Mittwoch, 9. September 1914

In seinem apostolischen Schreiben Ubi primum vom 8. September hat der frisch gewählte Papst Benedikt XV. zu einer friedlichen Lösung des Konfliktes aufgerufen – war damit aber kaum auf Resonanz gestoßen.

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 9. September 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 9. September 1914Das Eiserne Kreuz hat sich ein Student unserer Hochschule, Herr stud. Phil. Hermann Frings aus Dülken beim Sturm auf hinter Sedan verschanzte Anhöhe erworben.

Die Verlustlisten, sowie die Auszüge aus derselben, bezüglich derjenigen Toten und Verwundeten, welche dem Stadtkreise Bonn angehören, liegen im Rathause, Zimmer Nr. 33, sowie in den Polizei-Revier-Büros Breitestraße 113, Königstr. 12, Kirschallee 45 und Endenicher Straße 24 zu jedermanns Einsicht offen.

Vaterländische Reden und Vorträge. Montag abend wurde die Reihe der aus Universitätskreisen hervorgegangenen Reden und Vorträge eröffnet. Schon mittags waren keine Eintrittskarten mehr zu haben, und eine halbe Stunde vor Beginn des Vortrages war die Aula des städtischen Gymnasiums bis auf den letzten Platz gefüllt. Zahlreiche Besucher mussten leider abgewiesen werden, weil kein Platz mehr vorhanden war. Man wird bemüht sein, einen größeren Saal für die Vaterländischen Reden und Vorträge zu gewinnen, es wird aber schwer halten, die Eintrittskarten dann noch ganz unentgeltlich abgeben zu können. (...)

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 9. September 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 9. September 1914Schulbeginn der städtischen Volksschulen. Mit morgen, Donnerstag den 10 ds. Mts., wird der Unterricht an den hiesigen Volksschulen unverkürzt aufgenommen. Für die im Felde stehenden Lehrer treten die übrigen Lehrpersonen aushilfsweise ein.
Es findet morgen auch zugleich auf Anordnung des Ministers die Schulentlassung aller Schüler und Schülerinnen des letzten Jahrganges statt, die bis zum April nächsten Jahres 14 Jahre alt werden.
Auch an den höheren Lehranstalten wird der Unterricht morgen wieder aufgenommen.

Militärarbeit für Sattler. In dem Bestreben, während der jetzigen Kriegszeit Arbeit für den selbständigen Handwerker zu beschaffen, hat sich die Handwerkskammer Köln mit Erfolg um Militärarbeit für Sattler bemüht.
Sattlermeister wollen umgehend an die Handwerkskammer zu Köln berichten, ob sie Arbeit wünschen und wieviel Hilfskräfte sie evtl. noch zur Verfügung haben. Es handelt sich um Arbeiten, wofür der Zuschnitt geliefert wird, hauptsächlich Geschirrteile und kleinere Aurüstungsstücke.

Der deutsche Verein für ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege (Provinzialabteilung Rheinprovinz) regt an, man möge an den Sonntag Nachmittagen die Dorfbewohner versammeln und ihnen in einfacher Weise berichten über Geschichte, Erdkunde, Völkerkunde der kriegsführenden Staaten, über die Einrichtungen unseres Landheeres und unserer Flotte, über Kriegssanitätswesen, Feldseelsorge, Verpflegungswesen der Truppen usw. An Hand einer Karte wäre dann eine Uebersicht über die Kriegsereignisse der letzten Wochen zu geben, wobei Briefe von Dorfeingesessenen, die im Felde stehen, verlesen werden oder heimgelehrte Krieger ihre Erlebnisse erzählen können. Die Provinzialabteilung sei gerne bereit, ihren Geschäftsführer zu einem ersten orientierenden Vortrag zur Verfügung zu stellen und bittet um Anträge an die Provinzialabteilung in Bonn, Bismarckstraße 4.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 9. September 1914Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 9. September 1914Patriotismus eines Arbeitgebers! Wir sind bei einer Firma in Arbeit und haben vor dem Kriege 4.25 Mk. Tagelohn erhalten. Jetzt zahlt uns die Firma nur 3 Mk. täglich oder nach Abzug des Krankengeldes 16.97 Mk. Davon soll man mit Familie Miete und Steuer bezahlen und auch noch leben. Wie ist das möglich? Mehrere Arbeiter.

Die Schmucksachen unserer Frauen. Eine, die ihren ganzen Schmuck beim Rathaus als Liebesgabe überwiesen hat, wollte damit veranlassen, daß ein Aufruf an die Frauen Bonns erginge, in dieser Art mitzuhelfen. Es scheint, daß man solche Hilfe nicht begehrt, denn es ist bis jetzt nichts in dieser Sache geschehen. Vielleicht bestimmt man eine Sammelstelle, dann werden gewiß viele deutsche Frauen und Mädchen durch Hergabe von Schmuckstücken ihr Scherflein zum Wohle unserer Krieger beitragen. Ein deutsches Mädchen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

 

Ein untauglicher Kriegsfreiwilliger. Der 19jährige Bankbeamte Herberg stahl im Laufe des Monats Juli in Berlin für 37.000 Mark Aktien der Niederlausitzer Kohlenwerke und ließ sie durch eine Bank zu Geld machen. (...) Bei Ausbruch des Krieges stellte sich Herberg in Bonn zum Militärdienst, wurde aber nach einigen Tagen als untauglich entlassen. Man nimmt an, daß er sich in Berlin verborgen hält.

Auf dem Feld der Ehre starb der wissenschaftliche Hilfslehrer Dr. Franz Joseph Fritz Biederlack, Leutnant der Reserve im Inf.-Reg. Nr. 137, 30 Jahre alt, ais Bonn. Biederlack vermählte sich am Abend des 1. August nach erfolgter Mobilmachung mit Frl. Maria Reuter aus Bonn, der Tochter des verstorbenen Gymnasiallehrers Reuter in Bonn.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

 

(...) Seit drei Tagen liegen wir hier in einem Gefecht, das sich von Paris bis Verdun hinzieht. Von frühmorgens bis in die Nacht tobt der Kanonendonner. Es ist alles so grauenhaft, daß ich Dir nichts darüber schreiben mag. Unser aller Gedanke ist Friede. Unser Gespräch heißt: „Wat hätt dä für ene Schoß dä ärme Kähl.“ Der Krieg ist von einer namenlosen Traurigkeit. Man ist weg, eh man's merkt. Wir haben mit unserer Kompagnie so heftig gekämpft, daß wir jetzt zur Reserve der Division liegen. Man sagt, der Kronprinz fällt unserm Gegner in den Rücken. Über all dem Kanonendonner schwebt eine sonnige Wolke, die Liebe zu Euch allen, Ihr Guten. (...)

(August Macke an seine Frau Elisabeth, Feldpostkarte aus Perthes)