Montag, 1. November 1914

 

Bei Coronel (Chile) erringt das deutsche Ostasiengeschwader einen Sieg über einen britischen Flottenverband.
Hindenburg wird zum Oberbefehlshaber der deutschen Truppen im Osten ernannt, Ludendorff zum Stabschef.

 

Universität. Die philosophische Fakultät unserer Hochschule hat Herrn Krupp von Bohlen und Halbach und dem Mitglied des Direktoriums der Firma Krupp, Herrn Professor Raufenberger, dem Konstruktör der schweren Geschütze, in bewundernder Anerkennung der großartigen Leistungen dieser Geschütze die Würde eines Ehrendoktors zuerkannt. Die gleiche Würde ist dem Präsidenten der Reichsbank, Wirklicher Geheimer Rat Havenstein, in dankbarer Anerkennung seiner Fürsorge für die wirtschaftliche Kriegsbereitschaft des Reiches zuerkannt.

Anzeige im General-Anzeiger vom 1. November 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 1. November 1914Wehrbund. Zu Mittwoch, den 28. Oktober, hatte der Wehrbund, Bonn, eine Versammlung im Dreikaisersaale einberufen. Universitätsprofessor Dr. A. Brinkmann hielt einen Vortrag über die gegenwärtige Lage und die Aufgaben des Wehrbundes. Er legte die Stärkeverhältnisse der kriegsführenden Mächte übersichtlich dar. Klar gab er die inneren Gründe. Es gelte nun immer wieder - denn noch lange wäre der Krieg nicht zu Ende – frische Truppen ins Feld zu stellen. Trotz der Kürze der Ausbildung müßten diese neuen Truppen möglichst vollwertig sein. Dazu sei Vorarbeit nötig. Diese Vorarbeit schaffe der „Wehrbund“. „So wollen wir“, so schloß der Redner, „wie die Scharen des alten Blücher bei Leipzig rufen: ‚Vorwärts! Wir werden, wir müssen siegen!’“ (...) Begeistert gesungene patriotische Lieder, Reden und Kundgebungen der Wehrbundmitglieder wechselten in der Folge ab. Hoffentlich trägt die wohlgelungene Veranstaltung dazu bei, neue Mitglieder dem Werkbunde zuzuführen! Der wichtigen Sache wegen wäre es recht dringend zu wünschen.

Fahrräder für die Krankenträger-Kolonne. Der Freiwilligen Krankenträger-Kolonne fehlt es bisher an Radfahrern. Nun haben sich mehrere zuverlässige Herren (Studenten) gemeldet, die jedoch nicht im Besitze der nötigen Fahrräder sind. Um die gute Sache, den Tragedienst für unsere verwundeten und krankenKrieger zu unterstützen, werden Besitzer unbenutzter oder entbehrlicher Fahrräder dringend ersucht, ihre Räder der Krankenträger-Kolonne zur Verfügung zu stellen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

In unserem Schaufenster sind Künstlerkarten zum Aushang gebracht, die nach Kriegsgemälden des Bonner Kunstmalers Krupa-Krupinski hergestellt sind. Es sind treffliche Miniaturgemälde, von welchen einstweilen eine Serie von sechs Stück erschienen ist, und zwar: 1. Beschießung Lüttichs durch unsere 42 Zentimeter-Brummer, 2. Kampf mit Bauern bei Löwen, 3. Oesterreichische Vorposten im Kampf mit Kosaken, 4. Schlacht bei Metz und in den Vogesen, 5. Schlacht bei Tannenberg und an den masurischen Seen, 6. ein Zeppelin bei der Arbeit.

Mißbrauch der Wollsammlung. In der Meckenheimerstraße hat am Freitag ein Unbekannter, nachdem die Pfadfinder ihres Amtes gewaltet hatten, nach Wollsachen gefragt, angeblich für den Hilfsausschuß. Als ihm bedeutet wurde, man wolle sich zuerst über die Richtigkeit seiner Angaben telefonisch erkundigen, machte er sich aus dem Staube.

Anzeige im General-Anzeiger vom 1. November 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 1. November 1914Der Heldenwitwe Allerseelen!

