Samstag, 14. November 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 14. November 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 14. November 1914Ausländerinnen als Spioninnen. Berliner Blätter weisen darauf hin, daß sich noch in zahlreichen deutschen Familien Engländerinnen und Französinnen als Erzieherinnen und Gesellschafterinnen befinden, zum Teil sogar in Offiziersfamilien. Die Tgl. Rundschau schreibt darüber: „Sie nehmen ungestört am deutschen Leben teil. Wie wenig auch bei ihnen die Gefahr der Spionage ausgeschlossen ist, hat ein dieser Tage zur Kenntnis der Behörden gebrachter Fall bewiesen, in dem eine deutsche Truppenbewegung dem Feind hinterbracht worden sollte. Die Erzieherin hatte das militärische Geheimnis aus einem in der Familie verlesenen Brief des im Feld stehenden Hausherrn erfahren.“ Es kann überhaupt nicht dringend genug angeraten werden, mit Mitteilungen aus Feldpostbriefen, die man von Angehörigen aus dem Felde erhält, vorsichtig zu sein. Es ist bewiesen, daß in Deutschland vom feindlichen Ausland eine weitverzweigte Spionageorganisation unterhalten wird, die sich besonders damit befaßt, aus den Feldpostbriefen wichtige Nachrichten zu erfahren und dann an unsere Feinde weiter zu geben. Es ist durchaus unangebracht, an Orten, wo sich auch unbekannte Zuhörer befinden, irgendwelche Nachrichten aus Feldpostbriefen mitzuteilen. Verschwiegenheit ist heute eine vaterländische Tugend. (...)

Die Freistudentenschaft veranstaltet am Montag, den 16. November, abends 8 ½ Uhr im Hotel zur Post einen Vortrag. Herr Privatdozent Dr. Verweyen wird reden über: „Der Krieg und die geistigen Werte.“ (...)Anzeige im General-Anzeiger vom 14. November 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 14. November 1914

Die englische Gesellschaft „Liebigs Fleischextrakt“ hat auf eine Weisung aus London sämtliche deutsche Angestellte entlassen. Die Werke liegen in Fray-Bentos, in Uruguay. Liebigs Fleischextrakt ist bekanntlich nicht mehr konkurrenzlos. Wer ihn also nicht will, kann zu einer anderen Marke greifen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 14. November 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 14. November 1914Das Schicksal eines Landwehrmannes, den man tot im Gebüsch fand, und der in seinen erstarrten Händen den Brief seiner Frau hielt, worin sie ihm mitteilt, daß nach seiner Rückkehr der kleine Junge wohl laufen könne, schildert nachstehendes Gedicht, das uns zum Abdruck übermittelt wurde:

Ganz nah schon ist er am Feind heran
Im Schützengraben der Landwehrmann,
Ist ganz vom Eifer des Gefechts erfüllt,
Und dennoch erstieg so plötzlich ein Bild
Aus pulvergeschwängertem Nebelflor
Vor seinem geistigen Auge empor.

Er sieht seine Lieben nun allein
Beim abendlichen Lampenschein.
Sein Weib, das sein Kind am Busen hält,
Sie beten wohl für den Vater im Feld.
Sie schrieb ihm gestern: „Der kleine Mann,
Ich glaub, wenn du kommst, daß er laufen kann."

Ach, wärs doch vorbei und ich wieder zu Haus,
Schon malt er sich sehnend den Willkomm aus.
Da plötzlich hört er ehern und barsch
Das strenge Kommando: Sprung auf, Marsch, marsch!
Und vorwärts stürzt er mit frohem Mut,
Die deutsche Sache, sie steht ja gut!

Die Schlacht ist gewonnen. Nach Tagen dann
Finden tot wir den Landwehrmann.
Ganz einsam lag er im Aehrenfeld,
In der starren Hand er den Brief noch hält.
Den Brief, er las ihn noch einmal
Als Trost in seiner Todesqual.

