Sonntag, 27. August 1916

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. August 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 27. August 1916Die gemeinnützige Schreibstube des Vereins zur Beschäftigung Arbeitsloser, Münsterstraße 28, bittet wiederholt um Zuweisung von Arbeiten. Die Schreibstube liefert Adressen aller Stände und Berufe, sie fertigt handschriftliche Angebotsbriefe und bei größeren Auflagen Maschinenschrift-Vervielfältigungen an. Auch Abschriften aller Art in Hand- und Maschinenschrift werden geliefert. Aushilfspersonal kann wochen- und stundenweise vermittelt werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

      

Feilhalten von Waren auf den Straßen. Der Oberbürgermeister hat aufgrund der Gewerbeordnung bestimmt, daß Personen, die hier einen Wohnsitz oder eine gewerbliche Niederlassung haben, zum Feilbieten von Waren auf den Straßen im Gemeindebezirk einer Erlaubnis bedürfen. Eine solche besitzt auch Frau M. Als sie am 9. Januar 1916 Waren auf dem Römerplatz feilbot, vertrat ihr Mann sie hierbei während einer halben Stunde. Er besitzt eine derartige Erlaubnis nicht. Deshalb wurde er zur strafrechtlichen Verantwortung gezogen. Die Strafkammer verurteilte ihn, wogegen er Revision einlegte. Der Ferienstrafsenat des Kammergerichts hat sie zurückgewiesen. Der Senat bezeichnete die Behauptung des Angeklagten, daß er mit seiner Frau in Gütertrennung lebe, als bedeutungslos. Der Angeklagte sei auch dann nicht befugt gewesen, Waren ohne Erlaubnis auf der Straße feilzubieten, wenn dies für seine Frau auf deren Rechnung geschehe.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Räumung der nordafrikanischen Kriegsgefangenenlager. Nach unbestätigten Meldungen soll infolge von Abtransporten die Zahl der in Marokko verbliebenen deutschen Kriegsgefangenen im Laufe dieses Sommers auf 2500 Mann zurückgegangen sein. Die Zahl der in Tunis und Algier verbliebenen Kriegsgefangenen beträgt jetzt angeblich nur noch einige Hundert. Das Lager Tizl Ouwon in Marokko ist bisher noch nicht aufgelöst. Ebenso bestehen noch die Lager Tigziri, Ferryville und Henschir. Von dort wurde angeblich einige Transporte Fieberkranker nach Frankreich gebracht. Leute, die bisher in Algier waren, sind angeblich nach dem Fort Varois bei Dijon verlegt worden. Ein anderer Transport kam in die Gegend von Tours. Die hiesige Städt. Zentralstelle für Auskunfterteilung und Hilfe jeder Art während der Kriegszeit – Abt. Kriegsgefangenen-Fürsorge – Franziskanerstraße 9, Zimmer 25, bittet die Angehörigen von Kriegsgefangenen aus Bonn und Umgebung, die sich in Nordafrika befinden oder befunden haben, um Mitteilung, falls sie Nachricht erhalten, daß der Gefangene sich noch dort befindet oder wohin er verlegt wurde.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)