Mittwoch, 11. November 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 11. November 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 11. November 1914Am gestrigen Martinsabend sah man auf den Straßen die Jugend mit bunten Papierlaternen einherziehen, es war das altgewohnte Bild und es war es doch nicht ganz. Der Krieg machte auch hier seinen Einfluß geltend. Statt der sonst üblichen Lieder hörte man Kriegs- und Soldatenlieder. Mit dem Gesang „ Dem Kaiser Wilhelm haben wir’s geschworen“ zog so eine kleine Schar, Buben und Mädels, unter unseren Fenstern vorüber. Meistens schwieg aber überhaupt der Mund der Kleinen. Unbewusst empfanden auch sie, daß lautes Treiben jetzt nicht am Platze ist.

Feldpostbriefe dürfen wieder schwerer sein. Wie amtlich mitgeteilt wird, werden Feldpostbriefe im Gewicht von 250 bis 500 Gramm vom 15. bis einschließlich 21. November wieder zugelassen.

Gesellschaft für Literatur und Kunst. Die nächste Veranstaltung der Gesellschaft für Literatur und Kunst wird der Kriegsmusik gewidmet sein. Dr. G. Tischer aus Köln, dessen Vortrag im vergangenen Winter viel beachtet wurde, wird über dieses Thema in der zweiten Hälfte des Monats sprechen. Das Städtische Orchester hat die musikalischen Darbietungen übernommen.

Der Verkauf von Benzin und Benzol, soweit die Vorräte nicht von der Militärverwaltung beschlagnahmt sind, ist für den Bereich des 8. Armeekorps vom stellvertretenden Oberkommando des 8. Armeekorps freigegeben worden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 11. November 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 11. November 1914Sendet Kerzen als Liebesgaben! Von dem aus dem Felde heimgekehrten Geheimrat Garré erfahren wir, daß auf den westlichen Kampfplätzen in den Quartieren und in den Schützengräben ein empfindlicher Mangel an Beleuchtungsgegenständen herrscht. Es tut einem geradezu das Herz weh, wenn man in den Straßen Bonns die Kinder am Martinsabend mit den brennenden Lampen sehe, deren Kerzen weit besser unseren Offizieren und Soldaten ins Feld gesandt worden wären. Aerzte und Offiziere sind genötigt, sich oft in großer Zahl mit einer einzigen Kerze, die auf eine Weinflasche aufgesteckt wird, begnügen zu müssen. Die in den Schützengräben liegenden Offiziere und Mannschaften sehen den langen Winterabenden recht betrübt entgegen, da sie bei der immer früher hereinbrechenden Dunkelheit genötigt sind, ohne Licht ihre Pflicht erfüllen zu müssen. Wer in der Heimat glaubt, daß unsere im Felde befindlichen Leute ihre Abende in ähnlicher Beleuchtung wie zuhause verbringen könnten, irrt sich sehr. Unsere Armeeleitung sorgt wohl in jeder Hinsicht in der sorgfältigsten Weise für unsere Krieger, aber Beleuchtungsmittel werden nicht gestellt. Da in den vom Feinde verlassenen Orten auch für Geld keine Petroleumlampen und Kerzen zu haben sind, so ist man fast auschließlich auf Liebesgaben aus der Heimat angewiesen. In erster Linie müssen natürlich die Feldlazarette mit Kerzen versorgt werden, im weiteren aber auch unsere Offizierskorps und die Mannschaften. Wir sich vorstellt, welchen Einfluß das Verbringen der langen Abende in völliger Dunkelheit auf das Gemüt ausübt, der wird begreifen, daß einer der ersten Schritte, den Generalarzt Geheimrat Garré nach der Rückkehr in die Heimat unternahm, unsere Redaktion war, um die Oeffentlichkeit daz anzuregen, möglichst rasch Kerzen als Liebesgaben ins Feld zu senden. Wir kommen dieser Anregung hiermit sofort entgegen, möchten aber doch hierbei bemerken, daß bei der täglich bei uns eintreffenden reichen Poste von den Kriegsschauplätzen der Wunsch nach Tabak und Zigarren immer am lebhaftesten zum Ausdruck kommt, während Kerzen bisher kaum verlangt wurden.

Den Wirten ist vom Garnisonkommando verboten worden, nach 9 Uhr abends den Mannschaften unserer Garnison den Aufenthalt in ihren Lokalen zu gestatten, oder ihnen Speise und Getränke zu verabfolgen. Unteroffiziere ohne Portepee dürfen nicht länger wie 10 Uhr in den Schankstätten geduldet werden. Gegen Zuwiderhandlungen wird in schärfster Weise vorgegangen.

Anzeige im General-Anzeiger vom 11. November 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 11. November 1914Für erblindete Soldaten, die infolge Verwundung ihr Augenlicht verloren haben und deren sich mehrere hier in der Augenklinik befinden, hat eine erblindete Dame in Godesberg unentgeltlichen Unterricht im Lesen und Schreiben der Blindenschrift zugesagt.

Die in Bonn festgenommenen Engländer im Alter von 17 bis 55 Jahren, die bisher im hiesigen Gefängnis untergebracht waren, sind gestern Vormittag nach Köln weitertransportiert worden. Von dort aus werden sie nach Ruhleben bei Berlin gebracht, wo sie interniert werden.

