Dienstag, 4. September 1917

       

Anzeige im General-Anzeiger vom 4. September 1917Anzeige im General-Anzeiger vom 4. September 1917Die Ruhrerkrankungen, die in den letzten Wochen in verschiedenen Städten festgestellt worden sind, infolge der sofortigen Maßnahmen aber schon wieder nachgelassen haben, werden vielfach auf Mängel in der Ernährung oder auf den Genuß unreifen Obstes zurückgeführt. Nur der Ruhrbazillus verursacht diese Krankheit, und dieser entsteht dort, wo Unsauberkeit herrscht. Ein wichtiges Vorbeugungsmittel ist darum, häufig, vor allem vor jeder Mahlzeit die Hände zu waschen.

Die hohen Absätze. Mit Rücksicht auf die in letzter Zeit vorgekommenen schweren Unfälle, bei denen Schaffnerinnen überfahren, getötet oder schwer verletzt worden sind, haben die Eisenbahndirektionen den Schaffnerinnen das Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen verboten.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

     

Sonntags in der Kriegsküche. Wohl jede Hausfrau, auch die in bescheidenen Verhältnissen lebende, setzt ihren Stolz daran, gerade Sonntags das Mittagessen mit besonderer Sorgfalt und ein klein wenig besser wie täglich zuzubereiten. Stattdessen ist in der Universitäts-Kriegsküche das Essen Sonntags stets minderwertig, so am letzten Sonntag: Vollständig trockene Kartoffeln, dazu zwei bis drei Fleischkrummen, etwas größer als eine Brotkrumme. Wollte man die Kartoffeln herunterbringen, so war man genötigt, die kalte Birnenbrühe auf die ebenfalls kalten Kartoffeln zu schütten. Ich habe schon lange Kriegsküche, aber immer ärgert es mich, wenn Sonntags das Essen minderwertig. Man ist jetzt sicher schon leicht zufrieden, wenigstens meine Familie. Wir finden nichts entwürdigendes in der Kriegsküche, im Gegenteil, wir sind stolz darauf; aber ich bitte höfl., Sonntags mit mehr Liebe zu kochen, auch dürfen die Portionen etwas reichlicher sein, sowie die täglichen Kartoffeln etwas weniger derb den Speisen zugesetzt werden. Sch.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

      

Bonner Volksspende. 480.000 Mk., also fast eine halbe Million, ist das Ergebnis, das die Bonner Volksspende in den 2 Jahren ihres Bestehens gebracht hat. Am 1. September d. Js. sind zwei Jahre verflossen, seitdem die Bonner Volksspende von den Vaterländischen Vereinigungen ins Leben gerufen wurde. Mit Stolz kann die Bonner Bürgerschaft auf die von ihr bewiesene Opferfreudigkeit zurückblicken. Arm und reich, jung und alt haben fest zusammengestanden, da es galt, der Bonner Kriegswohlfahrtspflege die von ihr so dringend benötigten Mittel zuzuführen. Die Aufgaben, die der Bonner Kriegswohlfahrtspflege obliegen, gebrauchen jedoch auch Geld und abermals Geld. Da ist zunächst die Verbands- und Krankenerfrischungsstelle „Prinzessin Viktoria“ in Lille, die in ihrer segensreichen Tätigkeit schon über 3 Millionen Soldaten verpflegt und mit Liebesgaben aller Art ausgestattet hat. Ihr Wirken hat sich bei den letzten Angriffen auf Flandern wieder hervorragend bewährt. Dann ist das Vereinslazarett, die Beschäftigung arbeitsloser Frauen in den von den Vaterländischen Vereinigungen unterstützten Arbeitsstätten, die Liebesgaben für die Truppen zu Weihnachten und bei anderen Gelegenheiten, die Unterhaltung der Verwundeten in den hiesigen Lazaretten, die Ausrüstung und Unterstützung der Beförderungs-Einrichtungen für die Ankunft der Verwundeten, die Weihnachtsbescherung der Angehörigen und Kinder unserer braven Truppen, die Beihilfen für Lazarettzüge, die Beihilfen für die Kriegsbeschädigtenfürsorge und die Ausbildung und Weiterbildung der Schwestern zu nennen. Das alles sind Einrichtungen, die unseren Truppen und unseren Verwundeten manche Erleichterung und manche frohe Stunde bringen, aber andererseits fortlaufend den Aufwand erheblicher Mittel bedingen. Je länger der Kampf dauert, umso härter werden die Ansprüche an unser braves Heer und unsere Flotte und umso freudiger empfinden diese jedes Gedenken aus der Heimat, das ihnen unser Streben beweisen soll, ihre schwere Zeit, wenn es auch nur mit einem Scherflein ist, zu erleichtern.
   
Mitbürger, denkt daher auch weiter an Eure Pflicht dem Vaterlande gegenüber. Werdet nicht müde im Geben. Offene Hand und warmes Herz ist das, was Euch zur Pflicht hinter der Front gereicht. [...]

Die Ferienspiele wurden am Samstag mit einer vaterländischen Feier auf dem Venusberge abgeschlossen. Die Knaben und Mädchen aller Schulen versammelten sich um 8 Uhr auf dem Kaiserplatz, und im langen Zuge, unter den Marschklängen einer Militärkapelle und mit fröhlichem Gesang ging es auf den Berg. Die Kinder scharten sich oben um ihre Fahnen, sangen gemeinsam Deutschland über alles, hörten die wackeren Gedichtvorträge mehrerer Jungen und lauschten der kernigen und begeisternden Ansprache des Leiters der Ferienspiele, Hauptlehrers Schmitz. Herr Schmitz überzeugte seine jugendlichen Zuhörer von der Gerechtigkeit der deutschen Sache und gab ihnen die Zuversicht auf den Sieg der deutschen Waffen, machte aber unverdrossene Arbeit, Gottvertrauen und Gebet zur Bedingung. Die Jugend stimmte in sein Kaiserhoch begeistert ein und sang kräftig das Heil dir im Siegerkranz. Dann wurde gefrühstückt. Zwei Brotschnitten mit gutem Obstmus gab es zur Feier des Tages. Als dann der Hunger gestillt und noch eine Weile gerastet und dabei dem Konzert der Militärkapelle gelauscht war, ging es mit Gesang und Musik wieder zum Kaiserplatz zurück, von wo die einzelnen Schulen mit ihren Fahnen in die verschiedenen Stadtteile zogen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)