Mittwoch, 16. August 1916

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 16. August 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 16. August 1916Beschaffung von Milchkühen. Der städtische Lebensmittelausschuß empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, etwa 100 Milchkühe anzuschaffen und sie hiesigen Landwirten gegen sog. Abmelkverträge zu überweisen. Die Kosten für die Anschaffung der Kühe werden etwa 160- bis 170.000 M. betragen und sollen vorläufig auf Vorschüssen des Lebensmittelamtes verrechnet werden.

Zehn weitere Hilfspolizeibeamte vor allem für einen wirksamen Feldschutz anzustellen, wird den Stadtverordneten vorgeschlagen.

Neue Gemüsepreise. Für die Zeit vom heutigen 16. bis 31. August hat der Oberbürgermeister neue, gegen die bisherigen erheblich niedrigere Richtpreise für Gemüse festgesetzt. Die neuen Preise werden im Anzeigenteil dieser Zeitung bekanntgegeben.

Brotzulage für hoffende Frauen. Hoffende Frauen sind in den letzten drei Schwangerschaftsmonaten zum Bezuge einer wöchentlichen Zulage von einem halben Brot oder einem Pfund Mehl berechtigt. Wir verweisen auf die heutige Bekanntmachung des Oberbürgermeisters.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Versuchte Erpressung. Der 39jährige Kaufmann Kurt Be. von hier, hatte sich wegen versuchter Erpressung vor dem Außerordentlichen Kriegsgericht für den Bereich der Festung Köln zu verantworten. Be. hatte die ersten 8 Monate des Krieges mit in der Front gestanden, bis er wegen eines Herzfehlers in hochgradiger Nervosität vom Heeresdienst entlassen werden mußte. Er wurde nun Brennmeister in der Wandplattenfabrik. Mitte April wollte er nun Vorschuß haben auf den erst am Monatsende fälligen Lohn. Da ihm das nicht gewährt wurde, schrieb er an den Firmeninhaber einen Brief, darin er diesem drohte, ihn beim Kriegsministerium und der zuständigen nachgeordneten Stelle einer strafbaren Handlung zum Nachteile des Vaterlandes zu bezichtigen, wenn er ihm nicht sofort den Vorschuß gäbe. Dabei hatte der Briefschreiber noch ein größeres Darlehen von früher bei der Firma ratenweise abzutragen. Der Angeklagte wurde wegen versuchter Erpressung unter Annahme mildernder Umstände zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Vom Wetter. Ein am Freitag morgen niedergegangener Regen, der gegen 2 Uhr einsetzte und bis 9 Uhr dauerte, hat die Erntearbeiten für einige Tage unterbrochen. Wohl steht nur noch wenig Getreide mehr auf dem Halme und wenn’s der Himmel wohl will, dann ist Ende der Woche nicht sehr viel mehr von Getreide im Felde zu sehen. Obwohl nun der Regen infolge der Erntearbeiten etwas ungelegen kam, sah man ihn bei den Landleuten trotzdem nicht ungern. Denn der Boden war wieder ordentlich ausgetrocknet und alles lechzte nach Regen. Futtergewächse, Zuckerrüben, Spätkartoffeln, sowie die frisch gesäten Stoppelrüben und Kleearten, alle hatten ihn notwendig, alle bedurften dieses Regens als neuer Antrieb zum Wachsen. [...] Unruhige Gemüter, bestimmt durch die Witterung, waren am Sonntag nachmittag beschäftigt, Heu auf Schober zusammenzutragen. Und als gegen Abend der Regen kam, war man froh, die Arbeit nicht gescheut zu haben.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)