Samstag, 28. November 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. November 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 28. November 1914Viehzählung. Auf Beschluß des Bundesrats findet am 1. Dezember 1914 eine kleinere Viehzählung statt. Die Viehzählung erstreckt sich auf Pferde, Rindvieh, Schafe, Schweine und Ziegen. Die Angaben dürfen nur zu amtlichen statistischen Arbeiten, nicht aber zu anderen Zwecken, insbesondere auch nicht zu Steuerzwecken benutzt werden, worauf ausdrücklich aufmerksam gemacht wird. Ueber den Inhalt der Zählkarten ist das Amtsgeheimnis zu wahren. Bei der hervorragenden Wichtigkeit der Viehzählung gerade in der gegenwärtigen Kriegszeit darf auf eine rege Teilnahme der Bevölkerung durch sorgfältiges Ausfüllen der Zählpapiere und bereitwilliges Entgegenkommen den Zählern gegenüber gerechnet werden.

Eine Niederträchtigkeit. Am Freitag vormittag wurde die Liebesgaben-Bombe, die vor dem Metropol-Theater auf dem Anzeige im General-Anzeiger vom 28. November 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 28. November 1914Markt steht, gewaltsam erbrochen. Die Liebesgaben waren für die hiesigen Lazarette bestimmt, und der Inhalt sollte heute, Samstag, wiederum den Lazaretten zur Verfügung gestellt werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. November 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 28. November 1914Westflandern, im November. Bis hier zum eigentlichen Kriegsschauplatz sind die unwahren Berichte gekommen, daß die jungen Regimenter Kriegsfreiwillige usw. sich im Kampf nicht als Männer betragen hätten. Dies muß ganz entschieden in Abrede gestellt werden. Schreiber dieses ist seit Kriegsbeginn als freiwilliger Motorradfahrer beim Stabe eines Armeekorps tätig und mittlerweile mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. An den Kämpfen in Westflandern haben viele, besonders rheinische Regimenter von Kriegsfreiwilligen teilgenommen. Bewundernswürdig haben sie sich gegen einen hartnäckig sich verteidigenden Feind geschlagen und stürmten unter großen Verlusten Stellungen des Gegners, singend das Lied „Es braust ein Ruf wie Donnerhall“. 14 Tage lang haben sie ohne Ablösung bei Regen und Sturm und knapper Verpflegung einem schrecklichen Artilleriefeuer standgehalten und gesiegt. So betragen sich deutsche Krieger, wenn es um die Ehre des Vaterlandes geht. Anders lautende Meldungen sind falsch. Assessor Dr. B.R. z.Zt. im Felde.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Feldpostbriefe.“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. November 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 28. November 1914Die Kastanienbäume in der Argelanderstraße. Bewohner der unteren Argelanderstraße stellten vor kurzem bei der städtischen Verwaltung den Antrag, aus der schönen Allee genannter Straße jeden zweiten Baum – also die Hälfte der Bäume – zu entfernen. Begründet wurde das Verlangen damit, daß die Bäume zu dicht gepflanzt worden und nun den Wohnungen Licht und Luft nähmen, sowie Häuser und Keller feucht machten. Bei einer Entfernung von 6 Metern kann doch keine Rede davon sein, daß sie den Wohnräumen Licht und Luft nehmen; auch breiten sich hinter den Gebäuden geräumige Gartenflächen aus. Daß Häuser und Keller durch die Allee feucht geworden, ist uns unbekannt. Sollte sich irgendwo in einem Keller Feuchtigkeit eingestellt haben, so dürfte diese wohl eher durch Anpflanzung großer Sträucher in den Vorgärten vor den Kellerfenstern als durch die Alleebäume verursacht sein. Durch Beseitigung jedes zweiten Baumes würde der Abstand eines Baumes von dem andern größer sein, als dies in der Poppelsdorfer und in der Baumschul-Allee der Fall ist. An die Stadtverwaltung richten wir die dringende Bitte, der Argelanderstraße die herrliche Allee unversehrt zu erhalten. Mehrere Bewohner der Argelanderstraße.

 (Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 28. November 1914Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 28. November 1914Kameradentreue. Am Donnerstag nachmittag wurde in Bonn-Süd ein junger Krieger zu Grabe getragen. Zwei seiner Kameraden, die im Felde neben ihm gestanden haben und nun als Verwundete in Bonn weilen, gaben ihm das letzte Geleite, obwohl sie noch lange nicht wiederhergestellt sind und der größten Schonung bedürfen.

Bonner Wehrbund. Das gemeinsame Exerzieren aller Abteilungen des Wehrbundes wird morgen (Sonntag) nachmittag in Vertretung des Herrn Turninspektors Schröder Herr Dr. Brüggemann auf dem Venusberg leiten. Eine Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 28. November 1914Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 28. November 1914Geländeübung soll diesesmal nicht stattfinden, weil abends um 9 Uhr von der Poppelsdorfer Abteilung in dem Gasthof von Vianden, Clemens-Auguststraße 30, eine gesellige Zusammenkunft veranstaltet wird, zu der alle Abteilungen des Wehrbundes und seine Freunde mit ihren Angehörigen eingeladen sind. Herr Privatdozent Dr. Ohmann wird dort einen Vortrag über „die Entwicklung des Feldzuges auf dem östlichen Kriegsschauplatz“ halten. Eine sachversständige Einführung in das Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 28. November 1914Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 28. November 1914Verständnis der heutigen Lage auf diesem Schauplatz, der uns durch seine fremden Namen so schwer zugänglich ist, wird von allen mit besonderem Dank geschätzt werden.

Die Schuhmacherarbeiten werden teurer. Der Bonn-Poppelsdorfer Schuhmacherverein hat in seiner Vesammlung am Donnerstag Stellung genommen zu der enormen Erhöhung der Lederpreise. Die Teuerung ist durch die starke Nachfrage der Militärverwaltung nach fertigem Leder entstanden. Teilweise werden jetzt für Leder 100 – 150 Prozent mehr verlangt, als vor Ausbruch des Krieges. „Aus diesen erklärlichen Gründen“ – so teilt uns der Bonn-Poppelsdorfer Schuhmacherverein mit – „ist es uns nicht mehr möglich, die Arbeit zu den alten Preisen zu liefern. Die Mitglieder des obengenannten Vereins sehen sich gezwungen, im Interesse der Selbsterhaltung, die Preise für sämtliche vorkommenden Schuhmacherarbeiten entsprechend zu erhöhen.“

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)