Bericht (wahrscheinlich von Fritz Krantz) aus der Bonner Zeitung vom 3. September 1914:

 

Eine Fahrt mit Liebesgaben an die Front für unser Bonner Regiment

Ein Teilnehmer der Fahrt stellt uns folgenden Bericht zur Verfügung:

   Am Donnerstag, den 24. Sept., fuhren wir mit neun Wagen, vollgepackt mit Liebesgaben, zunächst über P... nach T..., wo wir die Nacht blieben. Am nächsten Morgen ging es weiter nach L... Hier hatten wir einige Schwierigkeiten, um Benzin und Reifen zu bekommen. Erst nach stundenlangem Warten hatten wir das Gewünschte zur Stelle. Infolgedessen kam unsere Kolonne erst am Abend über St... nach V ..., wo Nachtquartier bezogen wurde. Drei Wagen waren infolge Defektes zurückgeblieben.

   V... ist eine Stadt mit 4 bis 5000 Einwohnern, die aber alle den Ort verlassen hatten. Unsere Wagen fanden Aufstellung auf dem Markte neben unzähligen anderen. Die Stadt war voll von Soldaten. Ein Teil von uns wurde freundlicher Weise von Telegraphenunteroffizieren aufgenommen und bewirtet in dem okkupierten Hause eines französischen Notars. Die ganze Einrichtung des Hauses war unversehrt und unsere Truppen hatten es sich darin sehr bequem gemacht. Die Bewirtung war entsprechend der reichlichen Vorräte großartig. Am nächsten Tage ging es dann in südlicher Richtung zu dem vollständig zerstörten S...

   Die Zeichen stattgehabter Kämpfe, die wir schon am ersten Tage bemerkt hatten, mehrten sich, je weiter wir nach Süden kamen. Tote Pferde und Rinder lagen überall umher. Ein großer Aasgestank und der Rauch von den Geschützen und den abgebrannten Häusern erfüllte die Luft. Die Dörfer, durch die wir kamen, waren zum großen Teil erhalten, nur wenige waren teilweise zerstört, teils durch Gefechte, teils infolge des Franktirörwesens. Die Ernte war überall noch nicht eingebracht, stand höchstens in Garben. Unsere Kavallerie war daran, sie zu schneiden und einzubringen. Hier hinter der Front glaubte man kaum, wenn man von dem Kanonendonner absieht, daß man in Nähe einer Schlacht ist. Ueberall herrscht ein fröhliches Lagerleben wie im Manöver. Appell wird abgehalten, Gewehrübungen gemacht, hier und da sieht man die Kavalleristen ihre Pferde pflegen, kurz das Bild eines Manövertages.

   Nicht weit von S.... fanden wir dann die Bagage unseres Regiments. Unter Leitung ds Hrn. Hauptmann v. Stuckardt, der auch die Wagenkolonne geführt hatte, begannen wir dann mit der Austeilung der Liebesgaben an die drei Bataillone des Regiments. Das Regiment selbst lag gerade in Schützengräben im heftigen Kampfe. Durch die Luft sausten die Schrappnells, Kanonendonner hörte man andauernd. Bald gewöhnte man sich jedoch an diese unheimlichen Geräusche und ließ sich nicht mehr dadurch stören. Die persönlichen Pakete für die ... Division hatten wir in S ... abgegeben. – Hier muß gesagt werden, daß eine allzu große Menge von Privatpaketen mitgenommen war, die einer zu große Belastung bildeten. Es ist für die Zukunft sehr fraglich, ob noch solche Privatpakete mitgenommen werden können, jedenfalls nur im beschränkten Maße. – S... selbst ist total zerstört und ausgebrannt. Ein trostloser Aufenthaltsort für unsere Mannschaft. Aber trotz der Entbehrung, unter der unsere Mannschaft in den Schützengräben zu leiden haben, ebenso wie unter der schlechten Witterung der letzen Wochen, sind unsere Soldaten guten Mutes und voll froher Siegeszuversicht. Die Verpflegung kann nur des Nachts vor sich gehen, da es am Tage wegen des Gefechtes unmöglich ist. Nach einbrechender Dunkelheit fahren dann die Küchenwagen an die Schützengräben heran und teilen das Essen an die Kämfpenden aus. Hauptsächlich besteht die Verpflegung aus Fleisch aber häufig ohne Beigabe, wie Kartoffeln. Besonders stark werden die Reizmittel vermißt, die den Aufenthalt in den Schützengräben erträglich machen könnten, wie Tabak, Zigarren usw. Sehr begehrte Artikel sind wollene Unterzeuge. Unsere Leute tragen tage- ja wochenlang ihr Unterzeug, da es an Ersatzstücken fehlt. Deshalb kamen wir ihnen sehr willkommen. Kaum konnten sich unsere Wagen durchdrängen, so umlagert waren sie überall. Jeder wollte etwas von Bonn hören, von seinen Angehörigen, jeder verlangte nach den so lange entbehrten Genußmitteln. Ueberall streckten sich uns die Hände entgegen, um endlich wieder mal eine Pfeife oder eine Zigarre rauchen zu können Nach Nachrichten von den Kriegsschauplätzen verlangen alle. Die tollsten Gerüchte schwirren da umher: Amerika hat an Deutschland den Krieg erklärt und ähnliche. Deshalb werden auch Zeitungen sehr gewünscht. Für unsere Heimfahrt wurden uns Tausende Postkarten mitgegeben. Eine Tasche an meinem Wagen, der als Briefkasten diente, war im Augenblick gefüllt. Geldsendungen wurden uns anvertraut, damit wir sie den Angehörigen zustellen sollten. – An dem Morgen, an dem wir dort angekommen waren, hatte gerade ein Bajonettangriff mit großem Erfolge stattgefunden. – Nachdem alles erledigt war, statteten wir noch der Bagage der ... Division einen Besuch ab, wo uns Rittmeister Goertz voller Begeisterung empfing und uns mit einem vorzüglichen Kaffee bewirtete. – Dann fuhren wir auf V ... zurück. Auf den Wegen, die gut im Stande sind, ein andauerndes Gehen und Kommen von Wagenkolonnen, Soldatentrupps, Gefangenentransporten usw.

