Samstag, 5. Dezember 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 5. Dezember 1914Die Freiwillige Krankenträgerkolonne, deren wichtigste Aufgabe keine Störungen erleiden darf, verliert fortgesetzt Mitglieder, die entweder ihrer Militärpflicht genügen müssen, oder die durch Wegzug, Krankheit oder erhöhte Anforderungen, die ihr Beruf an sie stellt, an der weiteren Ausübung ihres Dienstes gehindert werden. Diese Lücken müssen stets sofort aufgefüllt werde, damit keine folgenschwere Stockungen eintreten und die eintreffenden armen Verwundeten, welche für unsere und des Vaterlandes Sicherheit geblutet haben, nicht unnötig darunter leiden. Augenblicklich fehlt es an Radfahrern für den Benachrichtigungsdienst – beim Eintreffen von Verwundetentransporten – und für die eingeteilten Radfahrerwachen. Herren, welche des Radfahrens kundig sind – auch solche, die kein Rad besitzen – die sich in den Dienst der schönen verdienstvollen Sache stellen wollen, werden gebeten, sich in unserer Geschäftsstelle, Thomastraße 1, zu melden.

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 5. Dezember 1914Preiserhöhungen für Schuhmacherarbeiten. Der Verein selbständiger Schuhmachermeister Bonns hat am Dienstag in seiner zahlreich besuchten Monatsversammlung beschlossen, für Schuhmacherarbeiten eine Preiserhöhung eintreten zu lassen, nachdem die Preise für Leder und die übrige Bedarfsware infolge des Krieges und der notwendigen Maßnahmen der Militärbehörde sehr gestiegen sind. Die Versammlung war sich einig darüber, daß diese Preiserhöhungen unmöglich von den Schuhmachern getragen werden könnten. Es wurde daher einstimmig beschlossen, für Ausbesserungsarbeiten bei der bisherigen Güte eine Mehrforderung von 20 Prozent und bei Neuanfertigungen noch höhere Preissteigerungen je nach Ledersorte einzuführen. Weiter wurde mit Bedauern festgestellt, daß nach den vorliegenden Berichten weitere Erhöhungen folgen werden.

Stadttheater. Heute wird im Stadttheater der „Bunte Abend“ wiederholt. Der Vortragsreihe sind neu hinzugefügt ein Tanzduett, volkstümliche Lieder zur Laute und Vorträge in rheinischer Mundart. Die besten Nummern der alten Vortragsreihe sind beibehalten worden. Den Schluß wird wieder die Szene „Der Kurmärker und die Pikarde“ machen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Die gestrige Stadtverordneten-Versammlung sprach sich für die Fortführung des Theaterbetriebs für die Monate Januar, Februar und März 1915 aus; außerdem genehmigte die Versammlung einen Fluchtlinienplan und bestätigte den Beschluß vom 1. März 1912, wonach die Verpflichtungen der Stadt infolge der Vereinigung der Studienanstalt mit dem Städt. Lyzeum sich auch auf die Studienanstalt erstrecken. Die Wahl eines Vorsitzenden des Kaufmannsgerichts wurde vertagt.

Anzeige im General-Anzeiger vom 5. Dezember 1914Sammlung von Wollresten. In der kommenden Woche soll in Bonn eine neue Art von Kriegssammlung veranstaltet werden, wie sie schon in verschiedenen anderen Orten des Rheinlandes vorgenommen worden ist und guten Erfolg erzielt hat: eine Wollsammlung. Eine solche hat ja schon im Oktober stattgefunden, allein damals handelte es sich um brauchbare Kleidungsstücke, die für die Truppen im Felde oder für die durch den Krieg Geschädigten in Ostpreußen und im Elsaß verwendet werden sollten. Die neue Wollsammlung sammelt nur unbrauchbare Reste, zerrissene oder sonst unbrauchbar gewordene Kleidungsstücke und Strümpfe – auch Mottenfraß ist für die Sammlung durchaus kein Hindernis -, Stoffreste, Flicklappen, Reste von Stick- und Strickwolle, unbrauchbar gewordene Shawls und Reisedecken, Herrenhüte usw. All dieses kann noch verwendet werden, wenn es in einer Fabrik verarbeitet wird. Es dient zur Herstellung von Militärtuch und Decken. Da die Einfuhr von Wollrohstoffen behindert ist, ist die Verarbeitung dieser Abfälle jetzt besonders wünschenswert, denn Wollstoffe werden nach wie vor von den Soldatem dringend gebraucht, da sie immer wieder stark verbraucht werden, sowohl durch Abnützung als durch Verlust: man denke nur an die Verwundeten, die oft nur einen Teil ihrer Kleidung mitbringen.
  
Das Sammeln von Haus zu Haus erforderte, wie sich bei der letzten Wollsammlung gezeigt hat, 700 Arbeitskräfte hier in Bonn. Der Ausschuß für hauswirtschaftliche Kriegshilfe, eine Vereinigung Bonner Frauenvereine, will deshalb zunächst von dieser Art des Sammelns absehen, sondern hat eine Reihe von Lokalen in der Stadt und in den Vororten als Sammelstellen bestimmt, an denen die Wollreste abgegeben werden können. (...)

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 5. Dezember 1914Paul Rohrbach spricht am nächsten Samstag (12. Dezember) abends 8 Uhr in der Aula des städtischen Gymnasium über „Deutschlands Aufgaben in Ostasien“. Der Vortragsabend geht von der Gesellschaft für Literatur und Kunst aus.

Der „Heilige Mann“ bei unseren Verwundeten. Nach einer althergebrachten rheinischen Sitte kommt um den Tag St. Nikolaus herum der „Heilige Mann“ zu den Kindern, manches Mal nicht nur zu den kleinen, sondern auch zu den großen Kindern, fragt, ob sie hübsch brav und artig waren und belohnt die Guten und bestraft die Bösen. In diesem Jahre hat er sich auch in den Bonner Lazaretten anmelden lassen. In der Person einer Tochter des Herrn Kommerzienrates Eichbaum, Frau Melzenbach aus Cochem, will er die verwundeten Krieger besuchen und für ihre Tapferkeit vor dem Feinde auf St. Nikolaus-Art belohnen. Das heißt, er bringt ihnen in einem großen Sack, den sein Knecht Rupprecht trägt, Aepfel, Nüsse, Spekulatius und andere Süßigkeiten. Eine besondere Freude bereitet ihm dieses Mal, auch gedruckte Gedichte zu verschenken, in denen die Heldentaten unserer Tapferen aus berufenem Munde besungen werden. Wir glauben, der „Heilige Mann“ wird von den Soldaten herzlich aufgenommen.

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 5. Dezember 1914Ein von unserem Mitbürger Herrn Hans Radermacher verfasstes 3aktiges Kriegsschauspiel „Die Helden der Ostgrenze“ gelangt – wie uns geschrieben wird – in kommender Woche durch die Theater-Direktion Alfred Otto in der „Sonne“ am Markt zur Ur-Aufführung. Das Stück spielt an der Ostgrenze in einer Rittmeister-Familie und beginnt mit dem Tage der Mobilmachung. Alle Kriegsereignisse hat sich der junge Autor in sehr geschickter Weise zu Nutzen gemacht und dem Schauspiel dadurch einen besonderen Wert verliehen. Sehr gute Empfehlungen gehen dem Werke bereits voraus.

„Kreuz-Pfennig-Marken“ in der Schule. Der Minister der geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten hat gestattet, daß Kreuz-Pfennig-Marken durch je einen Schüler bzw. eine Schülerin in den Schulen unter Aufsicht der Lehrpersonen verkauft werden dürfen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)