Sonntag, 22. November 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. November 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 22. November 1914Wie und wo kann in Kriegszeiten im Haushalt gespart werden. Ueber diesen Gegenstand wird Herr Oekonomierat Kreuz am Donnerstag, den 26. November, in der Germaniahalle einen Vortrag halten.

Vollwaisen. Amtsrichter Dr. Landsberg versendet im Auftrage des Jugendschutzbüros Lennep folgenden Aufruf: „ Die Wacht am Rhein zog ins Feld. In der West- und Ostmark, in Nord- und Ostsee kämpft und blutet sie für uns alle. Ströme edlen deutschen Blutes müssen fließen, wenn der vielen Feinde Schwall zurückgedämmt werden soll von der teuren heimatlichen Flur. Wie können wir, die Daheimgebliebenen, den Gefallenen am besten für das für uns alle vergossene Herzblut danken? Wenn wir uns des Teuersten annehmen, das sie uns scheidend anvertrauten, ihrer Kinder, die Vollwaisen wurden! Wenn ein jeder, der es kann, die Erziehung eines dieser Kinder übernimmt, als sei es sein eigen, so werden alle untergebracht. Wir nehmen Meldungen solcher Daheimbleibenden, die ein Kind aufzunehmen bereit sind, schon jetzt entgegen.“

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. November 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 22. November 1914Weihnachtspakete für unsere Bonner Krieger. Weihnachten naht heran. Viele Familienväter, Söhne und Brüder sind im Felde. Fern von der Heimat, Gefahren und der rauhen Winterzeit ausgesetzt, werden die Krieger an diesem Weihnachten besonders heiß der Heimat gedenken. So ist es nicht mehr als Pflicht, den Soldaten einen Weihnachtsgruß in Gestalt eines Weihnachtspaketes zukommen zu lassen. Um aber auch den bedürftigen Angehörigen unserer Kriegsteilnehmer eine derartige Weihnachtsspende zu ermöglichen, will der Freiwillige Hilfsausschuß für durchfahrende Truppen eine größere Zahl von Weihnachtspaketen bereitstellen und die Versendung an die Truppenteile übernehmen. Dabei soll ein Teil der überaus reichen Wollsammlung, die eingekommen ist, verwendet werden. (...)
  
An die wohlhabenderen Bürger aber ergeht die herzliche Bitte, das Weihnachtswerk durch Spenden von Geld und geeigneten Gaben (was die Soldaten so alles brauchen, ist jedem bekannt) zu unterstützen.
   Wir glauben, daß die Bitte des Hilfsausschusses keines Kommentars bedarf. Steure jeder, in dessen Kraft es steht, sein Scherflein bei, damit jeder Bonner Soldat seine echte rechte Weihnachtsfreude hat.

Einige Bonner Jungen bitten zur Erheiterung der Verwundeten um einige Mundharmonikas. Künstler vorhanden. Die freundlichen Spender werden gebeten, die Instrumente zu senden an M. Bergmann im Begleittrupp der 5. Armee, 8. Zug Montmedy, 5. Armee-Inspektion.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 22. November 1914Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 22. November 1914Ausbeuter vaterländischer Opferwilligkeit. Die Reisenden einer Berliner Buchhandlung mit nationaler Firma suchen die zur Zeit große Opferwilligkeit des deutschen Volkes in solcher Weise auszubeuten: Sie erscheinen zu zweit in den Häusern und gerade bei solchen Personen, die für den Bücherkauf besonders zu haben sind, so bei den Angehörigen des Lehrerstandes. In ihrer Redegewandtheit erzählen sie, sie sammelten Beiträge für die Kriegsinvaliden. Der Beitrag betrage wöchentlich 30 Pfg. oder vierteljährlich 5 Mark. Es handele sich um eine gute Sache. Schon viele Unterschriften hätten sie daher erhalten. Den Beitragszahlern werde eine „Ehrengabe“ in Gestalt des Werkes „Kaiser Friedrich! Gedächtniswerk!“ geliefert. Auf die Frage, wie lange sich denn die Beitragszahler zu verpflichten hätten, antworteten sie ein oder einundeinhalb Jahr. Viele vertrauen ihren Angaben und unterschreiben auch einen Schein, den die Reisenden so gestaltet haben und verdeckt halten, daß die Unterschreibenden gar nicht den über ihrer Unterschrift stehenden Text lesen können.In Wirklichkeit handelt es sich bei der Sache um die Bestellung des obengenannten Werkes zum Preise von 60 Mark. Schildert man nun der Firma selbst den Hergang der Verhandlungen, so verteidigt sie noch ihre Reisenden und beharrt bei der Bestellung. Es ist dringend erforderlich, daß gegen derartige betrügerische Handlungsweise ganz energisch von den Behörden vorgegangen wird, wenn nicht die heute herrschende Opferfreudigkeit eine große Einbuße erleiden soll. Einschlägige Beschwerden wolle man sofort der nächsten Polizeibehörde oder der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schwindeltätigkeit in Lübeck oder der Rechtsauskunftstelle für Männe in Bonn, Franziskanerstraße 9 (Sprechstunden: Mittwochs und Freitags, abends 8 ½ bis 9 Uhr) melden.

