Sonntag, 9. September 1917

       

Anzeige im General-Anzeiger vom 9. September 1917Anzeige im General-Anzeiger vom 9. September 1917U-Bootkrieg – Ernährungsfragen, beide bilden heute das Tagesgespräch und nehmen die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit in erster Linie in Anspruch. Jeder wird gern aus berufenem Mund etwas darüber hören. Diesem Verlangen trägt ein Vortrag Rechnung, den Abgeordneter Dr. Schlittenbauer, der stellvertr. Vorsitzender des bayrischen Bauernbundes, am nächsten Sonntag, 16. September, abends 9 Uhr, im großen Saale des Bonner Bürgervereins halten wird. Es darf wohl mit einem besonders zahlreichen Besuch gerechnet werden.

Eine Kuh im Werte von 1800 M. ist gestern nacht aus dem Stalle der Mühle in Lengsdorf gestohlen worden. Das Tier wurde gestern nachmittag im Durchgang von der Stiftskirche zur Stiftsgasse angebunden gefunden und konnte seinem Eigentümer zurückgegeben werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

       

Zur größerer Sorgfalt im Papierverbrauch mahnt der Reichskanzler erneut in folgendem Rundschreiben:
   
In der Presse und in Eingaben aus verschiedenen Kreisen des Publikums ist wiederholt auf die Papierverschwendung hingewiesen worden, die von den vielen, auch amtlich unterstützten Wohltätigkeitsanstalten und ähnlichen Unternehmungen betrieben wird. Insbesondere wird nicht mit Unrecht darauf hingewiesen, daß derartige Unternehmungen teures Papier in vielfach verschwenderischer Ausstattung für den Massenversand benutzen.
    Ein solcher Massenverbrauch von Papier läßt jede Rücksichtnahme auf den Ernst der Lage auf dem Papiermarkt vermissen. Indem ich auf meine Rundschreiben über Sparsamkeit im Papierverbrauch Bezug nehme, beehre ich mich, die Aufmerksamkeit auf den Papierverbrauch der Wohltätigkeitseinrichtungen zu lenken und nochmals zu bitten, mit allen Mitteln der Verschwendung im Verbrauch von Papier aller Art, bei Inseraten, Plakaten, Herausgabe von Büchern, Broschüren und Druckschriften aller Art entgegenzutreten.

Von den Kriegsküchen. In der Zubereitung des Gerichts „Himmel und Erde“ stehen wohl die Küchen Sandkaule und Kessenich auf gleicher Stufe. Zu „benörgeln“ ist aber an ersterer, daß die Portionen, wenn es etwas „Gutes“ gibt, sehr knapp bemessen werden. Im übrigen ist es aber auch dort so gut, daß man den Damen das „rote Röckchen“, wovon die Eßlustigen ständig reden, gerne zusprechen wird. Im allgemeinen stimmen wir einem Sprechsaal-Artikel von dieser Woche lebhaft zu, nämlich, daß das Essen an Sonntagen mit größerer „Sorgfalt“ und „Liebe“ zubereitet werden möge.

Die diesjährige Kartoffelernte zeigt stellenweise Ergebnisse, wie man sie in den besten Jahren bisher kaum zu verzeichnen hatte. So hat ein Landmann in Hersel von einer neuen, aus der Eifel eingeführten Frühkartoffelsorte einen ganz unglaublich reichen Ertrag, von denen einzelne Knolle weit über ein Pfund wiegen. Er hatte zwölf dieser Riesenkartoffeln geerntet, die insgesamt ein Gewicht von über fünfzehn Pfund aufwiesen. Diese Eifeler sind rot mit weißem Fleisch, dabei gut von Geschmack, sehr mehlreich und zeigen fast keine Augen. Bisher wurden faule Knollen darunter nicht gefunden. Der Name dieser fruchtbaren Kartoffelsorte ist dem Züchter leider nicht bekannt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

       

Ehre und Vaterlandsliebe gebieten Ablieferung des Goldschmuckes an die Verkaufsstelle, die den vollen Wert bezahlt.

Fett im Wegerichsamen. Die Herren Apotheker D’Avis und Hennig haben auf Veranlassung des Herrn Prof. Füchtjohann die schwarzen Samenkörnchen des breiten Wegerichs (Plantago major) auf Fett untersucht. Sie haben dabei eine reichliche Menge eines wohlschmeckenden Fettes feststellen können. Beim Sammeln der in großen Mengen an allen Feld- und Wegrändern vorkommenden Samenähren nehme man nur reife. Man erkennt die Reife an der schmutzig-violetten Färbung der Kapseln. Bekanntlich fressen die Kanarienvögel den Samen des Wegerichs sehr gern.

Ein Pferd stürzte heute morgen in der oberen Sternstraße so unglücklich, daß es aus eigener Kraft nicht mehr hoch kam und durch die herbeigerufene Feuerwehr mittels Seilgerüst hochgehoben werden mußte.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)