Er las noch mal: „Der kleine Mann,
Ich glaub, wenn Du kommst, daß er laufen kann."
Klein Heinrich, er läuft nun schon hin und her –
Der Vater – er kommt nimmermehr.

J.B.

Bonner und Beueler Kanoniere vom Reserve-Fußartillerie-Regiment Nr. 9, 7. Batterie, 2. Bataillon, die schon seit 14 Wochen im Felde liegen und bisher noch keine Liebesgaben erhalten haben, bitten, doch auch einmal ihrer zu gedenken. Sie schreiben, daß sie viel schneller und sicherer schießen, wenn sie mit Dampf hinter den Geschützen stehen.

Anzeige im General-Anzeiger vom 14. November 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 14. November 1914Ein Verkauf von Arbeiten, die von unterstützungsbedürftigen Frauen durch Vermittlung des Katholischen Frauenbundes hergestellt wurden, findet heute nachmittag und morgen in der Heyermann’schen Schule , Clemenssstraße 3, statt.

Bönnsche Jungen auf der Goeben. Aus Konstantinopel, 1. Nov., schreibt uns der Segelmacher-Maat Gust. Ruprecht von S.M.S. Goeben:
   „Sie werden erstaunt sein, einen Brief von her zu erhalten. Wie Sie wissen, haben hier unsere guten Schiffe im Verlaufe der letzten Wochen sich wieder einmal ganz gehörig gewehrt und obendrein noch im Verein der türkischen Schiffe die Seefeste Sebastopol und andere Festungen beschossen. Das haben wir vor allen Dingen unserm rührigen Admiral zu verdanken, für den die ganze Besatzung wohl durchs Feuer geht und der uns zu allen Streichen bereit findet. Lacht uns doch selbst das Herz, wenn wir dem Russen eins auswischen können. Wie Sie sich nun denken können, ist man aber auch gespannt, zu lesen, was zu hause darüber gedacht und geschrieben wird. Wir erhalten hier wohl Zeitungen aus Wilhelmshaven und Hamburg, aber obschon hier mehrere Bonner an Bord sind, so ist doch die Stadt Bonn nicht mit einer einzigen Zeitung vertreten. Auch mit sonstigen Zeitungen und Zeitschriften sind wir hier sehr arm dran. Vielleicht hat einer Ihrer werten Leser ein offenes Herz und wird uns unsern Wunsch erfüllen. Ich bin gerne bereit, irgend welche Zeitungen und Zeitschriften aus Bonn für meine Kameraden in Empfang zu nehmen und den Empfang durch Ansichtskarten zu bestätigen, vorausgesetzt, daß der gütige Sender auch seine Adresse beifügt.“
   Wir haben dem Wunsche durch Ueberweisung unseres Blattes sofort entsprochen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 14. November 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 14. November 1914Katholischer Gesellenverein in Kriegeszeit. Wohl kein Verein in Bonn ist durch den Krieg so getroffen worden, wie der kath. Gesellenverein. Dann gerade seine Mitglieder stehen im wehrpflichtigen Alter. Der hiesige Gesellenverein zählte zu Beginn des Krieges etwa 350 Mitglieder; heute ist er auf ungefähr 100 zusammengeschrumpft. Von diesen erwartet noch eine ganze Reihe ihre Einberufung. Schon jetzt stehen aber mindestens 200 bis 230 Mitglieder im Feld. Bis heute sind bereits 12 Mitglieder auf dem Feld der Ehre gefallen, nämlich: Anton Walbrück, Josef Brunnenmeier, Emil Heinz, Heinrich Plenter (Ritter des Eisernen Kreuzes), Johann Mengden, Franz Schulte, Thomas Werres, Joh. Math. Asbach, Heinrich Koops, Buckreus, Mathias Heinemann, Josef Brieger. Dazu kommen noch über 25 Verwundete, die zu unserem Verein gehören. Mit den vielen Vereinsangehörigen im Felde ist der Verein in steter Verbindung geblieben und hat ihnen auch kleine Liebesgabenpakete zukommen lassen; für diesen Zweck wurde in den alle 14 Tage stattfindenden Versammlungen gesammelt. Daß die Erträgnisse dieser Sammlungen nicht groß waren, ist ja selbstverständlich, da ja auch die zurückgebliebenen Mitglieder von der Not der Kriegszeit sehr betroffen worden sind. Da nun unsere Mitglieder zum großen Teil aus weniger bemittelten Familien stammen, die zudem meist mehrere Söhne im Feld haben und sich in ihrer eigenen Not tüchtig plagen müssen, so ist es eine Ehrenpflicht für den Verein, in dieser schweren Zeit besonders für seine Mitglieder im Feld zu sorgen. Von den in Bonn ausgerüsteten Sendungen für die Angehörigen der hier in Garnison liegenden Regimenter kommt nur wenig den ehemaligen Gesellenvereinsmitgliedern zugute, da diese zum großen Teil aus allen Teilen Deutschlands und Oesterreichs stammen und sich darum in allen Armeekorps wiederfinden. Gewiß wird in Bonn jetzt viel gebettelt, aber sicher ist auch noch ein Groschen für die Mitglieder des Gesellenvereins übrig. Bald ist ja wieder Weihnachten und da möchten wir gerne unseren Mitgliedern im Feld, die für uns so viele Opfer bringen, auch eine kleine Weihnachtsfreude machen, damit sie durch solche Liebesbeweise neu gestärkt und ermutigt werden in den Bitternissen des Krieges. Manch rührender Dankesbrief ging der Vereinsleitung schon aus dem Felde zu, daneben aber auch noch manche dringende Bitte um weitere Unterstützung. Wir sind gewiß, daß wir keine Fehlbitte tun, wenn wir da unsere Mitbürger um Spenden auch für unsere Mitglieder angehen. Wir glauben dabei zumal auf unsere Handwerksmeister, die ja auch zum großen Teil Ehrenmitglieder unseres Vereins sind, bauen zu können. Einige Damen haben sich in liebenswürdiger Weise bereit erklärt, unter unseren zahlreichen Ehrenmitgliedern eine Sammlung für diesen Zweck abzuhalten. Wir hoffen auf eine bereitwillige Unterstützung unserer vaterländischen Sache seitens unserer Ehrenmitglieder. Gaben für diesen Zweck werden auch jederzeit im Gesellenhause, Kölnstraße 17/19, entgegengenommen, aber auf Mitteilung hin auch abgeholt.

