Mittwoch, 16. September 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 16. September 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 16. September 1914Auf dem Feld der Ehre starben den Tod fürs Vaterland Ulrich Hoffmann, Hauptmann d. Res. und Kompanieführer, Rechtsanwalt Dr. Schierenberg, Leutnant d. Res., Rechtsaktuar Ferdinand Falk, Offizierstellvertreter.

Die Bonner Gruppe des Alldeutschen Verbandes. Der Vorstand der Bonner Gruppe hat einstimmig folgende Entschließung gefasst und an die Reichsregierung abgesandt: „England hat Deutschland heimtückisch den Krieg erklärt. Seine Absicht, unsere Seegeltung zu vernichten, können wir nur durch eine genügend starke Flotte verhindern. Die Unterzeichneten bitten die Regierung des Deutschen Reiches inständig, mit großer Beschleunigung so viele Kriegsschiffe auf Stapel zu legen, wie nötig sein werden, England das zu tun, was es Deutschland tun will.“

Notstandsarbeiten. Die Bauleitung des Johanniter-Krankenhauses Friedrich-Wilhelm-Stift ist bereit, die auf ihrem Grundstücke auszuführenden Garten- und Wegearbeiten durch die Stadt zur Beschäftigung für den Fall von Arbeitslosigkeit ausführen zu lassen. – Die Finanzkommission erklärt sich einverstanden.

Strickarbeiten für Soldaten. Wir werden um Aufnahme der folgenden Notiz ersucht: Auskunft über Strickarbeiten für solche, die sich die Wolle selbst kaufen, jeden Dienstag und Freitag nachmittags von 4 – 6 im vegetarischen Speisehaus, Gangolfstr. 3 I.

Gebt noch nicht die Trauringe! An das Zentral-Komitee vom Roten Kreuz ergehen fortgesetzt von vielen Seiten Vorschläge, die dahin abzielen, goldene Trauringe gegen eiserne einzutauschen. So opferfreudig dieser Gedanke auch ist, so wird doch gebeten, zunächst noch von der Übersendung von Trauringen abzusehen. Wir sind überzeugt, daß das deutsche Volk, wenn die Not wirklich aufs höchste steigt, auch vor diesem letzten Opfer nicht zurückschrecken wird. Aber jetzt ist noch nicht die Zeit der höchsten Not gekommen. (...) Erst alles andere opfern, der Trauring ist das letzten.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 16. September 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 16. September 19141½ Millionen Kriegszigarren für unsere tapferen Truppen im Felde – das ist in zwei Tagen das Ergebnis des an den „Berliner Lokal-Anzeiger“ gerichteten telegraphischen Aufrufs des Kronprinzen.

Für die Uebungen des Wehrbundes und der Jungdeutschland-Mannschaften wird auf Anregung der Stadtverordneten Henry und Schmidt beantragt, die städtischen Turnhallen und Spielplätze kostenfrei zur Verfügung zu stellen und einen Zuschuß zur Deckung der Kosten beizusteuern.

In den drei Sammelfässern befanden sich gestern 225 Zigarren, 286 Zigaretten und 40.80 Mark in bar.

