Montag, 10. September 1917

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 10. September 1917Anzeige im General-Anzeiger vom 10. September 1917Bischof Dr. Moog erläßt im Amtlichen Altkatholischen Kirchenblatt vom 5. September an die Geistlichkeit und Kirchenvorstände eine Bekanntmachung über die siebte deutsche Kriegsanleihe, in der es heißt: „Das deutsche Volk rüstet sich zur siebten Kriegsanleihe. Daß sie trotz des glänzenden Ergebnisses der letzten Anleihe und des günstigen Standes unserer militärischen Lage notwendig wurde, ist nicht im geringsten ein Zeugnis für unsere Schwäche, sondern für die unermessliche Schuld unserer Feinde, die ungeachtet unserer wiederholten ernstgemeinten Friedensangebote in unbegreiflicher Verblendung immer wieder erklären, daß sie Deutschland zerschmettert hätten. Sollen wir darum in das törichte Gerede einstimmen, als ob die neue Kriegsanleihe nur dazu dienen werde, den Krieg unsererseits abermals zu verlängern? Muß nicht die heiligste Liebe zu uns selbst und zu unserem deutschen Volke uns zu dem Glauben führen, daß die kommende Anleihe das uns von unseren Feinden abgezwungene Mittel sei, mehr denn je unsere Kraft und unseren Opfersinn in den Dienst des bedrohten Vaterlandes zu stellen? Und daß wir dies vermögen, haben die früheren Anleihen nicht zum wenigsten unseren Feinden selbst gezeigt. Welche Kraft geldlicher Ueberlegenheit haben wir damit fast allein aus unserem Volke herausgehoben und dadurch die Vorhersagung, unsere Mittel seien erschöpft, zu schanden gemacht. Darum soll uns der abermalige Ruf des Vaterlandes zur Zeichnung der Kriegsanleihe freudig bereit finden. Sagen wir es doch aufs eindringlichste, daß es eigentlich kein Opfer ist, was wir damit bringen, sondern eine Sicherung unseres Vermögens, wie sie in dieser Zeit des Ringens um die Entscheidung niemals besser erfolgen kann.“

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

        

Beschlagnahme von Metallteilen in Häusern. Man schreibt uns: Es ist damit zu rechnen, daß in absehbarer Zeit mit der Beschlagnahme der Türklinken und Fenstergriffe aus Messing vorgegangen wird. Zu diesem Zweck ist eine besondere Metallersatzstelle in Berlin errichtet worden, deren hauptsächliche Aufgabe die Sicherstellung der Ersatzbeschaffung für die in Anspruch genommenen Metallteile ist. In erster Linie werden für die beschlagnahmten Türklinken und Fenstergriffe Ersatzteile beschafft werden, die von der Metallersatzstelle nicht nur geliefert, sondern auch durch eigenes Personal angebracht werden sollen. Da auch im Verbrauch von Eisen eine Einschränkung erforderlich ist, ist in Aussicht genommen, zunächst nur diejenigen Gegenstände zu ersetzen, deren Ersatz unbedingt erforderlich ist, dazu gehören in erster Linie Türklinken und Fenstergriffe.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Unter den Wohlfahrtseinrichtungen, die der Krieg in Bonn gezeitigt, steht nicht an letzter Stelle die Städtische Pilzprüfungsstelle. Daß sie einem wirklichen Bedürfnis Rechung trägt, beweist der enorme Andrang, wie er zeitweilig zu verzeichnen ist. Wenn er sich in den letzten Tagen weniger geltend gemacht hat, liegt das an der trockenen Witterung, die nur wenige, widerstandsfähige Pilze zur Entwicklung kommen läßt. Die Umgebung Bonn birgt in den nahen großen Waldgebeten (Kottenforst, Siebengebirge, Ennert) einen schier unerschöpflichen Reichtum an eßbaren Pilzen und darin ein Kapital, das die Natur uns alljährlich umsonst zur Verfügung stellt, das ihr aber auch stets ungenutzt zurückfällt, weil die Menschen nichts damit anzufangen wissen. Die Abneigung gegen Pilze hat ihren Grund in der Angst vor Vergiftung. Es gibt aber nur ein einziges zuverlässiges Mittel, sich vor Pilzvergiftung zu schützen, und das ist die Kenntnis eßbarer Arten und der wenig bei uns vorkommenden giftigen Pilze. Zu dieser Kenntnis verhilft uns die Städtische Pilzprüfungsstelle. Voller Dank gebührt dem Leiter derselben, Herrn Th. Walther Prym, der in selbstloser, gemeinnütziger Weise weder Zeit noch Mühe scheut und bereitwilligst über Wert und Unwert der vorgezeigten Pilze Aufklärung gibt.
    Es ist gewünscht worden, daß Pilze, ehe sie auf dem Markte zum Verkauf kommen, in der Pilzbestimmungsstelle geprüft werden. Schreiber dieses hat wiederholt gesehen, daß Pilze feilgeboten wurden, die vollständig zersetzt und total madig waren. Manche Verkäufer scheuen auch nicht, um das Gewicht der Pilze zu erhöhen, sie längere Zeit ins Wasser zu legen. Die Pilze quellen auf, erhalten ein frisches Ansehen, aber es werden ihnen wichtige Nährstoffe entzogen und die Schimmelbildung wird befördert. Die meisten Pilzvergiftungen aber haben ihren Grund in dem Genuß von zersetzten, aber sonst essbaren Pilzen, wie ja auch Fleisch- und Fischgift das Produkt zersetzen. D.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)