Sonntag, 23. September 1917

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. September 1917Anzeige im General-Anzeiger vom 23. September 1917Ein würdiger Dank an unsere Krieger.
Am 1. August haben viele rheinische Städte den dritten Jahrestag der Kriegserklärung mit schlichten Erinnerungsabenden würdig begangen. Am würdigsten aber danken wir unseren Helden, vor allem den toten, für ihre beispiellose Treue, indem wir in ihrem Geiste fröhlich Opfer bringen und u.a. durch den Verkauf unserer überflüssigen Goldsachen die Goldrüstung der Reichsbank stärken. Ist ein solcher Verkauf überhaupt ein Opfer in dieser Zeit zu nennen, während uns in den Straßen in jedem Verwundeten eine ganz andere Opferwilligkeit entgegentritt? Vor jedem Verstümmelten, der sein Gebrechen als eine natürliche Folge einer selbstverständlichen vaterländischen Pflicht klaglos erträgt, muß ja der Besitzer protziger Goldsachen erröten. Fort daher mit dem Gold zur Reichsbank. Dort stärkt es unsere Rüstung, dort verkürzt es den Krieg.

Eine große Bürgerversammlung wird von einem Ausschuß aus Mitgliedern aller Parteien mit dem Oberbürgermeister an der Spitze vorbereitet. Sie soll nächsten Sonntag im Saale des Bürgervereins stattfinden und für die 7. Kriegsanleihe werben. Die vereinigten Bonner Männergesangsvereine werden Chorlieder vortragen. Als Redner sind Stadtverordneter Justizrat Falck aus Köln und Reichstagsabgeordneter Kuckhoff in Aussicht genommen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

     

Antwort des Kaisers. Auf das infolge Beschlusses der Stadtverordneten-Versammlung vom 21. ds. Mts. an Seine Majestät den Kaiser und König gesandte Telegramm ist folgendes Antwort-Telegramm eingegangen.
Oberbürgermeister Bonn!
Den städtischen Kollegen und der Bürgerschaft Bonns sende ich meinen wärmsten Dank und vaterländischen Gruß anläßlich des erneuten Ausdrucks der mir wohlbekannten treuen Gesinnung der rheinischen Musenstadt am schönen deutschen Strom.
WilhelmR

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. September 1917Anzeige im General-Anzeiger vom 23. September 1917Marcell Salzer, der am 3. Oktober im großen Saal des Bonner Bürger-Vereins zu uns kommt, hat bisher 272 Wohltätigkeits- und unentgeltliche Lazarettvorträge gehalten und bisher rund 75.000 Mark für kriegswohltätige Zwecke aufgebracht. Er war an mehreren Fronten, beim deutschen Kronprinzen, Hindenburg, Erzherzog Friedrich, Prinz Leopold von Bayern, Linsingen usw. und hat den Heerführern und ihren Stäben in den Hauptquartieren, ebenso den Mannschaften an der Front und in den Soldatenheimen, den Verwundeten in den Lazaretten erheilende und erfrischende Vorträge gehalten.

Wohltätigkeitskonzert. Ein großes Solisten-Konzert erster Künstler findet am 28. September in den Sälen des Bonner Bürger-Vereins statt. Ein Teil der Einnahme ist für die Schwerverwundeten des 1. Ers.-Bat. Inf.-Regts. Nr. 160 bestimmt.

Ein Fahnenflüchtiger, der vor einigen Tagen in Bonn, wo er mehrere Einbruchdiebstähle verübt hat, festgenommen worden, aber bei seiner Weiterbeförderung entsprungen war, ist gestern aufs neue in Bonn festgenommen worden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)