Donnerstag, 17. September 1914

 

Die Bonner Bücher- und Lesehalle (Quantiusstr. 5) ist nach Vornahme der alljährlich stattfindenden Instandsetzungsarbeiten wieder täglich von 10 Uhr vorm. bis 9 Uhr abends geöffnet und erfreut sich regen Zuspruchs. Auch von unseren Kriegern wird die Lesehallegerne aufgesucht. Wir verweisen auf die dort stets in den neuesten Nummern ausliegenden illustrierten Zeitschriften und Tageszeitungen.

Sanitätshunde. Nachdem sich die Sanitätshunde im Krieg bewährt haben, ging der hiesigen Sammelstelle des Deutschen Vereins für Sanitätshunde die Aufforderung zu, 5 Führer mit Sanitätshunden an das stellvertretende Generalkommando des 7. Armeekorps in Münster i.W. zu senden. (...) Wie nötig die Sanitätshunde im Feld sind, geht aus einer Postkarte hervor, die ein Mitglied des hiesigen Zweigvereins an den Vorsitzenden, Polizeikommissar Flaccus, aus Frankreich geschrieben hat. U.a. heißt es wörtlich. „Mein Weg hat mich schon wiederholt durch die Schlachtfelder geführt, und es ist mir dabei klar geworden, daß gute Sanitätshunde manche armen Verwundeten, die schon längere Zeit vergebens auf Hilfe warteten, hätten früher auffinden können.“ Nunmehr werden weitere 18 Armeekorps-Sanitätshunde zugeteilt, denen man nur die besten Erfolge wünschen kann.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

 

Die Verlustliste Nr. 25 wird soeben herausgegeben. Soweit ersichtlich, sind Verluste aus Bonn und Umgegend nicht darin enthalten.

Musik für unsere Soldaten . Die Bitte der „Kuhle-Jungen“ um eine Mundharmonika ist, wie nicht anders zu erwarten war, in weitgehendstem Maße erfüllt worden. Auf einer Feldpostkarte teilen die Bonner Jungens uns mit, daß sie jetzt sämtlich im Besitz eines Instruments sind. Sie bitten uns, allen, die ihrer gedacht haben, den herzlichen Dank auszusprechen. Denjenigen, die ihre Adresse beigefügt haben, hätten sie selbstverständlich schon schriftlich gedankt.

Anzeige im General-Anzeiger vom 17. September 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 17. September 1914Franktireur-Waffen. In unserem Schaufenster haben wir eines der Stockgewehre ausgestellt, die von den belgischen Franktireurs gegen die deutschen Truppen benutzt wurden. Der harmlos erscheinende Krückstock wird mit zwei Kugeln geladen und kann durch einen einfachen Druck auf einen Knopf abgefeuert werden.

Eine große Anzahl französischer Verwundete wurde gestern morgen aus den hiesigen Lazaretten nach dem Güterbahnhof verbracht, um in auswärtigen Lazaretten gepflegt zu werden. Viele Schwerverwundete wurden in Straßenbahnwagen befördert, die mit Tragbahren ausgestattet waren. Auch im Laufe des Abends sind Verwundeten-Transporte hier angekommen und in die verschiedenen Lazarette überführt worden.

Zigarren und Tabak für die 65er. Ein Landwehrmann aus Bonn, der soeben aus Frankreich hierher zurückgekehrt ist, hat von seinen Kameraden im Landwehr-Regiment Nr. 65, speziell von der 6. Komp., den Auftrag erhalten, den Bonnern mitzuteilen, daß es ihnen in Frankreich an Tabak, Zigarren usw. fehlt. Sie hoffen, nicht umsonst die Opferwilligkeit der Bonner Mitbürger anzurufen.