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. November 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 22. November 1914Eine Trauung im Lazarett. Den vorigen stürmisch-regnerischen Sonntagnachmittag benutzte ich, um einen mir bekannten Verwundeten zu besuchen, der in einem Bonner Reserve-Lazarett untergebracht war. „Heute haben wir ein besonderes Fest,“ raunte mir die treusorgende Pflegeschwester zu, „das müssen Sie sich mitansehen.“ Ich ging an eine kleineres Krankenzimmer heran, in dem zwei Schwerverwundete lagen. Beiden hatte eine feindliche Granate den rechten Oberschenkel abgerissen, aber glücklich und strahlend lagen beide da, nachdem jetzt das Schlimmste der schweren Wunderkrankung überstanden war. Der eine, ein braver Winzerssohn von der Mosel, feierte seinen Namenstag, der andere – seine Hochzeit. In tapferer Pflichterfüllung hatte er, ein Sergeant-Hoboist, schwerverletzte Kameraden aus der Gefechtslinie geholt, da zerschmetterte ihm ein feindliches Geschoß den ganzen Oberschenkel. Schwer war das Krankenlager gewesen; wie hatte sein Auge gestrahlt, als seine Braut aus dem fernen Thüringerland herbeigeeilt war und ihn auch jetzt ihrer Treue versicherte, wo er im Dienste seines Vaterlandes ein Krüppel geworden war. Was war das eine Sorge und ein Vorbereiten der Schwestern und Helferinnen gewesen, als der Hochzeitstermin festgestellt war! Als dann der Pfarrer kam, waren der andere schwerverletzte Kamerad mit dem abgerissenen Oberschenkel und ein zweiter, auch schwerverwundeter Krieger die Trauzeugen, und tief waren alle von den zu Herzen gehenden Worten des Geistlichen ergriffen. Am Nachmittag war die Hochzeitsfeier. Das Zimmerchen war blumengeschmückt, die Betten der beiden Krieger bekränzt. Die Schwestern und Pflegerinnen, die anderen Verwundeten und besuchenden Angehörigen umstanden die Betten der beiden. Da tritt der Militärarzt herein und beglückwünscht im Namen der Station die beiden, widmet ihnen warme Worte der Anerkennung für ihre Tapferkeit vor dem Feind und im – Operationssaal. Dann folgt die Überreichung der Geschenke. Aerzte, Schwestern, Pflegerinnen, die verwundeten Offiziere und vor allem die braven Kameraden hatten gewetteifert, um auch ihrerseits zu zeigen, daß jeder gern seinen Teil dazu beitragen wollte, Freude zu bereiten und Dank zu zeigen den Tapferen, die für ihr Vaterland geblutet. (K. Ztg.)

