Samstag, 1. April 1916

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 1. April 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 1. April 1916Auf der Bismarcksäule wird heute abend zum Geburtstage Bismarcks das übliche Festfeuer angezündet werden.

Backverbot für Kuchen, Röggelchen und Zwieback. Die Mehl- und Brotversorgung sowie die Backwarenbereitung im Stadtkreise Bonn werden durch zwei in dieser Zeitung veröffentlichte Verordnungen des Oberbürgermeisters neu geregelt. Es dürfen nur noch Schwarzbrot, Feinbrot und Grahambrot gebacken werden, ausdrücklich verboten ist das Backen von Röggelchen (Weißbrot), Graubrot, Zwieback, Kuchen, Spekulatius, Waffeln, Printen und Honigkuchen. Den Bäckereien ist auch das Verkaufen von Kuchen verboten. Die Konditoren bedürfen zum Kuchenbacken der schriftlichen Erlaubnis des Oberbürgermeisters. Die neuen Verordnungen treten am 5. April in Kraft.

Höchstpreise für Blei. Eine unerwartete und unbegründete Preissteigerung für Blei hat dazu geführt, daß auch für dieses Metall, sowohl rein als auch in Verbindung und Erzeugungsvorstufen aller Art, Höchstpreise mit Wirkung vom 1. April ab festgesetzt werden. Die wiederholten Verstöße gegen die bisherigen Höchstpreisbestimmungen haben Anlaß gegeben, die für Höchstpreisüberschreitungen angedrohten Strafen besonders nachdrücklich zu betonen. Neben Geldstrafe und Gefängnisstrafe kann auch auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden. Bei einer Zurückhaltung von Vorräten mit der Absicht der Preistreiberei ist die sofortige Enteignung zu gewärtigen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Das Trommelfeuer an der Westfront auf dem Venusberg, in Godesberg usw. hörbar. Gestern wurde uns gemeldet, daß das Trommelfeuer auf dem Venusberg hörbar sei. Aus Godesberg geht uns ferner folgende Notiz zu: Es dürfte wohl interessieren, daß heute, am 31. März, von 4 bis gegen 7½ Uhr, schwerstes Trommelfeuer von der Westfront hier in Godesberg hörbar war. Im dumpfen Dröhnen war doch jeder Schuß deutlich wahrnehmbar – und zählte ich etwa 45 pro Minute. Zeitweilig in zwei Sekunden drei Schläge. Zwischendurch hörte man bedeutend lauter die schweren Mörser-Schläge.
  
Sogar aus Geislar wird uns mitgeteilt, daß auch dort in den letzten Tagen das Donnern der Geschütze an der Westfront in wechselnder Stärke deutlich wahrnehmbar gewesen sei.

Zu dem Bismarck-Gedächtnistag, an dem heute abend der Alldeutsche Verband, der Deutsche Sprachverein, der Bonner M.-G.-V. Concordia, der Bonner Turnverein, der Bürger-Verein Eintracht, der Deutsche Flottenverein, die Deutsche Kolonialgesellschaft, der Verein für Evangelische Freiheit und der Westerwaldklub teilnehmen, haben deren Mitglieder freien Eintritt.

Sparet mit Eiern! Es ist dringend vaterländische Pflicht, während der Kriegszeit auf den Verbrauch von Eiern zum Osterfeste zu verzichten und auch sonst nach Kräften an Eiern zu sparen. Die Eiervorräte sind nicht groß und müssen daher vor allem zur Versorgung der Lazarette, Krankenhäuser und Heeresverwaltung und als Fleischersatz für minder Bemittelte dienen. Diese Maßnahme, deren Beachtung von dem vaterländischen Sinne aller Beteiligten mit Sicherheit erwartet werden darf, sei namentlich auch der ländlichen Bevölkerung, die selbst Hühner hält, ans Herz gelegt.

Ein falsches Gerücht. Ein Verbot des Tragens weißer Stoffe soll angeblich von den Behörden geplant sein, um „Seife zu sparen“. Dieses merkwürdige Gerücht ist in weiten Kreisen verbreitet. Nach Erkundigung, die der „Konfektionär“ an bestunterrichteter Stelle eingezogen hat, handelt es sich um ein völlig haltloses Gerede, das jeder Begründung entbehrt. Wenn die Behörde den Seifenverbrauch einschränken will, hat sie hierfür ganz andere und wirksame Mittel!

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Einen Aufruf zur Papiersammlung erlassen die Vaterländischen Vereinigungen: Auch in den Papierabfällen steckt in heutiger schwerer Kriegszeit ein großer Wert! So ist daher unabweisbare Pflicht jedes Haushalts, ebenso wie die Küchenabfälle auch Papier und Papierabfälle aller Art zu sammeln. Die Vaterländischen Vereinigungen Bonn sind bereit, das gesammelte Papier in den Wohnungen abholen zu lassen und bitten um kurze Nachricht durch Fernsprecher oder Postkarte nach ihrer Sammelstelle in der Rheinisch-Westfälischen Disconto-Gesellschaft, Münsterplatz 1-3.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)