Sehe Euch zum Friedhof eilen,
Seh' Euch bei den Gräbern steh'n,
Doch, ich darf ja meines Gatten
Ach, so frühes Grab nicht seh'n.

Möchte gern sein Grab mit Blumen
Schmücken und mit Grün
Und an seiner Ruhestätte
Leise betend niederknien.

Weiß nicht, wo in fremder Erde
Man versenkte ihn hinab,
Weiß nicht, wo das Blei ihn packte,
Wo er fand sein Heldengrab.

Heldengrab! Darf ich da klagen,
Wo er starb fürs Vaterland?
Wollte doch so stark ertragen,
Daß den Heldentod er fand.

Darum still! Die fremde Erde
Gute Ruh ihm geben mag,
Lebt er doch in meinem Herzen
Seinen Allerseelentag!

Gielsdorf
Josef Meyer

 (Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 1. November 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 1. November 1914Wehrbund. Am Mittwoch den 28 Okt. hatte der Wehrbund, Bonn, eine Versammlung im Dreikaisersaal einberufen. Universitätsprofessor A. Brinkmann hielt einen Vortrag über die gegenwärtige Lage und die Aufgabe des Wehrbundes. Er legte die Stärkeverhältnisse der kriegführenden Mächte übersichtlich dar. Es gelte nun immer und immer immer wieder – denn noch lange wäre der Krieg nicht zu Ende – frische Truppen ins Feld stellen . Trotz der Kürze der Ausbildung müßten diese neuen Truppen möglichst vollwertig sein. Dazu sei Vorarbeit nötig. Diese Vorarbeit schaffe der „Wehrbund“. „So wollen wir,“ schloß der Redner, „wie die Scharen des alten Blücher bei Leipzig rufen: Vorwärts! Wir werden, wir müssen siegen!“
    Anknüpfend an den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag ermahnte Turninspektor Schröder zu regelmäßigem Erscheinen und bat in warmen Worten, Mitglieder zu werben. – Weiterhin drückte Regierungsrat Dr. von Groote, Oberst d. L., seine lebhafte Anerkennung aus für die Leistungen des Wehrbundes. – Begeistert gesungene patriotische Lieder, Reden und Kundgebungen der Wehrbundmitglieder wechselten in der Folge ab.
   Hoffentlich trägt die wohlgelungene Veranstaltung dazu bei, neue Mitglieder dem Wehrbunde zuzuführen. Der wichtigen Sache wegen wäre es recht dringend zu wünschen.

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 1. November 1914Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 1. November 1914Die Frage der Volksernährung. Aus der Verschiedenheit der Meinungen, die der Lösung der wichtigen Frage der Volksernährung gelten, ging unter den Sachverständigen wie im Bundesrat eine vollkommene Uebereinstimmung darüber hervor, daß die einzig mögliche Lösung des Problems ist, gewissermaßen ganz Deutschland mit einem Netz von kleinen Zentren der Preisfestsetzung zu überziehen und dabei, dem Verteilungsstrom des Getreides von Osten nach Westen folgend, Preise anzusetzen, die dieser Bewegung entsprechend von Osten nach Westen langsam ansteigen. Man war sich darüber vollkommen einig, daß man unter keinen Umständen Preise festsetzen könnte, die nicht in der Marktlage ihre Berechtigung fanden, sondern daß für die Dauer des Krieges erschwingliche Preise festgesetzt werden müßten. Dabei war auch Vorsorge zu treffen, daß mit den Vorräten haushalterisch umgegangen werde. Was den Vorrat an Roggen und Weizen betrifft, so sind wir in der glücklichen Lage, bei beiden erhebliche Ueberschußbestände von der letzten Ernte zu besitzen. In dieser Beziehung können wir beruhigt in die Zukunft blicken, wobei natürlich eine pflegliche Behandlung der Vorräte nötig ist. Unter diesen Umständen und mit Hilfe der neuen gesetzlichen Maßregeln können wir auch einer langen Kriegsdauer beruhigt entgegensehen. (...)

