Montag, 21. Oktober 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 21. Oktober 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 21. Oktober 1918Infolge plötzlicher Erkrankung der einen oder anderen Austrägerin und wegen Mangels an Aushilfe können wir die sonst selbstverständliche rechtzeitige und regelmäßige Zustellung unserer Zeitung leider nicht immer gewährleisten. Wir bitten unsere Bezieher daher um Nachsicht.
Verlag der Bonner Zeitung.

Notgeld der Rheinprovinz wird, wie wir erfahren, in den nächsten Tagen schon von der Landesbank in Düsseldorf in den Verkehr gebracht werden. Auch die Stadt Bonn wird so schnell wie möglich weiteres Notgeld herstellen lassen, und zwar nicht nur Scheine zu 25 und 50 Pfg., sondern auch zu 5 und 10 Mark. […]

Das Milchhäuschen auf dem Stiftsplatz ist in der Nacht zum Samstag von einem beladenen Kraftwagen angefahren und bös zugerichtet worden. Seine ganze Inneneinrichtung mit Gas- und Wasseranschluß ist zertrümmert, das Häuschen selbst fast zerstört worden. Der Kraftwagen und sein Lenker sind noch unbekannt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Ein unsinniges Verhalten, das für unser Geschäftsleben sehr schädlich ist, zeigt in den jüngsten Tagen ein Teil unserer Bürgerschaft. Ebenso wie zu Beginn des Krieges, wird auch jetzt von gewissen Bürgern eifrig Bargeld gehamstert, und da ein Narr viele macht, so stürmen die gleichen Schichten auch unsere Sparkassen und Banken, um ihr Guthaben abzuheben. Ein solches Vorgehen ist durch die politische und militärische Lage in keiner Weise berechtigt. Unsere Millionenheere stehen, wie aus der Karte zu erkennen ist, noch tief in Frankreich und in Belgien und der Verlauf der letzten Kämpfe läßt ersehen, daß da, wo das Gelände für uns von Bedeutung ist, sich unser Widerstand sogar verstärkt. Man nehme sich ein Beispiel an dem französischen Volke, das seit über vier Kriegsjahren die deutschen Heere auf seinem Boden hat und trotzdem seiner Regierung und dem wirtschaftlichen Verkehr nicht derartige unnütze Schwierigkeiten bereitete wie unsere deutschen neurasthenischen Gemüter. Wir sind überzeugt, daß im Falle einer tatsächlichen Gefahr für die Guthaben unserer Bürger die Banken selbst ihre Einleger und Kunden darauf aufmerksam machen würden, um den dann notwendig werdenden Geschäftsgang der Rückzahlungen in aller Ruhe im Stile der Hindenburgischen Nervenbetätigung abzuwickeln.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)