Mittwoch, 23. Oktober 1918

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Oktober 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Oktober 1918Deutsche Vaterlandspartei. Die Ortsgruppe Bonn und Umgebung der Deutschen Vaterlandspartei hat sich Montag abend in einer sehr zahlreich besuchten Versammlung nach einer Rede des Vorsitzenden, Geheimrats Litzmann, über die gegenwärtige Lage, einstimmig auf folgende Kundgebung geeinigt.
    Die Ortsgruppe Bonn und Umgebung der Deutschen Vaterlandspartei, in vollem Bewusstsein der schweren Verantwortung, die in dieser Stunde auf jedem von uns lastet, fordert ihre Mitglieder und Freunde in Bonn und Umgebung auf, in Wort und Schrift und Tat einmütig einzutreten für die Losung: Ueber alles das Vaterland. Und um kein Mißverständnis über die Bedeutung und Tragweite dieses Wortes aufkommen zu lassen, erklären wir:
   1. Wir sind bereit, mit allen Kräften einzutreten für einen Frieden, der den Besitzstand des Reiches an Land und Werten einschließlich der Kolonien für alle Zukunft wahrt.
   2. Wir stellen uns auf den Boden des kaiserlichen Erlasses vom 30. September 1918 und scharen uns in unverbrüchlicher Treue um das Herrscherhaus, das Preußen und Deutschland geschaffen und das sich stets mit der Tat zu den Wahlspruch Friedrichs des Großen bekannt hat: Der König ist der erste Diener des Staates.
   3. Wir stehen einmütig und bedingungslos hinter jeder Regierung, die uns auf dieser Grundlage einen ehrenvollen Frieden erringt.
Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Oktober 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Oktober 1918   4. Wir vertrauen, daß die Regierung, wenn ein Frieden unter diesen Bedingungen jetzt nicht zu erlangen ist, keinen Augenblick zögern wird, das deutsche Volk zum letzten Kampf aufzurufen; denn wir sind der Ueberzeugung, daß dann Männer und Frauen ohne Unterschied der Partei und des Standes sich zu einer geschlossenen, durch keine Drohung der Gewalt von außen, durch keine Parteiung von innen zu durchbrechende Front zusammenschließen können und werden.
   5. Wir geloben, was wir sind und haben bis zum letzten einzusetzen, daß wir diesen letzten Kampf um Deutschlands Leben und Ehre mit Gottes Hilfe gewinnen.

Die Grippe. Infolge des Auftretens der Grippe sind in letzter Zeit allerlei Vorbeugungsmittel empfohlen worden, so u. a. Calcium chlorat oder das Beimengen von Kalk zum Mehl. Es sei darauf hingewiesen, daß derartige Kuren keinesfalls verallgemeinert werden dürfen. Die Grippe ist lediglich eine Infektionskrankheit, und ob ihre Verbreitung durch die jetzigen Ernährungsverhältnisse begünstigt wird, ist schon aus dem Grund stark zu bezweifeln, weil in anderen Ländern, die vom Krieg überhaupt nicht berührt werden, die Grippe ebenfalls stark auftritt, sogar noch zahlreicher und schwerer als bei uns. Wer eine regelmäßige Vorbeugungskur auf sich nehmen will, der frage zum wenigsten einen Arzt, ob das in Aussicht genommene Vorbeugungsmittel seinem Gesundheitszustande zuträglich ist.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Oktober 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Oktober 1918Der Andrang zum Zwiebelverkauf auf dem Markt ist viel zu groß, weil jeder bestrebt ist, die ihm zustehenden drei Pfund so bald wie möglich zu erhalten. Es sei noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die Stadt mit Zwiebeln sehr reichlich eingedeckt ist und jede Zuteilung befriedigen kann: jeder kann also bis Ende nächster Woche noch seine Zwiebeln auf Warenmarke 6 bekommen. Voraussichtlich wird sogar vor Weihnachten noch eine zweite Kopfmenge ausgegeben werden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Kupferne Wasserleitungshähne. Auf eine Anfrage aus dem Kreise Rheinbach wegen Auswechselung der kupfernen Wasserleitungshähne hat der Herr Staatssekretär des Reichs-Wirtschaftsamts die Mitteilung ergehen lassen, daß die kupfernen Wasserleitungshähne der Beschlagnahme nicht unterliegen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)