Montag, 28. August 1916

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. August 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 28. August 1916Der Verband der rheinpreußischen landwirtschaftlichen Genossenschaften hat vorgestern und gestern in der landwirtschaftlichen Akademie einen Vortragslehrgang für die Leiter der angeschlossenen Kreditgenossenschaften abgehalten, um sie mit der Kriegsanleihe-Arbeit und anderen vaterländischen Aufgaben vertraut zu machen. Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Der Verbandsdirektor, Geheimrat Havenstein, betonte in seiner Begrüßungsansprache, es bestehe keine Gefahr, daß Deutschland aus Hunger nachgeben müsse; gerade deshalb müsse jetzt aber auch jeder Daheimgebliebene ebenso wie der Soldat an der Front seine Schuldigkeit tun u. demnächst auch wieder dafür sorgen, daß die Reichsregierung das zum Kriegführen notwendige Geld erhalte. Bankdirektor Feldmann von der hiesigen Genossenschaftsbank für Rheinpreußen besprach dann „neue Aufgaben der Kreditgenossenschaften in und nach dem Kriege“. Die Kreditgenossenschaften müßten die Kriegsanleihe mit allen Kräften fördern. Jeder Zeichnungswunsch müßte berücksichtigt, den Sparern in weitestem Maße entgegengekommen werden. Die Genossenschaften sollten nach Maßgabe ihrer Mittel auch für eigene Rechung zeichnen, sie brauchten nicht zu befürchten, daß sie ihre Gelder dadurch über Gebühr festlegen würden. Ueberhaupt müßten alle kleinlichen Bedenken vor dem großen Ziele, dem Vorteil des Vaterlandes zurücktreten. Die Kreditgenossenschaften sollten ferner die Behörden bei der Werbe- und Aufklärungsarbeit für die Kriegsanleihe unterstützen. Eine vaterländische Pflicht sei es auch, den bargeldlosen Zahlungsverkehr zu fördern. Die Rentenempfänger müßten dahin beraten werden, daß sie alle entbehrlichen Beträge zinsbar anlegten. Den zurückkehrenden Kriegsteilnehmern sollten, soweit es die Sicherheit gestatte, Darlehen gegeben werden. Um die Ansiedlung noch mehr als bisher zu fördern, sollten die Kreditgenossenschaften als örtliche Organe der Siedlungsgesellschaft Rheinisches Heim und als Geldgeber auftreten. Geschäftsführer Duffing aus Bonn behandelte dann die Einzelheiten der Kriegsanleihe-Arbeit. Der Redner glaubt, daß der Kurs der Kriegsanleihen nach dem Kriege steigen werde wegen der Nachfrage des Auslandes, sodaß Kursverluste nicht zu erwarten seien. Gleichfalls an der Hand der vom Verband herausgegebenen Formulare erörterte Verbandsrevisor Koch aus Bonn die Abrechnung und Verbuchung der Kriegsanleihen. Im letzten Vortrag über die Aufbewahrung fremder Wertpapiere erläuterte Bankdirektor Feldmann das sog. Depotgesetz. Durch die Kriegsanleihen seien die Spar- und Darlehenskassen dazu gekommen, fremde Wertpapiere aufbewahren und verwalten zu müssen, dadurch seien sie zu wirklichen Dorfbanken geworden. – In einer Aussprache wurden noch Einzelheiten der Kriegsanleihearbeit eingehender besprochen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. August 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 28. August 1916In Anbetracht der Lebensmittelteuerung ist die Direktion der Rheinuferbahn jetzt bestrebt, soweit es ihr möglich ist, ihren Unterbeamten und den verheirateten Rottenarbeitern der einzelnen Bahnmeistereien größere oder kleinere an der Strecke gelegene Ackerparzellen vom 11. November d. J. ab als Dienstland zur Verfügung zu stellen. Dadurch macht sie es den Angestellten sowie den Arbeitern und ihren Angehörigen möglich, sich Gärten anzulegen und Gemüse für den eigenen Haushalt kostenlos selber heranzuziehen.

Fußball. Das Retourwettspiel der Fußballmannschaft des Bonner Pfadfinder-Korps gegen den Geislarer Fußball-Verein 1916 kam am gestrigen Sonntag bei prächtigem Wetter auf dem Sportplatz an der Richard-Wagnerstraße zum Austrag. Es endete mit dem abermaligen Sieg der Pfadfinder mit 10:1 Toren. (Halbzeit 3:1 Toren).

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

30 Gramm Butter und 40 Gramm Fett werden diese Woche auf die Speisekarte abgegeben.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)