Totenzettel mit unpassenden Versen. Das Bischöfl. Generalvikariat Trier verordnete unter dem 5. November folgendes: Seit Ausbruch des Krieges ist es mehrfach in der Diözese vorgekommen, daß man an den Kopf des Totenzettels statt eines Schriftwortes einige selbstgemachte, mitunter der minderwertige, ja dogmatisch inkorrekte Verse gesetzt hat. Die Herren Pfarrer wollen in geeigneter Weise darauf hinwirken, daß an der alten schönen Sitte, die Todesanzeigen mit einem passenden Wort aus der hl. Schrift zu eröffnen, unverbrüchlich festgehalten wird.

Ein ehrlicher Kerl. Einer Bonner Malerin wurde dieser Tage von einem Schaffner der Koblenzer elektrischen Straßenbahn ihr verlorenes Geldtäschchen mit bedeutendem Geldinhalt zugestellt. Der Schaffner hatte das Täschchen vor dem Koblenzer Bahnhof gefunden und aus den Papieren, die es enthielt, die Bonnerin als Eigentümerin ermittelt. Der Mann erhielt die verdiente Belohnung.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. November 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 22. November 1914Ein Wehrbundwort an die akademische, gymnasiale und gewerbliche Jugend.
   Der Idealismus rauscht mit seinen Sturmschwingen durch die Jugend, durch deutsche Ju­gend. Sie ist nie verstandeskühl und rechnerisch gewesen, das Markten und Feilschen war sie nie gewohnt, diese deutsche Jugend. Warme blonde Jungen, die sich auf Dichtersän­gen und Titanenideen eine eigene Weltwirklichkeit bauen. Gestern noch versteckten sie ihre germanischen Muskeln und Herzen unter weibischem Modetand, schwärmten für alles Bizarre und Exzentrische und ließen ihre reinen Blauaugen über lüsterne Zweideutig­keiten spielen. Der erste Sammelruf der Kriegstrompeten ließ den jungen Siegfried das Weiberge­wand geradeso abwerfen wie einst den jauchzenden Peleussohn [Achilles]. Deutsche Jungen, ob im Lehrlingsgeschurz oder im Stürmer, schwärmen und lodern, wollen Unge­wöhnliches und Großes, hungern nach Idealen. Und wo die Zeit keine Ideale bietet, da ge­hen sie mit dem tumpen Parsival auf die Suche und halten dem Erkorenen Treue, und wär's auch nur ein Narrenkleid und eine abgetriebene Märe. Aber manchmal ist die Zeit barmherziger. Da reckt sie sich wie ein Riese zu ihren weltgeschichtlichen Stunden. Da reißt sie selbst die engsten Krämer­seelen zu weiten Horizonten empor. Das ist das Bacchanal der deutschen Jugend. Da zeigt sie ihr ganzes Feuer und ihre ganze Tiefe. Da erwachsen unter der Glut einer einzigen Sonnenstunde zahllos und farbenleuchtend seine höchsten ethischen Zu­stände, in denen ein wurzelechter, kraftvoller Idealismus auch die natürliche Lebescheu überwindet, überwin­det nicht nur, sondern umwandelt in Todesrausch und Martyrersehn­sucht. Deutscher Ju­gendidealismus ist bitter ernst und so stark, daß er standhält vor den Enttäuschungen der rauhen, nüchternen Kaserne, der nassen, erkältenden Schützengrä­ben, der zusammenge­schossenen Krüppeln und eiternden Wunden. Deutscher Jugend­idealismus überwindet auch das und bleibt sich treu in ungeschwächtem, vielleicht vertiefte­rem Feuer. Die 17- und 18jährigen Leichen, die, denselben grauen Soldatenrock über das junge Gesicht gezogen, neben sturmerprobten, bärtigen Landwehrmännern zu hunderten in den Massengräbern lie­gen, die rasend fechtenden oder stillblutenden Knaben mit dem Ge­freitenknopfe oder dem eisernen Kreuz, die beweisen die Eigenart und die Ausdauer des deutschen Jugendidealis­mus. Sie sind lodernde Feuer, das die grauen Eisenmassen der Ar­meen warm, jung, rotglü­hend erzählt.
