Dienstag, 10. November 1914

 

Anzeigen im General-Anzeiger vom 10. November 1914Anzeigen im General-Anzeiger vom 10. November 1914Der Bund deutscher Offiziersfrauen ist bereits nach kurzem Bestehen in der Lage, einer größeren Anzahl Offizierswaisen eine weitere, unentgeltliche standesgemäße Erziehung nachzuweisen und älteren bedürftigen Töchtern gefallener Offiziere eine kostenlose berufliche Ausbildung zuteil werden zu lassen. Außerdem hat er in den meisten größeren Städten Auskunfts- und Beratungsstellen eingerichtet. Der Gebrauch dieser Einrichtungen ist nicht von einer Mitgliedschaft abhängig, sie können von allen Angehörigen des Offizierstandes, des Sanitäts-, Reserve- und Veterinär-Offizierkorps genutzt werden. (...)

Unterstützung und Hilfe für unsere bildenden Künstler. Unter den wirtschaftlichen Nöten und Bedrängnissen, den der Krieg fast für jeden einzelnen mit sich bringt, haben auch unsere bildenden Künstler ganz besonders zu leiden. Viele von ihnen sind fast ihrer ganzen Einnahmequellen beraubt, allen ist die Möglichkeit des Erwerbs stark verkürzt. So mehren sic denn die Stimmen, die auf die gegenwärtige Notlage der bildenden Künstler hinweisen und zugleich Mittel und Wege erörtern, dieser Notlage abzuhelfen. Wer nun einigermaßen dazu imstande ist, der soll es gerade jetzt nicht versäumen, unseren Malern, Bildhauern und Kunstgewerblern über die schwere wirtschaftliche Bedrängnis hinwegzuhelfen. Am besten geschieht das natürlich immer durch Aufträge irgend welcher Art. Dabei möge man aber auch eines bedenken: Wie immer und überall wird auch hier die Hilfe am wirksamsten und fruchbarsten sein, wenn sie zunächst im engsten Kreis ihr Werk beginnt. Mit anderen Worten, wer ein Herz für die bildende Kunst und die Künstler hat und ihnen helfen will, der gedenke vor allem der Künstler seiner nächsten Umgebung. Wer also Aufträge zu vergeben hat oder Werke der bildenden Kunst ankaufen will, der sehe vor allem einmal darauf, ob das nicht unter den in Bonn lebenden Künstlern möglich ist. Ihnen muß vor allem unsere Unterstützung zuteil werden. Wer jetzt Künstlern helfen will, der helfe vor allem unseren Bonner Künstlern.

Kartoffelausfuhrverbot. Der stellvertretende kommandierende General des 8. Armeekorps in Koblenz hat die Ausfuhr von Kartoffeln über die Rheinprovinz hinaus bis auf weiteres untersagt.

Gebetsketten. Mehrere Zeitschriften machen uns darauf aufmerksam, daß in letzter Zeit die Gebetsketten häufig verschickt werden. Diese aus Amerika stammende Unsitte besteht bekanntlich darin, daß man ein Gebet zugeschickt bekommt mit der Weisung, es neun Tage lang einem anderen lieben Menschen zu senden, an den selbst wieder die gleiche Aufforderung ergeht. Zugleich wird betont, daß die Kette nicht unterbrochen werden darf. Wer das Gebet nicht weiter gibt, habe kein Glück mehr; wer aber der Aufforderung gewissenhaft nachkommt, soll am 9. Tag eine große Freude haben und von allen Sorgen erlöst werden. – Man kann es verstehen, daß derartige Zusendungen mit ihren abergläubischen Drohungen von vielen als lästig empfunden werden. Die Zeiten sind jetzt wirklich zu ernst, als daß es jemand verantworten könnte, durch derartige Zerrbilder des Gebetes die wahre und innerliche Frömmigkeit zu verletzen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeigen im General-Anzeiger vom 10. November 1914Anzeigen im General-Anzeiger vom 10. November 1914Martinsabend. In Ihrer gestrigen Nummer veröffentlichen Sie eine Zuschrift, in der verlangt wurde, daß das Umherziehen der Kinder in dieser ernsten Zeit untersagt werden solle. Ich als alte Frau möchte mir dazu eine Bemerkung erlauben: Werden nicht am Martinsabend die meisten, ja alle Bonner Familienväter, die im Feindesland stehen, ihrer eigenen Jugend gedenken und im Geiste die umherziehenden Kinder begleiten. Warum soll denn durch ein derartiges Verbot den zurückgebliebenen Müttern und deren Kindern das Leben noch schwerer gemacht werden? Laßt doch den Kindern die Freude! Eine alte Kinderfreundin: Tante Marie.

Hohe Milchpreise. Wie kommt es, daß die Bonner Bürger für ein Liter Milch verschiedene Preise zahlen müssen? Die Großbauern und Großmolkereien verlangen für ein Liter Milch durchweg 24 Pfg., während die Kleinbauern mit 20 Pfg., höchstens 22 Pfg. zufrieden sind. (...) Im Hinblick auf die Kriegslage dürfte es angezeigt sein, wenn Großbauern und Molkereien die gleichen Preise forderten, wie die Kleinbauern, schon aus dem Grunde, weil sie wirtschaftlich die Stärkeren sind.

Die Kartoffelpreise scheinen noch immer zu steigen. Heute morgen verlangte ein Landmann aus Ramershoven im Kreise Rheinbach, der mit einer Karre Kartoffeln zur Stadt gekommen war, 4 Mark für den Zentner. Die Landwirtschaftskammer war der Ansicht, daß die Preise sinken würden, sobald die Erntearbeiten und die Feldbestellung beendet seien und die Eisenbahn wieder regelmäßig verkehre. Das ist alles inzwischen eingetreten, aber die Preise fallen nicht. Im Gegenteil, sie steigen. Da wird schließlich doch nichts anderes übrig bleiben, als Höchstpreise festzusetzen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

 

Ein englisches Dum-Dum-Geschoß, bei dem die Kugelspitze aus zwei Teilen besteht, und so eingerichtet ist, daß sie beim Aufschlagen auseinandergeht, ist im Schaufenster unserer Geschäftsstelle ausgestellt.

Das große Kriegs-Drama „Vae Victis“, welches in den letzten Tagen im Viktoriatheater (Gangolfstraße) zur Aufführung kam, hat eine derartige Anziehungskraft ausgeübt, daß am Sonntag Hunderte Besucher, die nicht mehr den gewünschten Platz erhalten konnten, eine Verlängerung der Spielzeit dieses prachtvollen Filmwerkes verlangten. Die Direktion hat sich daher entschlossen, dieses Drama noch bis Freitag einschließlich in ihrem Programm beizuhalten und so weitgehenden Wünschen gerecht zu werden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)