Der Vaterländische Frauen-Verein hielt gestern in Gegenwart der Frau Prinzessin Viktoria zu Schaumburg-Lippe eine gutbesuchte Mitgliederversammlung im großen Saal der Lese ab.
Die Vorsitzende, Frau Berghauptmann Krümmer, begrüßte zunächst die hohe Protektorin und warf einen Rückblick auf die Geschichte des Vereins. In Gemeinschaft mit dem Zweigverein für das Rote Kreuz habe der Vaterländische Frauenverein am ersten Mobilmachungstage das Vereinslazarett in der Luisenstraße errichtet. (…) Die Ausbildung von Hilfsschwestern sei unter Leitung von Dr. Wenzel schon in Friedenszeiten eingeleitet worden und es sei möglich gewesen, eine ganze Anzahl Hilfskräfte zur Verfügung zu stellen. Exzellenz von Rheinbaben berichtete dann über das Lazarett „Glück auf!“ in der Luisenstraße. Nur ein Zimmer mit einem Bett und drei Zimmer mit 2 Betten seien für Offiziere bestimmt und es befänden sich dort höchstens vier Offiziere. Außerdem könnten 20 Mann aufgenommen werden. Auf die Aufnahme der Mannschaften habe der Verein gar keinen Einfluß, sondern sie würden von dem General-Oberarzt auf die einzelnen Lazarette verteilt. Erst am 17. August seien fünf Verwundete eingetroffen, am nächsten Tage drei Offiziere und 19 Mann und am 29. sei die Höchstzahl von 25 Verwundeten erreicht worden. Die Oberleitung des Lazaretts habe Geheimrat Dr. Walb. Die Kosten des Lazaretts auf der Luisenstraße würden ausschließlich vom Roten Kreuz getragen. Frau Prinzessin Viktoria habe dazu 10 000 Mark gespendet. Voraussichtlich würden die laufenden Kosten nicht mehr wie 4000 Mark monatlich betragen. Die Lieferanten hätten durchweg hohen Rabatt bewilligt, nur die Firmen für Verbandsmaterial hätten recht wenig Entgegenkommen gezeigt, sondern im Gegenteil erhebliche Aufschläge genommen.
Bis jetzt sei die Heilung der Verwundeten sehr günstig fortgeschritten. Drei Offiziere ständen schon wieder in der Front, zwei würden in den nächsten Tagen entlassen. Einzelne Offiziere seien in hiesigen Familien aufgenommen worden und nur zur ambulanten Behandlung ins Lazarett gekommen. Es liege ein Angebot vor aus Friesdorf, solche Verwundete, die der ärztlichen Behandlung nicht mehr bedürfen, aufzunehmen, aber der Generalarzt sei nicht sehr geneigt dazu, weil dort keine ärztliche Kontrolle ausgeübt werden könne.
Anzeige im General-Anzeiger vom 16. September 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 16. September 1914Frau Justizrat Conzen berichtete dann über die Verpflegungs-Station, in der seit dem 18. August weit über 15 000 Mann verpflegt worden sind.
Es folgte der Bericht über die Zentral-Sammelstelle, in der die Sammlungen einer Reihe von Vereinen zusammengeflossen sind. Für die Beschaffung von Frauenarbeit seien von der Hauptsammelstelle 5000 Mark zur Verfügung gestellt worden, wofür Stoffe zur Verarbeitung beschafft worden seien.
Es folgte der Bericht über die Bereitstellung von freiwilligen Krankenpflegerinnen und Helferinnen, von denen augenblicklich 110 zur Verfügung ständen. Die 17 Heilanstalten von Bonn und Umgegend sind in vier Reserve-Lazaretten mit 2176 Betten zusammengefaßt. Das Vereinslazarett gehört zum Reserve-Lazarett Nr. 2.
Alle gesammelten Gelder sind an die Zentralstelle, die Diskonto-Gesellschaft, geflossen. Ueber die Ausgaben verfügt unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters eine Kommission. Es sind bis zum 10. September 305.356 Mark zusammengekommen. Ausgegeben sind bisher 33.630 Mark, so daß ein Bestand von mehr als 271.000 Mark bleibt. Auch die Sammlung Kriegshilfe hat bis zum 10. September über 30 000 Mark ergeben, und in den letzten Tagen sind noch erhebliche Beträge eingegangen. Das Vereinsvermögen besteht in Wertpapieren in Höhe von 228.000 Mark, ferner sind an barem Geld und Sparkassenbüchern 2959,20 Mark vorhanden und das Geschäft Am Hof, das nach Abzug sämtlicher Verbindlichkeiten 17.000 Mark an Bestand hat. Im vorigen Jahre seien 72 ordentliche und 320 außerordentliche Mitglieder im Verein gewesen. Bis zum 10. September sei die Zahl der ordentlichen Mitglieder auf 159 gestiegen. Der Verein könne an regelmäßigen Vereinsgaben für dieses Jahr auf rund 4000 Mark rechnen. Im Notfalle könne aber auch das Vermögen angegriffen werden. Die Vorsitzende dankte zum Schluß der Frau Prinzessin Viktoria und allen Erschienenen für ihr großes Interesse an der schönen Vereinssache.