   Der erste Sammelruf ist verstummt. Die endlosen Züge mit Bataillonen und Regimentern sind vorüber. Der Rausch der ersten Augustwochen hat dem ruhigen Gleichmaß des Ge­wohnten Raum gegeben. Denn unablässige Verwundetentransporte, verstärkter Garnisons­dienst, Siegesdepesche und Verlustlisten, auch das sind Dinge, an die man sich gewöhnt. Und das Gewohnte regt nicht mehr auf, läßt das Herz nicht mehr bis ins Innerste erzittern. Was tut nicht die Zeit und der Raum! Die Zeit nimmt auch dem Größten seine unmittelbare Wirkung. Der Raum, der sich zwischen uns und die Schlachtfelder legt, verwandelt die Er­griffenheit in Interesse, manchmal vielleicht sogar dem Heroismus wieder in Spießbürger­tum.
   Ja, hätte jener erste ideale Ansturm, den das gellende Wort „Krieg um unser ganzes Sein!“ bis zum letzten Dorf entfesselte, nicht so blitzschnell den Schauplatz unvermeidlicher Lei­den von den Grenzen des Rheinlandes in das Herz von Frankreich und Belgien getragen, wäre der Plan der Verbündeten gelungen, Köln und Koblenz von französischen Heeren um­klammert, der deutsche Dom, den belgische Granaten zerschossen und das deutsche Eck in einen Trümmerhaufen verwandelt, wehte in Bonn statt der Lazarettflagge friedlicher Hei­mat die Standarte des französischen Hauptquartiers, ja dann würde der ersten Million der 18., 19jährigen bald die zweite Million der 16., 17jährigen folgen. So kennen wir unsere deutschen Jungen! Not, Blut und Gefahr schreckt sie nicht, sondern reißt sie auf. Aber sie müssen diese Not sehen, sich dieser Gefahr klar bewußt sein, sonst schlafen sie ein, wenn der erste Enthusiasmus vorüber gebraust ist und die Marschtritte der Abziehenden in der Ferne verklingen. Der Geschützdonner, der von Antwerpen und Verdun herüber dröhnt, ist nicht laut genug sie aufzuwecken. Um sie her ist ja alles friedlich! Die gewohnte Arbeit des Tages umgibt sie mit den gewohnten engen Gefühlen und kleinen Interessen. Für sie tobt der Krieg jetzt lediglich mehr in der Zeitung.
   Ist das wahr?
   Anzeige im General-Anzeiger vom 22. November 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 22. November 1914Wie dann, wenn gegen Rußlands ewig frische Millionen unsere tapferen Linienregimenter verbluten, unsere eisernen Landwehrtruppen ermüdet sind! Wie dann, wenn an die Millio­nen, die unausgebildet und unerfahren mit lässiger Nonchalance, auch in der Heimat erst dem fernen Getümmel zuschauen, wenn an sie plötzlich die Reihe kommt, weitklaffende Lücken auszufüllen. Was macht unsere Armeen so unwiderstehlich. Was läßt uns mit so beispielloser Bravour und mit so beispiellosen Erfolgen auf sechs Kriegsschauplätzen den Lorbeer der Weltgeschichte pflücken! Unsere glänzende militärische Ausbildung!
   Eine zweijährige, in zahlreichen Uebungen erprobte und erneuerte Zucht zu eisener Diszi­plin und zu großartig sicherer Handhabung der Waffe. Aber diese Waffen, die so geschult sind, stehen jetzt sämtlich im Kampf. Die Millionen, die wartend hinter ihnen in der Heimat blieben, sind ungeschult. Wie dann, wenn vielleicht im kommenden Frühjahr die Hauptlast des Kampfes und der Ehre sich von den ermüdeten Schultern jeder Kerntruppen auf Mas­sen wälzen muß, die nach flüchtiger, kaum monate-, vielleicht wochenlanger Ausbildung den deutschen Waffenruhm wahren sollen?!
