen von Englands meerbeherrschender Macht, einen Fetzen nach dem anderen von dem schier undurchdringlichen Lügennetz, mit dem England die Welt umsponnen. Darum gibt jeder, was er kann, und legt sich gerne eine kleine Entbehrung auf, um die Dankesgabe umso größer werden zu lassen.
    Wie bei den anderen Spenden verteilt die Bonner Volksspende in allen Familien Aufrufe mit anhängendem Zeichenschein. Die Bonner Volksschüler haben es sich nicht nehmen lassen, sich wieder freudig in den Dienst der guten Sache zu stellen, und werden am 1. Juni die Zettel verteilen und am 2. Juni die Zeichenscheine wieder abholen. Die Einnehmer der Bonner Volksspende werden dann die gezeichneten Beiträge auf ihren Dienstwegen abholen. Auch die Stadthauptkasse und die Banken nehmen gerne Spenden an und führen sie der Hauptsammelstelle hier in Bonn zu, dem Konto: „U-Boot-Spende bei der Rheinisch-Westfälischen Diskonto-Gesellschaft in Bonn“.

Eine Ortskohlenstelle ist jetzt in Bonn, wie der Oberbürgermeister bekannt macht, eingerichtet worden.

Die Tür- und Fenstergriffe aus Messing und Bronze werden, wie eine Abordnung Berliner Hausbesitzervereine in der zuständigen Abteilung des Kriegsministeriums mitgeteilt hat, in etwa drei bis vier Monaten beschlagnahmt werden. Den Hausbesitzern soll dann so viel wie möglich entgegengekommen werden. Es ist beabsichtigt, für ganz Deutschland einheitliche, schwarze Ersatz-Türklinken und Fenstergriffe seitens der staatlichen Organe nicht nur zu liefern, sondern auch gleich nach dem Entfernen der bisherigen sachgemäß anzubringen. Andererseits soll es aber auch in dem Belieben der Hausbesitzer stehen, sich nach eigenem Ermessen und Geschmack anderweitig mit Ersatz bedienen zu lassen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

          

Der Notgroschen, den die Stadt Bonne zusammen mit dem Landkreis Bonn und dem Siegkreis verausgabt, ist jetzt in den Verkehr gebracht worden. Das Stück hat ein gefälliges Aussehen und ähnelt unseren 10-Pfg.-Stücken aus Nickel. Jedoch hat es einen helleren Glanz und ist leichter als diese. Das Geldstück ist aus Eisen hergestellt und ist stark verzinkt. Die Schauseite trägt die Aufschrift „10 Pfennig 1917“, umgeben von Eichenzweigen. Auf der Rückseite steht der Vermerk: „Unter Gewähr der Kreise Bonn-Stadt, Bonn-Land und des Siegkreises 1917“. Da in den nächsten Tagen auch die Metall-Fünf-Pfennigstücke und die 50-Pfennig-Scheine zur Ausgabe gelangen, wird die Kleingeldnot wohl endgültig behoben sein.

Ein Sieg der Sammelbüchse. Fräulein Mathilde Wirth, die seit Kriegsausbruch unermüdlich mit der Sammelbüchse unseres Roten Kreuzes tätig ist, kann mit großer Befriedigung auf den gestrigen Tag zurückblicken. An diesem Tage hat die Sammlung von Fräulein Wirth zu Gunsten des Roten Kreuzes die Summe von 15.000 Mark erreicht. Dieser ganz ungewöhnliche Erfolg mit der Sammelbüchse konnte nur durch den zähen Eifer der Sammlerin und ihre Treue für das Liebeswerk des Roten Kreuzes erzielt werden. Die 72jährige Dame hat in der Kriegszeit bis heute bei jeder Witterung ihrer freiwillig übernommenen Pflicht obgelegen und ist durch ihre Ausdauer für die ehrenamtliche Sammeltätigkeit vorbildlich geworden. Da sich die Summe von 15.000 Mark durchweg aus kleinen und kleinsten Beträgen zusammensetzt, und nicht nur die Sammeltätigkeit selbst, sondern auch die Abrechnung über die einzelnen Tagesergebnisse mit vielerlei Arbeit verknüpft ist, so darf man erwarten, daß das verdienstvolle ehrenamtliche Wirken von Fräulein Wirth dadurch Anerkennung findet, daß man ihrer Tätigkeit auch weiterhin mit wohlwollendem Verständnis begegnet.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Jeder Zentner Getreide ernährt 280 Menschen täglich!-
Landwirte, helft uns siegen! Liefert Getreide ab! Die Lage duldet keinen Aufschub! Wir brauchen jedes Korn, auf daß der Feinde Hungerplan zerschellt. Trotz Bestellzeit müsst Ihr liefern!

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Mein Kriegswahrzeichen ist in der letzten Zeit der Gegenstand einer Reihe von Zeitungsartikeln gewesen. Ich danke hiermit allen lieben Mitbürgern, welche mir wohlmeinende Ratschläge gegeben haben, um das Werk zu vollenden und zu krönen.
Dem „Familienvater“, dem die Sammlungen zu viel geworden sind, möchte ich aber in Liebe kurz antworten.
   1. Ich wende mich nur an die Mitbürgerinnen und Mitbürger, die in der Lage sind, eine Gabe zu spenden.
   2.
Gegen den Zweck, für den ich sammle, läßt sich wohl auch nicht das Geringste einwenden.
   3.
Daß ich immer wieder meine Bitte erneuere, und zwar gerade zur jetzigen Zeit, hat doch ebenfalls seine volle Berechtigung.
    Unsere tapferen Krieger erneuern ja auch immer wieder ihre Beweise von Mut und Opferfreudigkeit, und gerade in diesen Tagen des Monates Mai vollziehen sich schwerste Kämpfe, welche die Weltgeschichte gesehen. Wenn da mit übermenschlicher Kraft unsere Helden den Feind von unserer Heimat fernhalten, kann es denn wohl eine Zeit geben, in der ich mit größter Berechtigung um Gaben heische, wie jetzt. Darum bitte ich meine alten und neuen Freunde, alle Bürger unserer Stadt, die dazu in der Lage sind, mir ein Scherflein für meine Arndt-Eiche zu geben.
   Auch Kriegsanleihe und andere Wertpapiere, Gold- und Schmucksachen nehme ich gerne entgegen.
Euer dankbarer Mitbürger E. M. Arndt, in Eisen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)