Dienstag, 29. Dezember 1914

 

Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vaterlande und macht sich strafbar.

(Bonner Zeitung, Bonner General-Anzeiger, Deutsche Reichs-Zeitung)

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 29. Dezember 1914Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 29. Dezember 1914Für bedürftige Familien Bonner Krieger veranstaltete am ersten Feiertage, nachmittags um 5 Uhr der Freiwillige Hilfsauschuß in der neuen Baracke an der Quantiusstraße eine Weihnachtsfeier. Etwas 50 Frauen und 200 Kinder wurden unter dem strahlenden Weihnachtsbaum von den anwesenden Damen mit Kaffee, Milch und Kuchen bewirtet. Weihnachtslieder leiteten die Feier ein und schlossen sie. In einer Ansprache hob DR. Krantz hervor, wie gerade diese Weihnachten besonderen Segen spenden, da sie gegenüber dem gewaltigen Kampf in Feindesland hier im Vaterlande die Herzen umso fester verbunden halten und zu weitgehender Liebestätigkeit geführt haben. Frl. Koort und Frl. Dr. Springer trugen in wirkungsvoller Weise einige prächtige Lieder zur Laute vor. Die eingegangenen Spenden wurden darauf verteilt und jeder Frau noch ein Geldgeschenk überreicht. Erst gegen 7 Uhr fand die stimmungsvolle Familienfeier ihr Ende.

Weihnachtsfeier im Säuglingsheim Hohen-Eich. Wie in so manchem deutschen Hause, so vereinte der Christbaum trotz des Ernstes der Zeit auch auf Hohen-Eich am ersten Weihnachtstage eine frohe Kinderschar mit ihren Müttern und Pflegerinnen. Herzen und Hände hatten sich wieder einmal für das Heim geöffnet und so war die Möglichkeit geschaffen, alle Kinderchen neu und schön säuberlich gekleidet unter dem Christbaum mit allerlei Spielsachen und auch mit Süßigkeiten zu beschenken. Ein ernstes, aus warmem Herzen kommendes aufrichtendes Wort an die Mütter, dem Augenblick entsprechende Lieder, machten diese Weihnachtsstunden zu einer Jung und Alt erhebenden Feier.

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. Dezember 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 29. Dezember 1914Weihnachtsfeier in der Mehlemschen Fabrik. Wenn auch am diesjährigen Weihnachtsfeste in erster Linie unserer Krieger gedacht werden mußte, sollte doch die übliche Feier in der Mehlemschen Fabrik nicht ausfallen. Wieder eine stattliche Anzahl von Familienwurde von den Inhabern der Firma, wovon drei Herren im Felde stehen, durch die Hand der Frau Geheimrat Guillaume reichlich beschenkt. Die schlichte, aber erhebende Feier fand durch Gesang, Musikvorträge, Aufsagen von Gedichten und eine herzliche, wohldurchdachte Ansprache ihren Abschluß.

Erklärung! Das stellvertretende Generalkommando gibt folgendes bekannt: Die große Anzahl der täglich beim stellvertr. Gen.-Kommando eingehenden anonymen Anschuldigungen (Schriftstücke ohne Unterschrift über Personen und Zustände in der Heeresverwaltung, insbesondere über vermeintliche Ungerechtigkeiten bei der Heranziehung zur Wehrpflicht) geben dem Generalkommando Veranlassung zu erklären, daß derartige Schriftstücken, deren Urheber nicht den Mut haben, für ihre Behauptungen mit ihrer Person einzutreten, von hier aus keine Folge gegeben wird.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. Dezember 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 29. Dezember 1914Ausbacken von Wecken, Kränzen, Brezeln usw. Der kommandierende General des 8. Armeekorps, General von Ploetz, hat für den Bereich seines Korps eine Bekanntmachung erlassen, wonach unter Hinweis auf die dringend notwendige Schonung unserer Vorräte an Weizenmehl das Ausbacken von Wecken, Kränzen, Brezeln, Pfannkuchen usw. von heute bis einschließlich Dreikönigstag verboten ist. Demselben Verbot unterliegt das Ausspielen derartiger Backwaren in Wirtschaften und Vereinen. Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bestraft.
   Der Vorstand der Bonner Bäcker-Innung weist in unserer heutigen Nummer auf diese Bekanntmachung hin.

Der Liberale Bürgerverein hielt gestern abend im Krug zum grünen Kranze seine diesjährige Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Dr. Kranz, wies in einer Ansprache darauf hin, daß keine politische Partei vor ihren Wählern die Verantwortung übernehmen werde, wegen einiger Stadtverordnetensitze seinen Wahlkampf zu entfesseln. Die Gedanken aller deutschen Männer seien auf die Gefahr des Vaterlandes gerichtet. Die nötig gewordene Ersatzwahl könne nur in gegenseitiger Verständigung unter Anerkennung des bisherigen Besitzstandes erledigt werden. (…)

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Eifelverein. Die hiesige Ortsgruppe unternimmt am nächsten Sonntag nach längerer Pause eine Wanderung (hoffentlich im Schnee!) in den Ahrbergen, und zwar von Ahrweiler (Walporzheim) auf wenig bekannten Wegen nach Dernau oder Rech, mit einer Marschlänge von etwa 15 Kilometern. Die Abfahrt von Bonn ist 8.32 Uhr mit Sonntagskarte Ahrweiler, die Rückfahrt von Dernau (Rech) 3.15 (3.10), die Ankunft in Remagen 4 Uhr. Dort wird im Westfälischen Hof Kaffee getrunken, wozu die Anmeldung auf dem Bahnhofe Bonn nötig ist, um 5.50 Uhr zurückgefahren. Eilige können um 4.09 Uhr gleich weiterfahren. – Mundvorrat ist mitzunehmen. Eingeführte Gäste sind wie immer willkommen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)