Wahre Wohltätigkeit. Wir erhalten folgende Zuschrift: In dem herzlichen Bestreben, dem Roten Kreuz, der Nationalstiftung zugunsten der gefallenen Krieger und anderen Wohlfahrtseinrichtungen der Krieger Gelder zufließen zu lassen, werden in breiter Oeffentlichkeit mitunter Vorschläge gemacht, die nicht unbedenklich sind, weil sie Schaden anrichten. Da wird z.B. in gutgemeinter Absicht mitgeteilt, Herr N.N. habe anstatt eines Geburtstagsgeschenkes einige Mark für das Rote Kreuz gegeben, oder die Hinterbliebenen eines Verstorbenen forderten in der Todesanzeige zur Wohltätigkeit durch den Vermerk auf, etwas zugedachte Kranzspenden zu unterlassen und den Betrag dafür dem Roten Kreuz zuzuwenden usw. Das ist alles gut, sogar sehr gut gemeint, aber es hat bedenkliche Folgen. Jeder nicht gekaufte Gegenstand, jedes unterlassene Geschenk, jeder nicht gekaufte Kranz für einen teuren Entschlafenen ist ein Ausfall für die Gewerbetreibenden, die solche der liebevollen Aufmerksamkeit oder der Pietät dienenden Waren erzeugen und verkaufen. Dieser Verkauf ist ebenso wichtig wie die öffentliche Wohltätigkeit, denn er belebt die Gütererzeugung, den Handel und befruchtet zahlreiche Industrien und Erwerbszweige. Wer in dieser Zeit Waren kauft, sei es für ein Geschenk, seien es Liebesgaben für die Krieger, seien es Kranzspenden, wer die Gräber der lieben Toten schmücken läßt, übt auch Wohltätigkeit, er hilft viele, viele Tränen trocknen.

Sie schämen sich, daß sie zu Hause bleiben müssen. Mehrere Reservisten bitten um die Veröffentlichung des Folgenden:

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 1. November 1914Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 1. November 1914„Seit drei Monaten tobt nun schon der gewaltige Kampf um die Ehre und Zukunft unseres Vaterlandes. Wie stolz und siegesbewußt zogen unsere Väter, Brüder und Kameraden ins Feld. Wie mancher von ihnen trägt stolz und freudig den schlichten Schmuck des eisernen Kreuzes. Und wer zählt die vielen Tausende, die danach brennen, es sich zu verdienen, die stolz darauf sind, die teure Heimat, Weib und Kinder gegen das ehrlose Gesindel verteidigen zu dürfen. Sind wir Reservisten nun dazu verdammt, unsere Väter, Brüder und Freunde die Sache alleine machen zu lassen? Sind wir dafür Soldat, und zwar mit Freuden Soldat gewesen, um jetzt zu Hause sitzen zu müssen? Man schämt sich ja als gesunder, junger Mann jetzt noch im Zivilanzug über die Straße zu gehen und Bemerkungen, wie „den konnten sie auch nicht gebrauchen“ und ähnliche anhören zu müssen. Jetzt, wo es gilt, sollen wir daheim bleiben? Pfui die Schande! Da hätte man doch besser die alten Landwehrmänner und Landstürmer, die große Familien haben, zu Hause lassen sollen, statt uns junge Reservisten zu übersehen. Oder sind wir unbrauchbar, trotzdem wir den militärischen Drill und Schliff noch im Leibe haben? Die Königliche Eisenbahnverwaltung würde sich großen Dank verdienen, wenn sie unserem brennenden Wunsche entgegenkäme, und die Reservisten freigäbe. Ersatz würde schon zu finden sein. Die Herren Pensionäre würden, soweit sie es noch können, es sich zur Ehre anrechnen, wenn sie auf diese Weise, wenn auch nur vorübergehend, dem Vaterlande helfen könnten. Auch für diejenigen Arbeiter, die durch den Krieg keine Beschäftigung finden können, würde dann gesorgt sein. Hoffentlich tragen diese Zeilen dazu bei, daß auch wir bald wieder fröhlich singen können: Auf, auf zum Kampf, zum Kampf sind wir geboren ....“ (...)

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)