Freitag, 23. August 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. August 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 23. August 1918Feindliche Flieger griffen in der Nacht zum gestrigen Donnerstag Köln an und überflogen bei dieser Gelegenheit auch die Stadt Bonn. Es wurde um 12¾ Uhr durch Sirenengeheul und Raketen alarmiert. Gleich darauf wurde in der Umgebung kräftig aus den Abwehrgeschützen gefeuert. Man hörte den Geschützdonner und sah hoch in der Luft das Aufblitzen der platzenden Geschosse. Trotzdem kamen feindliche Flieger auch über Bonn; denn das Geräusch ihrer Motoren, das von dem der deutschen Flugzeuge merklich abweicht, war zu hören. Auch Maschinengewehrfeuer war kurze Zeit zu vernehmen, ein Luftgefecht, auf das man daraus schließen könnte, hat es jedoch über Bonn und seiner Umgebung nicht gegeben, die Schüsse müssen von einem feindlichen Flugzeug abgegeben worden sein. Bomben sind auf Bonn und seine Umgebung nicht abgeworfen worden. Man hat im Laufe des Tages einige Blindgänger gefunden, sie rühren aber von unseren Abwehrgeschützen her, nicht von feindlichen Fliegern. 20 Minuten vor 2 Uhr war der Fliegeralarm beendet.
   Ueber den Angriff auf Köln liegt folgende amtliche Meldung vor:
   Köln, 22. Aug. Amtlich. Diese Nacht, kurz nach 1 Uhr, wurde Köln von mehreren feindlichen Fliegern angegriffen. Die Abwehr trat rechtzeitig in Tätigkeit. Es wurden etwa 10 Bomben abgeworfen; leider sind fünf Tote und zwei Schwerverletzte zu beklagen. Es wurde nicht unerheblicher Sachschaden an Privateigentum angerichtet. Militärischer Sachschaden ist nicht entstanden. […] Offenbar befinden sich die hiesigen Einwohner in dem Glauben, daß auf Bonn keine Bomben geworfen würden, da Bonn bisher noch nicht angegriffen worden ist und auch die letzten Angriffe in unserer Gegend anderen Städten gegolten haben. Eine solche Meinung ist jedoch völlig irrig. Wenn auch Bonn selbst schwerlich Ziel eines beabsichtigten Angriffs werden wird, so kann es doch sehr leicht vorkommen, daß die feindlichen Flieger bei einem Angriffe auf Köln durch Witterungseinflüsse, durch Kampfflieger oder aus anderem Anlaß von ihrem eigentlichen Ziele abgedrängt werden und dann ihre Bomben über dem nächsten, auf dem Rückfluge berührten Orte fallen lassen. […] Die Bonner Einwohnerschaft möge daher die wiederholt veröffentlichten Richtlinien für das Verhalten bei Fliegergefahr genau beachten, damit die traurigen Erfahrungen, die andere Städte machen mußten, für Bonn vermieden werden.

Das ukrainische Ei, das unser Lebensmittelamt der Bonner Einwohnerschaft schon vor bald vier Wochen in Aussicht gestellt hatte, wird von Samstag nachmittag ab ausgegeben.

Treibriemendiebstahl ist Landesverrat. Der hiesige 19 Jahre alte Arbeiter Heinrich Göddertz arbeitete hier seit mehreren Jahren in einem kriegswirtschaftlichen Betrieb, wo in einer Nacht der wertvollste Treibriemen gestohlen wurde, so daß der Betrieb mehrere Schichten lang teilweise stilliegen mußte und die Lieferung sehr wichtiger Arbeiten nicht rechtzeitig erfolgen konnte. Das Außerordentliche Kriegsgericht für den Bereich der Festung Köln verurteilte den Arbeiter wegen vollendeten Landesverrats in Tateinheit mit schwerem Diebstahl unter Zubilligung mildernder Umstände wegen der verhältnismäßigen Jugend zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Zur Kartoffelversorgung Bonns. Wie wir erfahren, ist die Kartoffelversorgung der Stadt Bonn mit außerordentlichen Schwierigkeiten verknüpft. Der Verbrauch der Bürgerschaft einschließlich der Kriegsküchen beläuft sich täglich auf 1500 Zentner, während die Rheinprovinz nur 600 Zentner für die Woche liefert. Das Lebensmittelamt ist also genötigt, den weit überwiegenden Teil des Bonner Bedarfs anderweitig zu decken. So müssen Frühkartoffeln aus Westpreußen, Pommern und Sachsen bezogen werden. Die von dort herbeigeschafften Kartoffeln leiden natürlich auf der Fahrt. Es tritt ein Gewichtsverlust durch Verdunstung und ein Abgang durch das rasche Faulen der Frühkartoffeln ein, sodaß schon hierdurch eine Zubuße der Stadt verursacht ist. Außerdem werden diese Kartoffeln in Papiersäcken befördert, wovon das Stück 2 Mark kostet. Diese Säcke können nur einmalig verwandt werden. Ferner tritt beim Einwiegen der Kartoffeln im Kleinverkauf eine Einbuße für die Stadt ein. Auch sonstige Unkosten bei der Herbeischaffung von Frühkartoffeln aus Sachsen und den östlichen Provinzen, Vermittlungsgebühren usw. belasten den Bezugspreis derart, daß selbst bei einem Verkaufspreis von 20 Pfg. für das Pfund an die Bonner Verbraucher unsere Stadtverwaltung noch Geld zulegt.
   Wenn trotzdem vom kommenden Samstag ab die Bürgerschaft die Frühkartoffeln zum Preise von 17 Pfg. beziehen kann und sie für den Kopf 7 Pfund empfangen, so bedeutet dies nach unsern Erkundigungen über die Sachlage ein Entgegenkommen unserer Stadtverwaltung, für das unsere Hausfrauen trotz des an sich noch immer verhältnismäßig hohen Preises von 17 Pfg. dankbar sein dürfen. […]

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)