Mittwoch, 2. Dezember 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 2. Dezember 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 2. Dezember 1914Der Musiksaal der Bonner Universität ist, wie schon berichtet, dem Bonner Männer-Gesangsverein als Probesaal überlassen worden. Die Genehmigung hierzu wurde aber nur für die Dauer des Krieges und mit Rücksicht auf den patriotischen Zweck erteilt.

Wer meldet sich noch zum Pfadfinderkorps? (...) Da die Aufgaben unserer freiwilligen, ehrenamtlichen Liebestätigkeit aller Art sich so mehren, daß trotz Heranziehung aller Reserven im Tag- und Nachtdienst nicht alle Bitten mehr befriedigt werden können, fordern wir auf diesem Wege zum Beitritt auf und nehmen gerne Meldungen von Jungen von13-18 Jahren auf. Es bietet sich hier einer der wenigen Wege für die noch nicht wehrfähige Jugend, für das Vaterland tätig zu sein. Solche Arbeit ist interessant und schädigt nie!

Verkauf und Tragen von Waffen. Das Oberkommando in den Marken macht erneut darauf aufmerksam, daß der Verkauf von Waffen, Pulver und Sprengstoff an Zivilpersonen verboten ist. Ebenso ist es verboten, daß Zivilpersonen Waffen tragen, sofern es ihnen durch die Ortspolizeibehörden nicht ausdrücklich erlaubt ist Die Ausübung von Jagd ist hierdurch nicht eingeschränkt, da der Besitz eines Jagdscheines zum Tragen und zum Verkauf von Munition berechtigt.

Der evangelische Bürgerverein versammelte Montag Abend im evang. Gemeindehause seine Mitglieder zu einem Vortrage des Herrn Fortbildungsschullehrers Wickel über den Krieg und die Kriegslage. Vor den zahlreich erschienenen Mitgliedern und Gästen, Männern und Frauen, gab der Vortragende an Hand der bisherigen Ereignisse und Erfolge ein anschauliches Bild über die augenblickliche Kriegslage im Osten und Westen. Er ging dann auf den wirtschaftlichen Kampf über, durch den uns England schaden wolle. Unter Hinweis auf die heute in Kraft tretenden Verordnungen über das Verbacken des Weizen- und des Roggenmehl und des Roggen- und Kartoffelmehl, forderte er besonders die Hausfrauen auf, recht sparsam zu sein, und in dieser Hinsicht mit den draußen stehenden Soldaten Schulter an Schulter zu kämpfen, damit wir auch im wirtschaftlichen Kampfe den Sieg behalten. Mit dem begeistert gesungenen Liede „Deutschland, Deutschland über alles“ schloß die Versammlung.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 2. Dezember 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 2. Dezember 1914Viktoriabad. Wie aus der nachstehenden Aufstellung über den Besuch unseres städtischen Viktoriabades hervorgeht, hat die Besucherzahl namentlich des Schwimmbades in starkem Maße nachgelassen. Der Rückgang des Verkehrs ist naturgemäß auf den Ausbruch des Krieges zurückzuführen, insbesondere auf den schwächeren Besuch unserer Universität und darauf, daß zahlreiche Bürger Bonns im Felde stehen. Unter diesem Gesichtswinkel betrachtet, zeigt der Monat November immer noch einen recht ansehnlichen Verkehr, ein Beweis dafür, daß auch in der ernsten kriegerischen Zeit die Bürgerschaft den Wert der Körper- und Hautpflege zu schätzen weiß. Bei der nachstehenden Aufstellung der Besucherzahl ist in üblicher Weise die Verkehrszahl des Vorjahres zum Vergleich hergezogen. (Es folgt eine genaue Aufstellung der Besucherzahlen)

Seid sparsam im Verbrauch von Petroleum! Wie es für jeden Bürger unter den heutigen Verhältnissen, wo die Zufuhr von Getreide, Hülsenfrüchten usw. ausgeschlossen ist, dringende Pflicht ist, mit den Nahrungsmitteln äußerste Sparsamkeit zu üben, so gilt dies uch für den Verbrauch von Petroleum, mit dessen Bezug wir durchaus auf das Ausland angewiesen sind. Die Vorräte an Petroleum, die im Inlande lagern, sind nur so groß, daß der Inlandsverbrauch nur ein Drittel bis zur Hälfte des seitherigen Verbrauchs betragen darf, wenn wir damit über den Winter hinaus kommen wollen. Es muß deshalb streng darauf gesehen werden, daß Petroleum nur noch zum Beleuchten, keinesfalls aber mehr zum Kochen oder gar zum Heizen verwendet wird. Namentlich die wohlhabenden Kreise, denen andere Beleuchtungsmittel, wie elektrisches oder Gas-Licht zur Verfügung stehen, sollten Petroleum überhaupt nicht verwenden, damit die weniger wohlhabenden Kreise im Winter keinen Mangel an Beleuchtung leiden. Eine Verteuerung des Petroleums wird aller Wahrscheinlichkeit noch nicht eintreten, sodaß ein Einkauf auf Vorrat nicht rätlich erscheint.