   Aus allen Erzählungen hört man, daß die französische Infanterie demoralisiert und erschöpft ist. Die feindliche Artillerie ist aber gut, sie arbeitet nur mit einer großen Munitionsverschwendung. Als wir in V... Quartier bezogen, begann der sogen. „Abendsegen“ der Franzosen, das ist ein halbstundenlanges Schießen der französischen Kanonen, die mit ungeheurer Munitionsverschwendung die ganze Gegend jeden Abend bestreicht, häufig sogar ohne Geschosse, nur zu dem Zwecke, die Leute zu beunruhigen. Daß sich unsere Leute aber nicht ins Bockshorn jagen lassen, zeigt die Benennung dieser Kanonade. Auch erscheinen jeden Abend feindliche Flieger und versuchen Bomben zu werfen. Unsere Truppen warten in heiterster Stimmung schon immer zur bestimmten Zeit auf diese „Abendflieger“. An dem Abend, als wir in V... ankamen, erschien auch ein Flieger am Horizont, kam jedoch nicht näher, da ein deutscher Flieger aufgeflogen war.

   Am nächsten Tage ging es auf demselben Wege über T... nach Bonn zurück. Unterwegs trafen wir auch wieder die drei auf dem Hinwege zurückgebliebenen Wagen, die auch ihre Liebesgaben losgeworden waren. Wie sehr sich unser Regiment über die Spende gefreut hat, besagt die Danksagung des Herrn Hauptmann von Stuckardt. Doch alles, war wir hinbrachten war nur ein Tropfen auf einem heißen Stein. Darum ergeht die dringende Bitte an alle, spendet für unsere tapferen Truppen. Besonders werden gewünscht, Kautabak, Tabak, Zigarren, Zigaretten, Pfeifen, Dörrgemüse, Unterzeuge, Briefpapier, Tintenstifte, Seife, elektrische Taschenlampen mit Batterien, Kerzen, Streichhölzer, Feuerzeuge, Käse. Sehr wertvoll sind unseren Truppen auch Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, besonders die in den Lazaretten Liegenden verlangen sehr darnach. In wenig Tagen soll ein zweiter Transport nach der Front gehen, daher liefert reichlich von obengenannten Gegenständen dem Hilfsausschuß (Diskontobank) ein.

      

Passierschein Krantz:

Passierschein KrantzPassierschein Krantz

Inhaber Herr Dr. Krantz ist mit seinem Auto nach Bonn und zurück nach Stenay passieren zu lassen. Betriebsstoffe und Materialien sind abzugeben.
Etappen Kommandantur Stenay
Pieper
Oberstleutnant & Kommand.

 

Passierschein BachemPassierschein Bachem

Etappen Kommandantur Stenay 27 Septbr 1914
Inhaber Herr Jacob Bachem ist mit seinem Wagen nach Bonn und zurück nach Stenay passieren zu lassen. Betriebsstoffe und Materialien dürfen entnommen werden..

Etappen Kommandantur Stenay
Pieper
Oberstltn
[Ergänzung von anderer Hand:]
Zu dieser Bescheinigung ist Etappe nicht befugt. Ich ersuche um Rücksprache hier.