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 14. November 1914Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 14. November 1914Einen schönen Beweis patriotischer Gesinnung gab in der verflossenen Woche – so wird uns geschrieben - die Endenicher Jugend. Sie schenkte ihrem Herrn Pfarrer zu seinem Namenstage eine große Menge „Liebesgaben“. Unglaublich viele Teile und Teilchen waren da mit regem Fleiß zusammengetragen worden. Da kamen zuerst die Kleinsten der Kleinen, die Bewahrschulkinder. Wer zählt das alles, was sie ihrem Pfarrer schenkten. Und erst das, was die Mädchenklassen der Volksschule herbeitrugen! Es geht zu weit, das alles aufzuführen. „Liebesgaben“ statt der üblichen Blumen brachten auch die Vereine, die als Gratulanten bei dem hohen Herrn erschienen. Die Jungfrauen-Kongregation spendete 50 Mark zu diesem Zwecke.
    Welch reger Eifer überhaupt die Endenicher Jugend und Bürgerschaft für unsere im Felde stehenden Helden beseelt, davon legen Zeugnis ab all die nützlichen Sachen, welche Schülerinnen der Mädchenklassen zum größten Teil aus eigenen Mitteln anfertigten bezw. Herbeibrachten. Abgesehen von den vielen Zigarren, Zigaretten, Tabak usw. wurden in den Klassen hergestellt: 300 Paar Socken, 268 Paar Stauchen, 28 Paar Kniewärmer, 23 Mützen, 202 Kissen: 6 große Pakete sandten die Kinder ins Feld. Die Jungfrauen-Kongregation stellte bisher ebenfalls aus eigenen Mitteln her. 42 Paar Socken, 9 Paar Stauchen, 17 Paar Kniewärmer, 51 Mützen, 21 Leibbinden, 3 Paar Lazarettschuhe. Der „Wolltag“ hatte hier, von den vielen einzelnen Sachen abgesehen, kurz zusammengefasst, folgendes Resultat:
   69 Decken, 1300 Kleidungsstücke (Hemden, Unterjacken usw.), 78 Kissen, 100 Kragen bezw. Mäntel für die Landwehrmänner, 176 Stück Lazarettwäsche, 2 große Pakete mit vollständiger Ausrüstung für zwei Soldaten, sowie für die in Not geratene Bevölkerung im Osten und Westen 354 Kleidungsstücke für Frauen und Kinder.

