Sonntag, 25. Oktober 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Oktober 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Oktober 1914Gefangene und Vermisste. Zu der am Freitag abend im Kaiserhof (Poppelsdorfer Allee) angeregten Aussprache der Angehörigen von Gefangenen und Vermissten hatte sich eine große Zahl Damen und Herren aus Bonn und Umgebung eingefunden. Herr Zinneke wies darauf hin, daß bei der ungeheuren Kopfstärke unseres Heeres und der gewaltigen Ausdehnung der Schlachtfronten die Gefangennahme einer – glücklicherweise nur geringen – Anzahl deutscher Krieger nicht verwundern dürfe. Wenn es auch andererseits bedauerlich wäre, daß diese Streiter nicht mehr mittun dürften, und sie zum Teil neben den körperlichen Leiden auch die seelischen zu ertragen hätten, sowie eine liebevolle Pflege von deutscher Frauenhand entbehren müssten, so dürfe es uns andererseits doch ein Trost sein, daß sie zweifellos alle ehrenvoll – teils in Folge der Wunden wehrlos – in Gefangenschaft geraten sind. (...) Die Aussprache solle vor allem dazu dienen, diejenigen Namen von Gefangenen bekannt zu geben, die von den mit bereits im Briefverkehr stehenden Söhnen uns mitgeteilt worden sind. (...) Bei der weiteren Aussprache wurden die Namen der bereits bekannt gewordenen Gefangenen und sonstige Mitteilungen über Behandlung usw. ausgetauscht; letztere lauteten übereinstimmig günstig, ferner wurden Notizen über die Vermissten gesammelt. (...) Es wurde noch mitgeteilt, daß der internationale Mädchenbund gleiche Bestrebungen über Auffindungen von Gefangenen in sein Programm aufgenommen hat. Eine zweite Aussprache soll am Montag, d. 2. November, stattfinden.

Strafkammer. Wegen Einbruchsdiebstahls war angeklagt der Sattler Horatzeck. Er erhielt ein Jahr und Monate Gefängnis. Wegen verbotenen Waffentragens – man fand bei seiner Festnahme einen Revolver bei ihm - war er vom Kriegsgericht zu 3 Mon. Gefängnis bestraft worden. (...) Wegen Majestätsbeleidigung wurde ein Zimmermann Sistig aus Euskirchen zu zwei Monaten und zwei Wochen Gefängnis verurteilt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Oktober 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Oktober 1914Unsere Angehörigen in Frankreich. In Zuschriften an Tageszeitungen haben Eltern ihrer Sorge um ihre Kinder, die in französischen Familien zur Erlernung der Sprache untergebracht waren und infolge des Ausbruchs des Krieges noch nicht zurückgekehrt sind, Ausdruck gegeben. Das Berliner Austausch-Komitee trat sofort mit den zuständigen Stellen wegen des Rückaustausches von zehn Berliner Kindern in Verbindung.
   Der Direktor vom Düsseldorfer Prinz-Georg-Gymnasium, dem das Auswärtige Amt die Vermittlungen übertragen hat, teilt jetzt folgendes mit. Trotz aller Bemühungen steht die erwartete Antwort der französischen Regierung noch aus.
   Deshalb sieht sich das Auswärtige Amt zu dem Hinweise veranlasst, daß von nun an alle Zivilpersonen, mit Ausnahme der 17 – 60jährigen Männer aus Frankreich und alle Franzosen aus Deutschland zurückkehren können, so daß besondere Maßnahmen in der Regel unnötig sind.
   Es ist deshalb anzuraten, daß Eltern, die durch Vermittlung des Internationalen Friedensbureaus in Bern (Schweiz) mit ihren Kinder in Verbindung zu treten suchen, lateinisch schreiben und die Briefe offen senden, mit Auslandsporto! (...)

