Samstag,12. Oktober 1918

   

Die Städtische Sparkasse Bonn zeichnete auf die neunte Kriegsanleihe zehn Millionen Mark. Die Gesamtzeichnungen auf alle Kriegsanleihen betragen hiernach 60 Millionen Mark.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 12. Oktober 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 12. Oktober 1918Handwerkslehrlinge im letzten Lehrjahre, die wegen Einziehung zum Kriegsdienst die Lehre vorzeitig abbrechen müssen, sollten sich rechtzeitig vorher zur Gesellenprüfung melden, da ihre Zulassung in der Regel erfolgen kann und sie sich durch die Gesellenprüfung für später einen nicht zu unterschätzenden Vorteil sichern. Die Lehrherren haben die moralische Pflicht, ihre Lehrlinge zu beraten und sie im gegebenen Falle zur vorzeitigen Prüfung anzuhalten.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Einschränkungen im Bahnverkehr. Auch im kommenden Winter wird sich bei der Eisenbahnverwaltung der Kohlenmangel bemerkbar machen. Deshalb werden erforderlichenfalls die Speisewagen aus solchen Zügen fortfallen, die während der Tagesstunden verkehren, in denen die Einnahme einer Hauptmahlzeit nicht unbedingt erforderlich ist. Während des Sommers sind Züge wieder eingeführt worden, die im vorigen Winter ausgefallen waren. Ein Teil dieser Züge, hauptsächlich Personenzüge, die vorher nur an Wochentagen verkehrten, im Sommer aber auch an Sonntagen gefahren wurden, soll, wenn die Betriebslage es erfordert, wieder an Sonntagen fortfallen. Der Schnellzugverkehr soll erst in letzter Linie Einschränkungen erfahren.

Anzeige im General-Anzeiger vom 12. Oktober 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 12. Oktober 1918Gegen den Preiswucher mit Schuhwerk. Um dem Preiswucher mit Lederschuhwerk entgegenzutreten, veröffentlicht die Reichsstelle für Schuhversorgung die Preise, an die sich die Verkäufer halten müssen. Diese betragne bis auf weiteres für fabrikmäßig hergestellte Schuhwaren mit dem Stempel „September 1918“ oder dem eines späteren Monats bei bester Ausführung, auf Rahmen genäht, für Herrenstiefel höchstens 48 Mark, für Damenstiefel höchstens 44 Mark und für Damenhalbschuhe 38 Mark. Für mittlere und geringere Fabrikate sind die Preise erheblich geringer, [...] Die Preise müssen den Schuhwaren auf der Sohle oder im Schaftfutter aufgestempelt sein. Fehlt dieser Stempel, so ist er unrechtmäßig entfernt, zeigt er einen höheren Preis als nach den obengemachten Angaben möglich erscheint, so ist der Stempel gefälscht. Wer Stempel unkenntlich macht oder fälscht, oder Schuhe zu einem höheren als dem festgesetzten Preise verkauft oder anbietet, wird mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 10.000 Mark, ferner mit Einziehung der Ware bestraft. Außerdem ist die Schließung des Geschäfts zu gewärtigen. – Bleibt nur die Doktorfrage, wo überhaupt noch im offenen reellen Handel Lederschuhwerk erhältlich ist.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

   

Weg mit dem Kleinmut!
Gewaltiges Ringen tobt im Westen. Fast an der ganzen Front vom Meer bis zu den Vogesen wird mit beispielsloser Erbitterung gekämpft. Franzosen, Engländer, Amerikaner, farbige Hilfsvölker stürmen gegen unsere Linien an. Der Generalissimus der Alliierten will die Entscheidung erzwingen. Er wirft alle Kräfte, über die er verfügt, ins Feuer. Mit einem ungeheuren Aufwand an Kriegsgerät und Material aller Art läßt er seine Armeen anrennen. Es liegt in der Natur der Sache, daß solch machtvolle Angriffe in starrer Verteidigung nicht abgewehrt werden können. Aber die deutschen Streiter harren aus, so hart und furchtbar die Aufgabe auch sein mag, deren Bewältigung von ihnen gefordert wird. Unsere Gedanken, unser Wünschen und Hoffen ist unablässig bei ihnen. Und das muß so sein und bleiben! Wir dürfen die Kämpfenden nicht ohne die starke Rückendeckung des Vertrauens lassen, das wir ihnen entgegenbringen. Wohin sollte es führen, was wäre gewonnen, wenn wir dem Kleinmut hingäben und verzagten? Gerade jetzt muß sich unsere Zuversicht bewähren. In den hellen Tagen der Siege ist es leicht, auszuharren und auszudauern. Schweres, Hartes wird von Heer und Heimat verlangt. Aber wer auf dem Boden der Wirklichkeit geblieben ist, den kann es nicht überraschen, daß der gewaltige Generalangriff der Alliierten fast auf allen Fronten zur Auslösung gekommen ist. Jetzt heißt es, auf die Zähne beißen. In dem heißesten Feuer muß sich die dem Vaterland gelobte Treue bewähren. Bedenkt jeder, was auf dem Spiele steht, hält sich jeder vor Augen, daß die Freiheit und Bestand der Heimat, daß die Zukunft der kommenden Geschlechter gesichert oder untergeht und gefährdet sein werden, je nach dem wir bestehen oder unterliegen; so kann es niemand schwer fallen, treu und nach besten Kräften die Pflicht zu tun, des Kleinmuts Meister zu werden.

(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)