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 14. November 1914Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 14. November 1914Das fehlte noch! Verwundete teilen uns mit, daß in Bonner Lazaretten eine hier Medizin studierende Russin den verwundeten, deutschen Soldaten ihre Hilfe angedeihen läßt. „Warum diese ausländische Dame sich unserer annimt“ – so schreiben die Verwundeten – „ist uns nicht ganz klar. Sicherlich nicht, um ihrer Sympathie für Deutschland und das deutsche Heer Ausdruck zu geben. Denn sie macht keinen Hehl aus ihrer Bewunderung für das französische Militär. Sie bekennt offen – und zwar nicht erst auf Fragen – daß sie die französischen Soldaten für intelligenter und für Menschen feineren Geschmacks und höherer Bildung hält, als die deutschen Soldaten. Ja, sie geht sogar soweit, Deutsche von makellosem Ruf als Vaterlandsverräter zu bezeichnen. So beschuldigte sie jüngst unseren verdienstvollen kühnen Flieger Helmuth Hirth deutschfeindlicher Spionage. Darauf von mehreren von uns zur Rede gestellt, machte sie leere Ausflüchte. Sie habe es von anderer Seite gehört, sie habe keine Beweise usw. Wie uns versichert wurde, hat sich die Dame, die übrigens auch in der Bonner Gesellschaft eine Rolle spielt, in den ersten Kriegswochen nur um die in Bonn untergebrachten verwundeten Franzosen bemüht. Erst später, als keine Franzosen mehr nach Bonn kamen, wurde sie unsere Pflegerin. Warum bleibt diese Russin nicht in ihrem eigenen erleuchteten Lande, oder warum geht sie nicht zu den von ihr so viel gepriesenen Franzosen, wenn sie sich wissenschaftliche Kenntnisse aneignen will? Beansprucht sie aber unser Gastrecht, dann mag sie eingedenk bleiben, daß sie sich bei uns als Dame von Bildung auch als Gast zu benehmen hat. Es empört uns Soldaten, diese doch nur in unserer Mitte geduldete Russin so verächtlich vom deutschen Militär und so lobend von den französischen Soldaten reden zu hören. Wir verbitten uns das. Oder müssen wir es uns gefallen lassen, daß wir im eigenen Lande, sogar in unseren heimatlichen Lazaretten von Angehörigen einer uns feindlich gesinnten Nation beleidigt werden. Das fehlte noch!“
    (Man sieht, sie sind doch alle von derselben Art. Den Engländern und Franzosen tun es an Maulheldentum auch die sonst sehr dickfälligen Russen nach, wenn es auch nur in der mehr stillen, nichtsdestoweniger aber recht ungezogenen Weise der oben geschilderten russischen Studentin geschieht. Red.)

Der Kath. Jugendverein St. Marien beschloß, für die in St. Joseph an der Höhe weilenden Verwundeten, morgen (Samstag) einen Unterhaltungsnachmittag zu veranstalten.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)