Freitag, 25. August 1916

    

Rohtabak. Der Reichskanzler hat zu der Bekanntmachung vom 7. August noch unterm 18. August bestimmt: Die Rohtabak-Ausfuhr-Prüfungsstelle wird ermächtigt, Ausnahmen von den Vorschriften in §1 der Verordnung auch in den Fällen zuzulassen, in denen nachweislich Kaufverträge über Rohtabak vor dem 8. August abgeschlossen, aber noch nicht erfüllt sind. Die Rohtabak-Ausfuhr-Prüfungsstelle wird weiter ermächtigt, die Lieferung von Rohtabak an Kleinmengenverkäufer zuzulassen, wenn diese sie nachweislich zur Versorgung der Kleinmengenkäufer benötigen. Der Verkehr mit Ansichtsmustern und Arbeitsmustern bis zu 2 Kilogr. von jeder Sorte beleibt frei.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. August 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 25. August 1916Selbstmord. Auf einem hiesigen landwirtschaftlichen Gute machte der Vorarbeiter einer Arbeiterkolonie aus Russisch-Polen seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Ueber die Beweggründe zu dieser Tat fehlt jeder Anhalt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

5¼ Millionen Bücher und Schriften wurden von der Zentrale des Borromäusvereins in Bonn am Rhein in den verflossenen zwei Kriegsjahren unentgeltlich als Lesestoff für die Mannschaften an der Front, in den Lazaretten, Soldatenheimen, S. M. Schiffen, Gefangenenlagern usw. versandt. Wichtig zur gerechten Beurteilung dieser auf kath. Seite einzig dastehenden Leistung ist der Hinweis, daß sich darunter nahezu 1 Million Bücher befinden, und daß von der Gesamtzahl der versandten Schriften 83 Proz. von den Verlegern käuflich erworben werden mußten. Durch die Zahl der versandten Bücher stellt sich der Borromäusverein aber auch in die allererste Reihe sämtlicher, also auch nicht katholischer Sammelstellen für Soldatenlektüre in ganz Deutschland. Diese achtungsgebietende Leistung wurde in der Hauptsache dadurch erreicht, daß sich der Verein in den zwei Kriegsjahren für die Beschaffung von Soldatenlektüre als unerlässlicher Ergänzung der Feldseelsorge fast bis zum Weißbluten aufopferte; er hat z. B., von allem anderen abgesehen, die gesamte Bibliotheksgabenquote – wie alljährlich eine Summe von über 200.000 Mk. – der Sammelstelle für Soldatenlektüre zur Verfügung gestellt, sodaß von Zeit zu Zeit wahre Massensendungen mit Zehntausenden von Büchern nach allen Teilen der Front möglich waren. Ein redlicher Anteil daran gebührt auch dem kath. Volksteil, namentlich aber den deutschen Bischöfen, die das Unternehmen durch ihre tatkräftige Mitwirkung förderten.
  
Eine wichtige Aufgabe ist also in den zwei Jahren schon erfüllt worden, aber es ist kein Zweifel, daß noch mehr zu tun bleibt. In der letzten Zeit kamen hauptsächlich aus der Front Klagen über Klagen wegen des unglaublichen Ueberhandnehmens von Schund- und Schmutzschriften. Dieser Gefahr zu steuern, liegt in Interesse des ganzen kath. Volksteils. Was der Soldat im Feld liest, kann weder Vater noch Mutter, weder Bruder noch Schwester, weder der Frau noch der Braut gleichgültig sein. Und gerade der Borromäusverein, der bis jetzt den Löwenanteil an der Versorgung der kath. Mannschaften mit gutem Lesestoff getragen, bedarf aus diesem Grunde der allseitigen, dauerhaften Unterstützung mehr wie jede andere Organisation, weil von ihm zunächst Bücher angefordert werden, die große finanzielle Opfer fordern. Ihn zu unterstützen und zu fördern bleibt nach wie vor eine dringende Aufgabe der deutschen Katholiken. (Zentralstelle des Borromäusvereins, Bonn a. Rh., Postscheckamt Köln Nr. 15205).

„Hindenburg“ auf dem Rhein. Genau an dem Tage, an dem vor zwei Jahren Generalfeldmarschall v. Hindenburg den Oberbefehl an der Ostfront übernahm, hat die Preuß. Rhein. Dampfschiffahrtsgesellschaft in Köln einen neuen Dampfer dem Verkehr übergeben, der den Namen des gefeierten Volkshelden trägt. Die Dampfer hat die gleichen Abmessungen und Einrichtungen, die sich auf dem Doppeldeckdampfer „Kronprinzessin Cecilie“ in jeder Hinsicht bewährt haben. [...] Der Dampfer „Hindenburg“ soll nur für den Personenverkehr verwandt werden und dementsprechend ist volle Rücksicht auf Unterbringung und Bequemlichkeit der Fahrgäste genommen worden. Das große Promenadendeck und das darunter liegende Zwischendeck bieten Raum für etwa 2000 Personen. Unter dem Zwischendeck ist ein Salon angeordnet. Den künstlerischen Entwurf und die Ausführung dieses Raumes lieferte die Firma Heinr. Pallenberg in Köln, der auch der Bau und die Einrichtung des luftigen Rauchsalons übertragen wurde. Die Probefahrt, bei der auch des 70. Geburtstages des verdienstvollen Vorstandsmitgliedes der Gesellschaft, Direktor Schaufuß, gedacht wurde, nahm einen in allen Teilen befriedigenden Verlauf. Unsere Rheinflotte hat damit einen Zuwachs erhalten, der sicherlich die volle Anerkennung aller Kreise finden und sich allseitiger Beleibtheit erfreuen wird. An den großen Paten des Schiffes wurde ein Begrüßungstelegramm abgesandt. Gestern nachmittag um 2½ Uhr legte der Dampfer zum ersten Male in Bonn an und nahm eine stattliche Anzahl von Fahrgästen mit. Von der Rheininsel Grafenwerth aus wurde eine photographischen Aufnahme des Dampfers bewirkt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)