Sonntag, 20. September 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 20. September 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 20. September 1914Auf dem Feld der Ehre starb fürs Vaterland der in vielen Bonner Kreisen bekannte Fritz Cronenberg aus Euskirchen. Er fiel als Vizefeldwebel der 8.Reserve im 1. bayrischen Leibregiment, von einem Granatsplitter tödlich verwundet, am 2. September. Der Gefallene war vor einigen Jahren als Dramaturg und Spielleiter am Bonner Stadttheater tätig und zuletzt als Spielleiter in Berlin.

Auf dem Feld der Ehre starb den Tod fürs Vaterland Stadtsekretär Adolf Simon.

Unsere Fortbildungsschulen suchen ihre Schüler in das Verständnis unserer großen Zeit in der Weise einzuführen, daß sie an jedem Unterrichtstage die anwesenden 200 – 300 Schüler im großen Saale zu einem patriotischen Vortrag versammeln. Derselbe Vortrag wird an sechs Wochentagen gehalten, so daß ihn alle 2000 Schüler zu hören bekommen. Begonnen wurde in der ersten Woche mit „Innere und äußere Veranlassung unseres heutigen Weltkrieges.“ In dieser Woche ist das Thema „Aufmarsch der Truppen“ behandelt worden. Aufmerksamere Schüler haben die Fortbildungslehrer wohl noch nie gehabt, und man merkt an dem Verhalten der Jungen – viele ihrer Schulkameraden haben sich als Kriegsfreiwillige gemeldet -, daß sich ein großer Teil des Ernstes unserer Zeit wohl bewußt ist.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten")

Anzeige im General-Anzeiger vom 20. September 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 20. September 191417 ½ Millionen Mark Kriegsanleihe in Bonn.
Für die Kriegsanleihe, deren Zeichnungsfrist bekanntlich Samstag mittag 1 Uhr abgelaufen war, sind in Bonn insgesamt 17 ½ Millionen Mark gezeichnet worden. Gewiß ein erfreuliches Zeichen für das vaterländische Interesse und den Opfersinn unserer Bürgerschaft.
Davon wurden bei der Städt. Sparkasse Bonn über 4 Millionen Mark gezeichnet (die Sparkasse allein zeichnete 1 Million Mark) und bei der Kreis-Sparkasse des Landkreises Bonn gingen Zeichnungen für rund 2 ½ Millionen Mark ein.
Bei der Kreis-Sparkasse des Siegkreises erfolgten Zeichnungen im Betrage von einer halben Million Mark. Die Sparkasse des Kreises Ahrweiler zeichnete 500.000 Mark und die Allgemeine Ortskrankenkasse Ahrweiler 15.000 Mark.
Der Westerwaldklub (Ortsgruppe Bonn) hat seine Zweigvereinskasse in Höhe von 2000 Mark für die Kriegsanleihe gezeichnet. Ebenso beteiligte sich der Kavallerie-Verein für Bonn und Umgegend mit 2000 Mark.

1914 09 20 ga1914 09 20 gaDie Landwirtschaftliche Akademie Bonn-Poppelsdorf bittet die Angehörigen gefallener oder verwundeter Akademiker um entsprechende Nachrichten, um das Andenken ihrer Studierenden dauernd in Ehren zu halten.

Den Sammelfässern wurden am 19. ds. entnommen: 164 Zigarren, 157 Zigaretten, Kautabak, 57,30 Mk. bar und 3 Mk. Erlös für altes Silbergeld, ferner ein paar Strümpfe. Am 18. ds. wurden 20 Mk. der Bestimmung gemäß für Ostpreußen der Deutschen Bank übergeben. In den nächsten Tagen werden durch die Sammelstelle der Diskontogesellschaft 10.000 Zigarren, 1900 Zigaretten und 250 Pakete Tabak unseren Helden im Felde aus den Sammelfässern zugeführt. Herzlichen Dank für alle; es wird weiter gesammelt. Drei Fässer wurden noch aufgestellt am Wilhelmplatz, in der Brückenstraße und auf dem Platze, wo Roon-, Argelander- und Moltkestraße sich treffen.

„Die musikalischen Kuhlejungen“ teilen uns auf einer Feldpostkarte mit, sie hätten so viele Instrumente erhalten, daß sie jetzt die schönste Musikkapelle zusammen hätten. Unsere Husarenkapelle könne an ihre Musik nicht tippen. Ein Unteroffizier, ebenfalls ein Bonner, habe das Amt des Kapellmeisters übernommen. „Wenn das so fortgeht, und der Feind hört unsere Musik, dann reißt der schon von selbst aus“. Die Bonner Jungens sagen zum Schluß nochmals allen Instrumentenspendern herzlichen Dank.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 20. September 1914Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 20. September 1914Der Arbeitsplan unserer Fortbildungsschule hat auch eine zeitgemäße Aenderung erfahren. Auf dem Schulhofe hängt eine Kriegskarte mit dem markierten Standpunkt unserer Heere; und jeden Morgen versammeln sich die 2-300 anwesenden Schüler zu einem vaterländischen Vortrag im Vortragssaal. Derselbe Vortrag wird für sämtliche 2000 Schüler gehalten. Bis jetzt sind behandelt: „Innere und äußere Veranlassung des Krieges“ und „Aufmarsch der Truppen und Stellung der Heere“. Es sollen folgen: Organisation unseres Land- und Seeheeres. Armierung und Befestigungen. Ersatz der Munition im Felde. Verproviantierung, der Train. Biwak und Lagerleben. Die Feldschlacht. Die Seeschlacht. Granatfeuer bei Namur. Die deutsche Luftflotte. Zeppelin über Lüttich und Antwerpen. Der Sanitätsdienst im Felde. Recht, Transport und Unterkunft der Kriegsgefangenen. Feindliche Lügenfabriken, Kriegshumor, Kriegspoesie. Die Vorträge werden durch Landkarten, Skizzen und Lichtbilder unterstützt und finden eine äußerst dankbare Zuhörerschaft, die durch spannende Ruhe und helle Begeisterung ihr lebhaftes Interesse bekundet.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

 

Deinen Brief vom 9. erhalten. Wenn Ihr ein Hemd schickt, bin ich zufrieden (im Brief) oder mal eine Unterhose oder dicke Strümpfe. Ich habe noch, aber man braucht oft, und Feldpost erreicht uns öfter wie Bagage. Geh mal ins Lazarett zu Feldwebel Schröder, der gestern verwundet wurde. Seine Frau ist in der Kaserne. Er hat Beinschuß und war mein liebster Kriegskamerad. Er wird Dir viel erzählen. Ich habe heute zu meiner Freude das Eiserne Kreuz bekommen. Für heute das. Ich bin eilig, weil gerade ein Befehl kommt.

(August Macke an seine Ehefrau, Feldpostkarte)