Montag, 31. August 1914

Die zweite russische Armee war am Tag zuvor von den Truppen Hindenburgs bei Tannenberg vernichtend geschlagen worden – ein Sieg, der den Ruhm Hindenburgs begründete.

 

Eine stimmungsvolle Morgenfeier fand gestern Vormittag um 11 Uhr im Lazarett III (Beethovenhalle) zur Erbauung der Verwundeten statt. Frau Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe wohnte mit ihrer Begleitung der Feier bei, ebenso der Oberbürgermeister und der Chef des Bonner Lazarettbezirkes, Herr Generaloberarzt Dr. Jäger. Herr Kapellmeister Sauer trug auf der Orgel ein eindrucksvolles Präludium und das niederländische Dankgebet vor, Herr Konzertmeister Scheidhauer spielte das Largo von Händel. Diese musikalischen Darbietungen, bei denen die Künstler mit Innerlichkeit und Hingabe spielten, fanden in den Verwundeten dankbare und empfängliche Hörer. Am Nachmittag trug in der Beethovenhalle ein mehrfach besetztes Quartett des Bonner Männer-Gesangvereins einige gut gewählte Lieder vor.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten")

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 31. August 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 31. August 1914Unsere patriotische Jugend. Eine Dame schreibt uns: Vorige Tage passierte folgender heiterer Vorfall auf einem der Bonner Plätze. Sechs Jungens schickten sich an, den deutsch-englisch-französischen Krieg im Kleinen vorzuführen. Als nun die beiden „Franzosen“ und „Engländer“ sich auf die zwei „Deutschen“ stürzen wollten, um sie zu schlagen, riefen die begeisterten Deutschen einstimmig: „Enäh, ihr maht et so verkieht, ihr mött üch krije losse, un mir mösse siege! Wenn ihr och mieh sett, dat eß ons Wuesch. Noch emol ahnfange!“ Und nun teilten zum Ergötzen der Umstehenden die „Deutschen“ fürchterliche Keile aus.

Der M.-G.-V. „Apollo“ hat am Sonntag nachmittag auf der Casselsruhe ein sehr gut besuchtes Wohltätigkeits-Konzert zum Besten des Roten Kreuzes veranstaltet. Die Leistungen des Vereins, der von Herrn Lehrer Eschweiler anstelle des im Feld stehenden Dirigenten geleitet wurde, waren sehr gut. Das ganze Programm war der ernsten Zeit angepasst. Die von Vereinsmitgliedern gestellten Bilder fanden vielen Anklang. Dem Roten Kreuz konnte ein erheblicher Betrag übernwiesen werden.

Anzeige im General-Anzeiger vom 31. August 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 31. August 1914Der deutsche Kaiser als Bonner Schützenkönig. Der hiesigen Sebastianus-Schützengesellschaft ist ein Schreiben zugegangen, wonach unser Kaiser die auf ihn gefallene Königwürde dankend angenommen hat. Wir haben also in Bonn den seltenen Fall zu verzeichnen, daß wir zwei Schützenkönige haben: Kaiser Wilhelm II. und Herr Joh. Bodiset. Der glückliche Schütze, der den Kaiserschuß getan hat, war Herr Philipp Reeb.

Für’s Vaterland! Ein hiesiger Miltärinvalide gibt eine dankenswerte Anregung. Er schreibt uns, daß er während der Dauer des Krieges auf seine Pension verzichtet und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß, da der 1. September vor der Tür steht und die Pensions-Gelder bald abgeholt werden, noch recht viele Pensionsberechtigte gleich ihm auf die Pension verzichten.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Der Hilfsausschuss bittet um Ueberweisung von Gesellschafts- und Geduldspielen für unsere verwundeten und kranken Soldaten.

Der Verkauf von Brot, Mehl und Salz in den städtischen Verkaufsstellen Franziskanerstraße 8a und Verwaltungsgebäude Bonn-West, Kirsch-Allee 23 ist mit heute eingestellt worden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)