Anzeige im General-Anzeiger vom 2. Dezember 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 2. Dezember 1914Ein erweiterter Geschäftsbetrieb bis abends 9 Uhr ist im Monat Dezember für Ladengeschäfte gestattet.

Städtische höhere Mädchenschule. Das Königl. Provinzial-Schulkollegium in Koblenz verlangt zu dem Antrage auf Errichtung einer Städtischen Höheren Mädchenschule noch einen Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung, wonach die Stadt sich verpflichtet, 1. für die Lehrpersonen eine Besoldungsordnung einzuführen, 2. die Regelung der Ruhegehälter und der Fürsorge für die Hinterbliebenen bestimmungsgemäß vorzunehmen, 3. von vornherein und später an der Schule so viele akademische Lehrkräfte einzustellen, als erforderlich sind, und 4. in bezug auf Klassenzahl, Lehrfächer, Stundenzahl, Lehrpläne, Höchstzahl der Schülerinnen den Bestimmungen vom 18. August 1908 zu genügen. Die Stadtverordneten-Versammlung übernimmt namens der Stadt Bonn die vorangegangenen Verpflichtungen.

Im evangelischen Bürgerverein hielt am Montag abend Herr Fortbildungsschullehrer Wickel einen Vortrag über den Krieg und die Kriegslage. Er gab ein klares Bild über den Stand der Kämpfe im Osten und Westen und die sich dafür ergebenden günstigen Aussichten, Dann ging er auf den wirtschaftlichen Kampf über, durch den uns England schädigen wolle. Zum Schluß bat er die Hausfrauen, im Haushalt recht sparsam zu sein, damit Deutschland auch aus dem wirtschaftlichen Kriege al Sieger hervorgehe. Mit dem Lied „Deutschland, Deutschland über alles“ wurde die gut besuchte Versammlung geschlossen.

Der Allgemeine deutsche Musikerverband bittet alle Eltern, deren Kinder bisher Musikunterricht genossen, nicht durch das gänzliche Aufgeben des Musikunterrichts die Existenzmöglichkeit der Musiklehrenden vollständig zu unterbinden. Um das Elend des Musikberufs zu mindern, möge man Konzerte mit Programmen patriotischen Inhalts veranstalten und besuchen. Selbstverständlich müßten banale musikalische Darbietungen ausgeschaltet werden. (...)

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 2. Dezember 1914Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 2. Dezember 1914Der Maler August Macke, einer der charakteristischsten Vertreter der expressionistischen Richtung hat den Heldentod erlitten. Macke war Bonner. Die ihn kannten, haben ihn als einen ehrlichen nach höchsten Ausdruckmöglichkeiten in der Kunst Suchenden schätzen gelernt. Vor zwei Jahren wurden seine Bilder in der Expressionisten-Ausstellung bei Cohen viel besprochen. Auch diejenigen, welcher seiner Kunst innerlich fernstanden, liebten in ihm den aufrichtigen, nur der Wahrheit dienenden Menschen.

Kartenlegerinnen. Man schreibt uns: „Ueberall sucht man unseren Kriegern im Felde zu Weihnachten durch Liebesgaben eine Freude zu machen, auch der Aermste trägt sein Scherflein dazu bei. Aber es wird noch viel Geld unnötig fortgeworfen, was zu diesem Zwecke geopfert werden könnte und zwar das, was viele Leute in ihrer Dummheit für Wahrsagerei und Kartenlegerei verausgaben. Tagtäglich sieht man Leute, zumeist vom Lande, jung und alt, ein solches Haus in Bonn besuchen, um dort das Geld für diesen Humbug los zu werden. Man könnte sagen, es schadet den Leuten, die so dumm sind, nichts, daß sie hier ihr Geld verlieren, andererseits ist es aber auch zu bedauern, daß auf solche Weise viel Geld verloren geht, das besseren Zwecken dienen könnte. Spart Eure Groschen, benutzt sie für Euch selbst, oder bringt sie an eine Sammelstelle für Liebesgaben für unsere Krieger, helft aber nicht Leute unterstützen, die durch Wahrsagen sich bemühen, auf eine leichte und bequeme Art Geld zu verdienen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)