   Auch hier in Bonn war an die Jungmannschaft der 16- und 17jährigen und an die Warten­den der älteren Jahrgänge der Ruf ergangen, jene ernste Möglichkeit vorzubereiten, Sorge zu tragen, daß Vorkenntnisse und Fähigkeiten erworben werden, die das Heer jetzt nicht in langsamer Einübung so gründlich vermitteln kann wie zur Friedenszeit. Was sollen diese Wehrbunde denn? Nicht Soldatenspiel oder Jugendpflege, nein ernste, zukunftsernste Vor­arbeit, Soldatengeist und Soldatenkraft in die Reihen tragen, die vielleicht noch in diesen, vielleicht in einem andern Kriege die Waffe für die Heimat zu führen haben. In den ersten Wochen, da ward die Gefahr überschätzt, in der unser Vaterland schwebte. Heute wird sie unterschätzt.
   Die drei Minister erließen die Weisung zur Rekrutierung der Jugendlichen im Rahmen frei­williger Kompagnien. Wehrbunde bildeten sich allenthalben. Es sollte versucht werden, ob die große, notwendige Vorbildung der Jugendlichen auf freiwilliger Grundlage möglich sei. Es sollte versucht werden, ob die Million Kriegsfreiwilliger in ihrer beispielgebenden Wir­kung stark genug sei, eine andere Million freiwillig Uebender aufzurufen aus jenen Massen, denen entweder Alter, Militärtaug­lichkeit oder Einberufungsordre bis jetzt noch fehlte. Sollte es sich, was drastischer Idealismus verhüten möge, zeigen, daß der alte Ruf: Freiwillige an die Front! in dieser Beziehung ver­geblich gewesen ist, dann wird nichts anderes übrig bleiben, als eine zwangsweise Aushebung an die Stelle der ehrenvollen Freiwilligkeit treten zu las­sen.
   Noch allenthalben, wo es sich um die Sammlung der Jugend handelte, hat man die Erfah­rung gemacht, daß nur immer eine Auswahl der Besten es war, die dabei sein wollten. Kei­ne Jugendpflege-Bestrebung kann sich rühmen, mehr als einen geringen Prozentsatz um ihre Fahnen gesammelt zu haben. Wenn aber diese Fahne die schwarz-weiß-rote, so, wenn es mehr, wenn es die weiße, adlergeschmückte Kriegsflagge des Vaterlandes ist, die für ein Jahr, vielleicht auch für länger über die Häupter der deutschen Jugend erhoben wird, wäre es nicht eine Schmach, wenn auch da noch Söhne deutscher Eltern ihren Sonntag und ihren Freundesklub, ihren Bierbummel und ihre Zigarettenfreiheit, ihre Bequemlichkeit und ihren Ei­genenwillen höher stellen als die ehrenstolze Kokarde eines Volks in Waffen!
   Deutsche Studenten! Deutsche Gesellen! Deutsche Gymnasiasten! Deutsche Lehrlin­ge! Würdet ihr euch nicht schämen, wenn Bonns Wehrbundleitung dem Generalkommando berichten müßte: In dieser Stadt genügt die Freiwilligkeit nicht!
   Deutsche Eltern! Deutsche Lehrer! Deutsche Meister!
Legt ihr eurer Jugend eigennützige oder kleinherzige Fesseln an? Auch auf diesen Posten un­serer vaterländischen Pflicht: Bonna soll leben! Bonna hoch! Bonner Blut ist geflossen, jun­ges, feuriges, stolzes Blut in diesen Tagen. Die Kriegsfreiwilligen unserer Stadt haben die furcht­bare Feuertaufe erhalten. Sie haben sie gut bestanden. Die Namen von 17-, 18jähri­gen fül­len die Verlustlisten und die Ehrentafel des Eisernen Kreuzes! Jungmannschaft Bonn, stehe deinen Kameraden und Altersgenossen im Felde nicht zurück! Jene füllten die Feldkompa­gnien der Armee, fülle du wenigstens die Wehrbundkompagnien der Heimat! Sei ausdau­ernd, tapfer und opferbereit! Nicht wert ist der unserer Stadt, unseres Stromes, un­serer Berge, der in dieser großen Zeit, die Gott in Gnaden ihn hat erleben lassen, sich nicht schämt, ein kleiner Wicht zu bleiben.  Sch.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Titelseite)