Donnerstag, 4. Mai 1916

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 4. Mai 1916Zuckerkarten werden in Bonn nächsten Sonntag ausgegeben werden.

Die Rheinterrasse des Kaffeehauses Königshof ist wieder täglich bis Mitternacht geöffnet. Die verstärkte Hauskapelle sorgt für musikalische Unterhaltung.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Zur Fleischversorgung der Stadt Bonn. Aus dem Kreise des Arbeits-Ausschusses für die Lebensmittelversorgung der Stadt Bonn wird bekannt, daß die Stadt Bonn durch den Rheinischen Viehandels-Verband so ungenügend mit Schlachtvieh versorgt werde, daß großer Fleischmangel eingetreten sei.
   Ferner wird uns städtischerseits zur Frage der Fleischversorgung geschrieben: Beim Fleischverbrauch war vorübergehend eine Knappheit eingetreten. Wenn die neu getroffene Regelung der Verteilung des Schlachtviehs an die Metzgergeschäfte durchgeführt sein wird und die Händler und Viehbesitzer sich an die Bestimmungen gewöhnt haben, werden auch hier geregelte Zustände eintreten. Es handelt sich nur um eine kurze Uebergangszeit und kann jeder wieder, wenn auch nicht mehr in der gleichen Menge wie früher, seinen Fleischbedarf regelmäßig einkaufen.

Nahrungsmittelpreise in Bonn. Einige Drogisten, die an den verschiedenartigen Preisen für Haferkakao nicht beteiligt sind, bitten uns um die Feststellung, daß das Fabrikat, das früher zu 1,20 Mark verkauft wurde, jetzt nach der Vorschrift der Fabrik von den Drogisten zu 1,50 Mark zu verkaufen ist. Da unsere Notiz offenbar von mancher Seite mißverständlich aufgefaßt worden ist, sei ausdrücklich festgestellt, daß mehrere hiesige Drogisten den von der Fabrik festgsetzten Preis von 1,50 Mark überschritten haben, indem sie 1,70 Mark, 1,75 Mark, 1,80 Mark und 2,00 Mark verlangten, und zwar nicht zu verschiedenen Zeiten, sondern an einem Tage. Dem Verlangen der nicht beteiligten Drogisten, die an der merkwürdigen Preisskala beteiligten Drogisten öffentlich namhaft zu machen, kommen wir zunächst nicht nach, da wir annehmen, daß die öffentliche Feststellung, einen von der Fabrik festgesetzten Preis in der genannten Weise überschritten zu haben, sie wohl veranlassen wird, zu dem Preise von 1,50 Mark zurückzukehren. Daß in einem Falle einer der Drogisten einer Dame, die über den hohen Preis des Haferkakaos etwas erstaunt war, erklärte: „Ich lege gar keinen Wert darauf, daß Sie mir den Kakao abkaufen“, gehört in das sattsam bekannte Kapitel der unhöflichen Bedienung gewisser Verkäufer, denen während des Krieges und seinen Nöten der Kamm etwas geschwollen ist.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Godesberg, 3. Mai. Wir brachten kürzlich eine Mitteilung über einen nächtlichen Diebstahl bei einem begüterten hiesigen Bürger, dem trotz des Vorhandenseins eines wachsamen Hofhundes die Kriegsvorräte gestohlen und heimlich auf einer Karre fortgeschafft wurden. Das Bürgermeisteramt Godesberg gibt uns nunmehr zur Klarstellung bekannt, daß bei einem Rentner vor etwa zwei Monaten einige Pfund Butter, einige Pfund Mehl und mehrere Glas selbsteingemachter Marmelade gestohlen worden sind. Es handele sich hierbei um einen Hausdiebstahl. Ein weiterer Diebstahl habe bei diesem Rentner nicht stattgefunden. In derselben Angelegenheit lesen wir ferner folgendes in der Godesberger Volksztg.: In einem Bonner Blatt wurde jüngst von einem großen Einbruchdiebstahl berichtet, der hier verübt worden sei. Viele Zentner von Lebensmitteln sollten einem hiesigen Rentner gestohlen worden sein. Wie wir von zuständiger Seite erfahren, sind tatsächlich nur verschiedene Stücke Fleisch, einige Kübel Fett und mehrere Dosen Marinaden vor kurzem aus einer herrschaftlichen Wohnung mittels Einbruchs gestohlen worden.
   (Unser Gewährsmann erklärt uns, es handle sich bei dem Diebstahl u. al. Um zehn Zentner Speck, drei Faß Rüböl und drei Sack Mehl. Der Speck habe sich im Kühlraum des Gemeindeschlachthauses befunden und sei von da in die Privatwohnung des Eigentümers verbracht worden, als der Kühlraum für eine größere Konservensendung freigemacht werden mußte. In der Nacht auf diesen Vorgang sei der Diebstahl erfolgt. Die Diebe seien bekannt. Red.)

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)

Städtische Eier. Nach den städtischen Bestimmungen dürfen den Einwohnern, welche mehr als 3000 Mk. Einkommen haben, keine Eier von der städtischen Verkaufsstelle verkauft werden. Es ist dies bei dieser ungeheueren Teuerung, da die Eier in den Geschäften zu dem Preis von 25 – 26 Pfg. das Stück verkauft werden, eine Härte gegenüber den pensionierten Beamten ohne Vermögen mit einem Einkommen von 3001 – 3500 Mk. Besonders betrifft diese Maßregel die Altpensionäre, die doch fast alle im Alter von 70 – 80 Jahren sind.
   Da man kein Fleisch kaufen kann, weil es zu teuer und weil kein Fleisch vorhanden ist, so bieten die erforderlichen Eier den Ersatz für das fehlende Fleisch.
   Die städtische Verwaltung wird gebeten, bewilligen zu wollen, daß den vorerwähnten Einwohnern ebenfalls erlaubt wird, die Eier bei der städtischen Verkaufsstelle kaufen zu dürfen. M.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

   

Bezug von Pferdedünger. Die Ersatz-Eskadron des Husaren-Regiments Nr. 7 gibt vom 1. Mai ab an Landwirte und Gemüsezucht treibende Leute Pferdedünger ab, soweit der Vorrat reicht. Eine Fuhre kostet 8 Mark. Um Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten bei der Verteilung vorzubeugen, ist durch den zuständigen Polizei-Kommissar die Notwendigkeit zur Beschaffung des Düngers schriftlich zu bestätigen. Diese Bescheinigung ist bei der Abnahme des Düngers bei der Eskadron abzugeben. Eine Anfuhr von Dünger durch die Eskadron kann nicht erfolgen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)