Vaterländische Reden und Vorträge (zweiter Abend). Prof. Dr. Hashagen: Die Entwicklungen der Beziehungen zwischen Deutschland und England seit dem Jahre 1870. Mit Grimm und Wut im Herzen denkt man an das perfide Albion. Kein Wunder, daß man alles, was diese teuflische Hetzpolitik Englands ins rechte Licht rückt, mit doppeltem Interesse verfolgt; kein Wunder auch, daß uns während des jetzigen Krieges nichts mit so grimmiger Freude erfüllt, als wenn eben dieses perfide Albion von unseren wackeren deutschen Soldaten Hiebe, fürchterliche Hiebe wegkriegt.
Der gestrige Vortrag war überfüllt. Die Aula des Gymnasiums vermochte nicht alle Besucher zu fassen. In ausgezeichneter Weise legte Redner die deutsch-englischen Beziehungen seit 1870 dar. (...)
Von dem gegenwärtigen Krieg sagte der Redner, daß die Beschwerde Englands über den deutschen Bruch der belgischen Neutralität nur ein Vorwand für England gewesen sei. Der Krieg war von England langerhand vorbereitet, wie das Kriegsbündnis zwischen Frankreich und England beweist. England hat den Krieg vergiftet und dadurch wendet sich der Zorn mehr gegen England, als gegen die anderen Mächte, mit denen wir im Kriege liegen. Sind wir also davon überzeugt, daß der Krieg gegen England gerecht ist, so müssen wir ihn auch zu Ende führen; alles andere ist nur ein Waffenaufschub. Wenn aber schließlich der Sieg für uns Deutsche kommt, dann wollen wir hoffen, daß die deutsche Diplomatie von dem Geiste Bismarcks erfüllt werde, damit Deutschland endlich Ruhe bekommt vor diesem „perfiden Albion“.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 16. September 1914Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 16. September 1914Ueber die Tätigkeit der vaterländischen Vereinigungen (Zweigverein vom Roten Kreuz für den Stadt- und Landkreis Bonn, Vaterländischer Frauen-Verein für den Stadtkreis Bonn und freiwilliger Hilfs-Ausschuß für durchfahrende Truppen) ist folgendes mitzuteilen: Zunächst ist für die Erfrischung der in großer Zahl mit der Eisenbahn hier durchbeförderten Truppen in reichlicher und bester Weise, unter Aufwendung erheblicher Mittel gesorgt worden. Die in erfreulichem Umfange gespendeten Naturalien fanden dabei zweckentsprechende Verwendung. Zur Erfrischung der hier durchfahrenden Verwundeten und zur Anlegung neuer Verbände wurde an der Weststraße gegenüber dem Güterbahnhof eine große Halle errichtet, die allen Anforderungen auf das Beste entspricht. Hier sind bisher auch größere Truppentransporte vollständig verpflegt worden.

Das Ausladen der für die hiesigen Lazarette bestimmten Verwundeten erfolgt an dem Eilgüterschuppen des Güterbahnhofes. Für solche Fälle, in denen sofortige ärztliche Hülfe eintreten muß, sind die nötigen Einrichtungen getroffen. Für den Transport der Verwundeten zu den Lazaretten, wobei die Sanitätskolonne vom Roten Kreuz und die für diesen Zweck gebildete Krankenträger-Kolonne anerkennenswerte Hilfe leisten, werden die städtischen Straßenbahnen in ausgiebiger Weise benutzt.

Infolge der zu Friedenszeiten von dem Zweigverein vom Roten Kreuz eingegangenen Verpflichtung ist in dem Hause Luisenstraße Nr. 6 auf eigene Rechnung ein Vereinslazarett mit 25 Betten eingerichtet und in Betrieb gesetzt. Das Lazarett ist fortdauernd mit Verwundeten belegt und verursacht große Kosten.

Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 16. September 1914Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 16. September 1914Um dem hervorgetretenen Mangel an Wäsche und Kleidung für die Verwundeten in den hiesigen Lazaretten abzuhelfen und andererseits beschäftigungslosen Heimarbeiterinnen lohnende Arbeit zu verschaffen, haben die Vereinigungen größere Mittel bewilligt. Die Beschaffung der Stoffe, die Vermittlung der Anfertigung der Wäsche usw. und deren Verteilung an die einzelnen Lazarette erfolgt durch eine besondere Kommission. Dem neugebildeten Vaterländischen Frauen-Verein für den Landkreis Bonn ist für seine Zwecke ein Betrag von 3000 Mark überwiesen worden. Ferner wurden den hiesigen Volksschulen und Kinderhorten zur Anfertigung von Strümpfen und Pulswärmern für die im Felde stehenden Truppen Mittel zur Verfügung gestellt. Im Rucker’schen Hause am Markt ist für die Verwundeten eine Lesehalle eingerichtet, die dank der Gebefreudigkeit der Bürgerschaft über einen ansehnlichen Bestand an Büchern, Zeitschriften, Zeitungen usw. verfügt.

Die Vereinigungen sind fortgesetzt bemüht, die hier untergebrachten Verwundeten mit Tabak, Zigarren, Gebrauchsgegenständen usw. zu versorgen. Es schweben Erwägungen, den im Felde stehenden Truppen Liebesgaben mittels Automobilen direkt zu übermitteln. Die große Opferwilligkeit der Bürgerschaft, die sich sowohl in der Spendung von Geldmitteln und Naturalien, wie in der bereitwilligen und uneigennützigen Hülfeleistung auf allen Gebieten der Kriegsfürsorge in hervorragender Weise bekundet, verdient vollste Anerkennung.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

 

„Patriotismus“ auf Kosten anderer.

Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 16. September 1914Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 16. September 1914Kürzlich war in diesem Blatte die Rede von einer „Herrschaft“, die ihr Dienstmädchen weiter halten will, wenn es nur für Kost und Wohnung, ohne sonstige Vergütung, arbeiten will. Eine andere Dame eröffnete ihrem weiblichen Personal, dass sie ihren monatlichen Lohn um einen bestimmten Betrag kürzen werde, den sie an die Sammlung des roten Kreuzes abliefern werde. Selbstverständlich auf ihren, nicht auf der eigentlichen Spenderinnen Namen. Ein derartiger „Patriotismus“ bringt zwar nicht unmittelbar etwas ein, er kostet aber auch nichts.

Aehnlich zu bewerten ist der „Patriotismus“ jener gutsituierten Damen, deren Gatten, Brüder, Söhne, Verlobte oder sonstige Anverwandte im Felde stehen und die nun an hiesige Geschäftsleute, von denen die Männer das eine oder andere bezogen haben, das Ansinnen stellen, an diese Gratispakete zu schicken. Man weiß wirklich nicht worüber man mehr staunen soll: über die Unverfrorenheit oder über die Einfalt dieser Antragstellerinnen. (...) Auch Kegelbrüder haben sich, wie mir erzählt wird, an diesem „Patriotismus“ auf Kosten anderer beteiligt. Sie haben beschlossen, die Benutzungsgebühr für die Kegelbahn nicht mehr an die Besitzer, die Wirte, sondern an das rote Kreuz abzuführen. Sie wollen sich also in ihrem Vergnügen nicht einschränken, aber doch auch etwas zur Linderung der Not beitragen: die Kosten soll der Wirt bestreiten. Ein edles Beginnen, fürwahr, und billig vor allen Dingen! Noch andere „Patrioten“ und „Patriotinnen“ können hier vorgeführt werden, wie beispielsweise eine „Liebesgabenspenderin“, die hundert Zigarren stiften, aber dafür keine drei Mark anlegen wollte; „es sollte doch nur für Soldaten sein“. (...)

(Volksmund, aus einem mit „Urban" gezeichnetem Artikel in der Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)