Handels- und Gewerbe-Verein, e. V. In der gestrigen Hauptversammlung im Stern erstattete der Vorsitzende Herr Hubert Bericht über die Vereinstätigkeit nach Ausbruch des Krieges. Der Verein hat dem Roten Kreuz und anderen Wohltätigkeitseinrichtungen große Beträge überwiesen, auch zur Kriegsanleihe gezeichnet. – Auf Antrag wurde beschlossen, Engländer, die im Verein die Mitgliederschaft erworben haben, aus der Mitgliederliste zu streichen. Die Anregung des Vereins, der Handelskammer und anderer hiesiger Vereinigungen, Gold im Interesse der Kriegslage gegen Papiergeld umzutauschen, ist von Erfolg gewesen. Wöchentlich wurden hier ungefähr für 30-40 000 Mark Gold bei der Reichsbank umgetauscht. Das Umtauschgeschäft wird weiter betrieben. (...)
    Zur Petroleumfrage wurde erwähnt, daß die in einem Teil der Presse gebrachten Meldungen, ein Petroleummangel sei nicht zu verzeichnen, nicht ganz zutreffend seien.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 11. November 1914Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 11. November 1914Japanischer Orden zurückgegeben. Der Geheime Regierungsrat Professor Dr. Rein, der Verfasser des grundlegenden Werkes über Japan, dem die Japaner wiederholt ihre Dankbarkeit bezeugt haben, hat den ihm verliehenen Kaiserlich japanischen Verdienstorden der Aufgehenden Sonne dritter Klasse dem Universitätskurator zur Rückgabe an die japanische Regierung durch den Herrn Kultusminister übergeben.

Der Kriegsmusik wird die nächste Veranstaltung der Gesellschaft für Literatur und Kunst gewidmet sein, die in der zweiten Hälfte des Monats in der Lese stattfindet. Dr. Gerhard Tischer aus Köln, dessen wertvoller Vortrag im vorigen Winter weitere Aufmerksamkeit erregte, wird sprechen. Das Städtische Orchester hat die musikalischen Darbietungen übernommen.

Verkauf von Beutepferden. Am Donnerstag, den 12. November, von morgens 10 Uhr ab und am Freitag, den 13. November d. J. ebenfalls von 10 Uhr ab findet ein Verkauf von etwa 280 Beutepferden durch die Landwirtschaftskammer unter Mitwirkung der Rheinischen Pferdezentrale auf dem Schlachthofe in Köln zu den bereits früher mitgeteilten Bedingungen statt.

Anzeige im General-Anzeiger vom 11. November 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 11. November 1914Kriegszeitung. Herr Kaufmann Willy Seiwert aus Bonn, Münsterplatz, zur Zeit Kraftwagenführer beim Armee-Oberkommando, sendet uns ein Exemplar der Kriegszeitung, wie sie fast täglich für die Armee des Kronprinzen herausgegeben wird, da die Zeitungen aus der Heimat zu lange auf sich warten lassen. Wir haben die Zeitung im Schaufenster unserer Geschäftsstelle zum Aushang gebracht.

Für schwächliche und kränkliche Kinder unserer im Felde verwundeten oder gefallenen Krieger ist im Hause Schumannstraße 288 ein Erholungsheim gegründet worden. Das neue Heim soll diesen Kindern während und nach der Kriegszeit gegen geringes Entgelt eine Zufluchtsstätte sein, wenn die Mütter selbst nicht in der Lage sind, die Pflege und Aufsicht zu übernehmen. Ein Bonner Kinderarzt und eine Oberschwester haben die Aufsicht und Leitung. Zweifellos war ein solches Institut in Bonn notwendig. Wir hatten Kinderhorte und Bewahranstalten für gesunde Kinder, wir hatten aber kein Heim für die armen Kleinen, denen Schwächlichkeit und Krankheit schon die ersten Jahre ihres jungen Lebens zur Plage machen. Kinder mit steckenden Krankheiten müssen natürlich von der Aufnahme in das neue Heim ausgeschlossen sein.

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 11. November 1914Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 11. November 1914Die Abreise der 12 verhafteten Engländer aus Bonn erfolgte gestern morgen mit der Rheinuferbahn in Begleitung einiger Polizeibeamten. Die Verhafteten wurden zunächst bis Köln gebracht, von wo sie später nach Ruhleben befördert werden. Mehrere Angehörige hatten sich zum Abschied am Bahnhof der Rheinuferbahn eingefunden. Alles verlief in bester Ordnung.

Lengsdorf, 10. Nov. Aus der hiesigen Gemeinde sind nunmehr auch schon vier Familienväter den Heldentod fürs Vaterland gestorben. Heute wurden in der hiesigen Pfarrkirche die Exequien für den Landwehrmann Theodor Forschbach gehalten, welcher im Argonnenwald schwer verwundet wurde und am 3. November im Garnisonlazarett Metz starb. Gestern waren die Exequien in der Kirche hierselbst für den Landwehrmann Kaspar Schiffer, der in einem Gefecht bei F. verwundet worden und auch im Garnisonlazarett Metz am 30. Oktober gestorben ist. Schon gleich im Anfange des Krieges am 24. August fiel der Kanonier Nikolaus Weingärtner bei Sedan und am 27. August der Landwehrmann Theodor Lammerich ebenfalls bei Sedan auf dem Felde der Ehre. Auch für diese beiden wurden die Exequien in unserer Pfarrkirche gehalten.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)