Fahrpreisermäßigungen für Lazarettbesucher . Minister von Breitenbach hat angeordnet, daß den Angehörigen der kranken oder verwundeten deutschen Krieger, die sich innerhalb Deutschlands in ärztlicher Pflege befinden, bei Fahrten zum Besuche ihrer im Felde verletzten oder erkrankten Anverwandten eine Fahrpreisermäßigung gewährt wird. Diese soll in der zweiten, dritten und vierten Wagenklasse die Hälfte der gewöhnlichen Sätze betragen. Bei Benutzung von Schnellzügen ist außerdem der tarifmäßige Zuschlag zu entrichten. Die Vergünstigung tritt in den nächsten Tagen für das gesamte Gebiet der deutschen Staatseisenbahnen, jedoch nur im Verkehr mit Stationen, die mehr als 50 Kilometer von dem Ausgangspunkt der Reise entfernt sind, in Kraft. Als Angehörige gelten: die Eltern, Kinder, Geschwister, die Ehefrau und Verlobte des verwundeten oder erkrankten Kriegers. Wer für den Besuch solcher die Fahrpreisermäßigung in Anspruch nehmen will, muß sich von der zuständigen Ortspolizeibehörde einen Ausweis ausstellen lassen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 18. September 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 18. September 1914Gabenfässer. Sehr schön und lobenswert ist die Einrichtung der Gabenfässer für Zigarren, Zigaretten usw. für unsere Bonner Jungens. Für sehr praktisch halte ich diese Fässer jedoch nicht, da man nur einzelne Zigarren und Zigaretten oder Geld einwerfen kann, nicht aber Tabakpakete oder Zigarrendüten [-beutel]. Wenn nicht zufällig ein die Aufsicht führender Herr anwesend ist, so kann man die zugedachten Tabakpakete usw. wieder mit nach Hause nehmen. Man gibt doch, wenn man es dazu hat, gern mehr, und es ist nicht Jedermanns Vergnügen unter den Augen zahlreicher Zuschauer aus einer Kiste jede einzelne Zigarre herauszunehmen und einzuwerfen. Abhülfe ist dringend nötig, damit nicht das Interesse an der guten Sache bald erlahmt. Spatz

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

 

Die ersten Liebesgaben für die im Felde kämpfenden Truppen wurden gestern von den Sammelstellen des Roten Kreuzes, des Vaterländischen Frauen-Vereins und des Freiwilligen Hilfsausschusses für durchfahrende Truppen (Rheinisch-Westfälische Diskonto-Gesellschaft) nach der Front befördert. Es handelte sich um Hemden, Strümpfe, Fußlappen, Dauerwurst, Konserven, mehrere tausend Zigarren, mehrere tausend Zigaretten, Kautabak usw. Die Sachen wurden in zwei Kraftwagen unter Leitung der Herren Dr. Krantz, Bankdirektor Weber und Beigeordneter Piehl zunächst nach Aachen gebracht, um dort den regelmäßig verkehrenden Kraftwagen-Beförderungen nach der Front übergeben zu werden. Das Rote Kreuz in Aachen hat eine tägliche Beförderung von Liebesgaben in das Feindesland eingerichtet und hat diesen Verkehr bereits bis Reims und St. Quentin ausgedehnt. Da der Bestand an Liebesgaben in Aachen aufgebraucht war, auf der anderen Seite aber gerade auf den Formationsbahnhöfen Lüttich und Charleroi großes Elend herrschte und Verwundete von Paris her ganz erschöpft nach dem Heimatsgebiet befördert werden müssen und unterwegs viel Not leiden, so wandte sich das Aachener Rote Kreuz hilfesuchend telegraphisch an mehrere Städte, darunter auch an Bonn. Diesem Hilferuf wurde hier sofort durch die Entsendung der beiden Kraftwagen mit Liebesgaben entsprochen. Es ist außerdem beabsichtigt, auch von Bonn aus sogleich einen regelmäßigen Kraftwagenverkehr mit Liebesgaben nach den im Feld befindlichen Truppen einzurichten. In erster Linie sollen hierbei die in Bonn stehenden Truppen, das Infanterie-Regiment Nr. 160 und das Husaren-Regiment König Wilhelm I. Nr. 7 berücksichtigt werden. Entsprechende Anträge bei dem Königlichen stellvertretenden Generalkommando des 8. Armeekorps sind bereits gestellt, und es wird alle Bonner mit Freude erfüllen, daß die hier garnisonierenden Truppen in erster Linie berücksichtigt werden sollen. Schleunigste Hilfe tut tatsächlich not, denn die Millionen Heere erfordern Anspannung aller Kräfte zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse. Zur Zeit, namentlich bei der kühlen Witterung, sind Wollsachen dringend notwendig und es ergeht nochmals an alle Bürger der Aufruf, den Sammelstellen reichlicher wie bisher Liebesgaben zu senden, damit man den braven Kriegern manche Not lindern und viel Freude bereiten kann!

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten")