Freitag, 11. September 1914

An der Marne hatte am Vortag der allgemeine Rückzug der deutschen Truppen eingesetzt. Der GA meldet weiter deutsche Erfolge vom westlichen Kriegsschauplatz.

 

Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 11. September 1914Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 11. September 1914Auf dem Feld der Ehre sind fürs Vaterland gestorben: der Gerichtsassessor Hans Merkel, Reserve-Leutnant, Mitglied der hiesigen Burschenschaft Franconia – der Oberlehrer Dr. Franz Biederlack, Leutnant der Reserve – Referendar Georg Frank, einj. Unteroffizier.

Zigarren und Tabak. Von einem Herrn beim Oberkommando des deutschen Kronprinzen erhält die Köln. Ztg. folgendes Telegramm: „Bitte sofort Wohltätigkeitsaktion einleiten; unsere heldenmütigen Truppen lechzen nach absolut fehlenden Zigarren und Tabak.“ (...)

 Tornister Wörterbücher. Für unsere ins Feindesland einrückenden Soldaten sind vom Mentor-Verlag G.m.b.H., Berlin Schönefeld, unter Mitarbeit von Offizieren des Großen Generalstabes und auf Anregung des KriegsministeriumsTornisterwörterbücher herausgegeben worden. Es sind praktische, für den Feldzugsdienst bearbeitete Bändchen, die in französischer, russischer, polnischer und englischer Ausgabe erschienen sind und dem Soldaten beim Aufenthalt im fremden Lande von großem Nutzen sein können. (...)

Der Dank der Brücken Kompanie. Die zweite Kompanie des Ersatzbatallions Nr. 160, die in diesen Wochen die Wache an der Rheinbrücke gestellt hat, sagt den Bonnerund BeuelerBürgern Lebewohl und zugleich den herzlichsten Dank für all die Liebesgaben (Obst, Zigarren und Zigaretten), die die Bonner und Beueler Bürger den Wachhabenden in so reichlichem Maße verabreicht haben. (...)

Das Bonner Stadttheater beginnt seine Darstellungen am Freitag, d. 2. Oktober. (...) Folgende Stücke sind in Aussicht genommen: „Prinz von Homburg“, „Die Hermannschlacht“, „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist; „Die Nibelungen“ und „Judith“ von Hebbel; „Minna von Barnhelm“ von Lessing; „Götz von Berlichingen“, „Iphigenie“, „Faust“, „Die Mitschuldigen“ von Goethe; „Das Leben ein Traum“, „Der Richter von Zalamea“ von Calderon de la Barca; „Wilhelm Tell“, „Die Braut von Messina“, „Wallenstein-Trilogie“, „Demetrius“, „Don Carlos“ von Schiller; „Weh dem, der lügt“ von Franz Grillparzer; „Torgauer Heide“, „Der Erbförster“ von Otto Ludwig; „Florian Geyer“, „Elga“ von Gerhard Hauptmann; „Colberg“ von Paul Heyse; „Generaloberst“, „Der neue Herr“, „Die Quitzows“, „Der Menonit“, „Das Testament des Großen Kurfürsten“ von Ernst von Wildenbruch; „Die Annaliese“, „Wie die Alten sungen“ von Max Hirsch; „Zopf und Schwert“ von Karl Gutzkow; „Drei Siege“ von Leopold Adler; „Vorwärts“, „Der große Krieg“ von Josef von Lauff; „Vaterland“, von Heinrich Bötticher; „Das Eiserne Kreuz“, „Die gnädige Frau von Paretz“ von Ernst Wichert; „Das Volk steht auf“ von E. Hagen und W. Frey; „Claus von Bismarck“ von Walter Flex; „Graf Pepi“ von R. Sandeck und A. Halm; „Der eiserne Heiland“ von Axel Delmar; „Des Königs Befehl“ von A. Töpfer; „Fröschweiler“ von H. Wentzel und F. Runkel; „Wörth“ von Georg von Ompteda.

 Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 11. September 1914Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 11. September 1914Städtisches Gymnasium und Realgymnasium. Vor Beginn des Unterrichts im Winterhalbjahr versammelten sich Lehrer und Schüler gestern morgen in de Aula des Gymnasiums, wo Herr Direktor Riepmann in einer Ansprache auf die bedeutungsvollen Ereignisse einging, die seit der Entlassung der Schüler vor 5 Wochen eingetreten sind, und unter denen nunmehr die Schüler wieder ihre Arbeit beginnen. Die großen Taten unserer Heere, der Aufschwung und die Einmütigkeit unseres nationalen Gefühls enthalten für die Zurückbleibenden, vor allen für die junge Welt, den stärksten Appell zu treuer Arbeit und Pflichterfüllung an der Stelle, wo sie stehen. Die Oberprimen sind gänzlich aufgelöst, die übrigen Oberklassen haben sich gelichtet. 71 Schüler, dazu 20 Lehrer sind unter die Fahnen getreten und teils schon in Feindesland, teils in der Ausbildung begriffen. Herr Direktor hat einige der Übungsplätze besucht und die ins Heer eingetretenen Schüler bei ihrer neuen Tätigkeit gesehen, überall habe er gleichen Feuereifer und gleiche Begeisterung gefunden, und mit fröhlichem Jugendmut und ungeduldiger Kampfeslust warten die jungen Kameraden auf ihren Auszug zur Front. (...)

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

 

1914 09 11b drz1914 09 11b drzRückgabe einer englischen Ordensauszeichnung. Wie wir erfahren, stellte der ordentliche Professor in der hiesigen juristischen Fakultät, Herr Geheimer Justizrat Dr. Philipp Zorn, den ihm verliehenen englischen Orden, das Ehrenritterkreuz des Order of the Hospital of St. John of Jerusalem, dem Kurator der Universität mit dem Antrage zur Verfügung, denselben dem Herrn Kultusminister in Berlin zur Weitergabe an die englische Regierung bezw. deren Vertreter in Berlin zu übermitteln. - Das Beispiel verdient Nachahmung.

Liebesgaben an unsere Soldaten. Der Aufruf um Liebesgaben an unsere im Feld stehenden Soldaten und an diejenigen Krieger, die im Felde verwundet wurden, hat natürlich auch hier in Bonn seine Wirkung nicht verfehlt. Und doch scheint es auch Leute zu geben, die der Ansicht sind, daß man bei dieser Gelegenheit seinen Schund los werden kann. So wurde uns gestern abend von einem Landwehrmann eine größere Pappschachtel vorgezeigt, die etwa 50 Zigarrenspitzen in Holz, Ton oder Meerschaum enthielten, die sämtlich schon benutzt waren und zwar ihrem Aussehen nach Monate, ja Jahre lang. Sogar benutzte Papierzigarrenspitzen waren darunter.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Die Bonner Museen. Im Septemberheft des „Kunstwart“ lese ich unter anderem folgendes: „Das Kulturleben wachhalten. Viele Museen sind schon geschlossen. Auch große, größte. Möglich, daß es zunächst bei vielen auch gar nicht anders geht. Aber wir haben bei zu wenigen die ausdrückliche Versicherung gehört, daß sie so bald wie möglich wieder aufgemacht werden. Das müssen sie, denn das Kulturleben muß im Gange bleiben. Fehlt es an Wärtern, so lassen sich doch wohl anderswo Stellenlose finden, vielleicht sogar junge Kunst-Studenten oder Künstler und dergleichen, die einspringen. Für wenige Stunden vielleicht nur, aber eben doch für einige usw.“ – Auch unser Provinzialmuseum hier in Bonn ist geschlossen. Ganz entschieden wäre zu wünschen, daß ebenfalls dieses wieder geöffnet würde, wenn auch nur Sonntags, zumal da die Wärterfragen gar nicht in Betracht komme, weil nur ältere Leute dieses Amt besorgen; auch diesen wäre wohl hiermit gedient. Dasselbe gilt auch für das Akademische Kunstmuseum. B.D.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 11. September 1914Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 11. September 1914Arbeitslose. Daß der Krieg trotz aller Bemühungen unserer Arbeitsnachweise, aller Aufrufe von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen, aller Fürsorgetätigkeit für Arbeitsvermittlung vielen die Gelegenheit genommen hat, ihrer Beschäftigung in gewohnter Weise nachzugehen, davon gibt eine Zusammenstellung Zeugnis, die vom rheinischen Arbeitsnachweisverband veröffentlicht worden ist. (...) Am 24. August gab es nicht unterbringbare Arbeitssuchende (die sich bei den Arbeitsnachweisen gemeldet hatten): (...) in Bonn 162 m., (...) Aachen 1209 m., Köln kaufm. Angestellte 2001 m., 653 w. (2654); sonstige Berufe 2049 m, 1000 w. (3049), insgesamt 5703; (...)

Nicht besetzbare offene Stellen standen gegenüber: in Bonn 10, Essen 3, Saarbrücken 7 (...)

 

Heldentod. Als erster hiesiger Burschenschaftler fiel vor dem Feinde der Gerichtsassessor Hans Eduard Merkel, Alter Herr der Bonner Burschenschaft Frankonia.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

 

Aus einer außergewöhnlich schweren Schlacht, die uns viele Verluste kostete, bin ich bis jetzt unversehrt herausgekommen. Ich führe jetzt die 5. Komp. 180. Es ist alles sehr grausig und ich mag Dir nichts über Einzelheiten schreiben. Ich denke viel an Dich und die Kleinen. Die Leute, die in Deutschland im Siegestaumel leben, ahnen nicht das Schreckliche des Krieges. Aber ich bin guten Mutes und gesund, und ich weiß, wofür ich gestorben bin, wenn wir den Sieg behalten und unsere Gaue von diesen Verheerungen verschont bleiben, denen Frankreich anheirnfällt. Ich habe bis jetzt mitgemacht die Gefechte bei Porcheresse, Biièvre, Montgon, Lissy, Luxémont, Vitry. (...)

(August Macke an seine Frau Elisabeth, Feldpostkarte aus Vitry-le-François)

(...) Ich war als Zugführer bis jetzt in den Gefechten bei Porcheresse (Nachtgefecht, in dem unser Bataillon ein Regiment aus einem Dorf hinauswarf), Bièvre (in dem ein französisches Regiment 135 vollständig vernichtet wurde), Montgon, Lissy und jetzt bei Vitry Luxémont. Wir liegen hier scheinbar in der Entscheidungsschlacht. Und schießen mit unserer und der 6. Kompagnie 160. Infantrie﷓Regiment zuerst auf den Gegner (die marokkanischen Regimenter). Wir haben uns furchtbar geschlagen. Unsere Kompanien haben noch die Hälfte der Leute, das Bataillon noch zwei Offiziere. Ich führe die 5. Kompanie 160. Viel Grausiges haben wir erlebt, und ich würde es als ein unerhörtes Glück betrachten, wenn ich aus diesem Krieg zurückkäme. (...)

(August Macke an Bernhard Koehler aus Vitry-le-François)