Die Verwundeten aus dem Mutterhaus vom Roten Kreuz, Coblenzerstraße 107, sprechen den Damen des Vorstandes vom Vaterländischen Frauenverein (Landkreis Bonn) für den schönen Ausflug nach dem Drachenfels am 22. Oktober und die liebevolle Bewirtung durch Kaffee, Süßigkeiten und die schönen Geschenke hiermit herzlichen Dank aus.

Der Bonner Fußball-Verein, welcher bis heute dem Roten Kreuz und der Kriegshilfe den Betrag von 100 Mk. überreichen konnte, veranstaltet heute Sonntag wiederum ein Wettspiel zugunsten der Kriegshilfe und zwar gegen „Germania“, Godesberg. Der Bonner Verein hat sämtliche noch hier anwesenden guten Spieler aufgestellt. Militär hat freien Eintritt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 25. Oktober 1914Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 25. Oktober 1914Zur Feier des Geburtstages Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin unternahmen die Vorstandsdamen des Vaterländischen Frauenvereins des Landkreises Bonn mit der Frau Oberin von Stramberg und 26 Verwundeten des Vereinslazaretts einen wohlgelungenen Ausflug nach dem Drachenfels. Bei herrlichem Herbstwetter brachten die Siebengebirgs- und Drachenfelsbahnen die Teilnehmer bis hinauf auf die sonnüberflutete Höhe. In zuvorkommender Weise hatten die Betriebsleitungen der beiden Bahnen besondere Wagen kostenlos zur Verfügung gestellt. Auch die Bewirtung und Aufnahme auf dem Drachenfels verdient uneingeschränkte Anerkennung; sie bot ihren seltenen Gästen vier reich besetzte Tafeln. Welch großer Eindruck der Ausblick auf den vielbesungenen alten Vater Rhein mit seinen in goldiger Laubfärbung strahlenden Bergufern machte, war auf den begeisterten Zügen der Verwundeten zu lesen, die zum Teil die Schönheiten des Rheines nur vom Hören-Sagen kannten. Nach kurzer Ansprache der Vorsitzenden Frau Landrat von Nell, in der sie auf die Bedeutung des hohen Tages hinwies, tat man sich gütlich an Kaffee und Kuchen. Alsdann folgte eine Verlosung zweckmäßiger Gebrauchsgegenstände für die 26 Verwundeten, die viel Freude hervorrief. Den Abschluß bildeten vaterländische Lieder, unter deren Weisen die frohe Heimfahrt erfolgte. (...)

Ein neuer deutsche Gruß wird anstatt des französischen Adieu in Berlin, der Stadt der Abkürzungen, viel gebraucht, und er ist schon in viele andere Städte übergesprungen. Er lautet: Hided! Das nach den Vorbildern von Ila, Hapag, Bugra usw. gebildete Wort soll bedeuten: Hauptsache ist, die Engländer dreschen!

Einen fröhlichen Gruß aus dem Felde sandte ein Mitglied des Bonner Münsterchores an einen Bonner Herrn. Er lautet
T., den 6. X. 14. Lieber Herr W..! Sämtliche Rauchgaben des Münsterchors richtig angelangt. Herzlichen Dank. Wir liegen augenblicklich wieder seit acht Tagen im Schützengraben und schicken dann und wann dem Franzmann vis a vis einen Bohnengruß. Da wir ihm nicht den Gefallen tun und angreifen - aus wichtigen Gründen – muß ihm die Sache langweilig und verdächtig geworden sein. Heute morgen war die Bande auf der ganzen Linie auf und davon (in die gestellte Falle). Die nächsten Tage werden die Ausreißer lange Gesichter machen. Das sind dann für uns mal wieder Kriegsfreuden. Dem Gesindel geschieht recht. Zu Lichtmeß hoffen wir ohne Kündigung entlassen zu werden. – Bis dahin wird sich wohl dort alles gesund halten. Uns geht es feldmäßig ebenso. Herzliche Grüße und nochmals vielen Dank. Ihr I.P.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)