Freitag, 11. August 1916

       

Rheinlands Söhne an der Somme. An den schweren Kämpfen, die seit Wochen an der Somme toben, haben auch rheinische Regimenter ruhmvollen Anteil genommen und ihren alten guten Ruf aufs neue bewährt. Besonders waren es die Reserve-Infanterie-Regimenter 25 und 69, welche in todesmutigem Ringen der feindlichen Uebermacht trotzten und keinen Schritt breit der ihnen anvertrauten Stellung preisgaben. Zwölfmal trug der Feind seine Angriffswellen gegen ihre Gräben vor, doch zwölfmal wurde er blutig zurückgewiesen. Doch die Abwehr allein genügte den Braven nicht; „in scharfem Gegenangriffe“, so heißt es in dem Tagesbefehl des Oberbefehlshabers, worin er den Regimentern seinen Dank und vollste Anerkennung für ihren Heldenmut ausspricht, „haben sie einen Teil der vordersten französischen Gräben genommen, über 300 Gefangene gemacht und 19 Maschinengewehre erbeutet“. Als dann nach sieben heißen, blutigen Tagen die Regimenter aus der vordersten Linie in die wohlverdiente Ruhestellung rückten, wurden sie unterwegs von ihrem Brigadekommandeur, dem General der Infanterie von L..., wie folgt begrüßt: „General von York begrüßte auf diesem französischen Boden vor 100 Jahren eine aus siegreicher Schlacht kommende Heldenschar mit den Worten: „Ich nehme den Hut vor Euch ab!“ Und anders kann auch ich Euch nicht ehren. Ich nehme vor dem Reserve-Infanterie-Regiment 25 und Reserve-Infanterie-Regiment 69 den Hut ab“. Und damit entblößte des alte Herr sein greises Haupt und verneigte sich nach allen Seiten zur Truppe. Fürwahr, so lange solche Führer und solche Truppen die Wacht im Westen behalten, brauchen wir hier in der Heimat nicht zu befürchten, daß je eines Feindes Fuß die rheinische Erde betritt.

Vor Preistreibereien im Handel mit Tabak und Zigarren warnt der Vorsitzende der Preisprüfungsstelle Bonn-Stadt in einer Bekanntmachung im Anzeigenteil dieser Zeitung.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 11. August 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 11. August 1916Kleider-Kriegshilfe. Die Beratungsstelle für sparsame Kleidung „Hilf Dir selbst“ ist vom Martinsplatz in die Räume des früheren Marmeladenverkaufs Am Hof verlegt worden. Die Beratungsstelle erfreut sich noch fortgesetzt eines regen Zuspruchs und konnte in zahlreichen Fällen Anleitungen zum Selbstanfertigen und im Nähen erteilen und zwar nicht nur an Bedürftige, sondern auch an alle sparsamen gebildeten Frauen. Niemand sollte sich scheuen, von den wiederhergestellten, soliden Kleidungsstücken Gebrauch zu machen, um dadurch zu sparen.

Kriegstinte in den Schulen. Eine Anregung zur Schaffung von Kriegstinte, die sich zum Beschreiben von leimschwachen Papier eignet, hat nach einer Mitteilung des Unterrichtsministeriums Erfolge gezeitigt. Die Proben dieser Tinten haben sich als verwertbar erwiesen. Wenn auch noch einige Zeit vergeht, bis die Kriegstinte im Handel zu haben ist, so erscheint es doch zweckmäßig, in den Schulen schon jetzt auf die künftige Verwendung hinzuwirken. Ferner sollen die Schüler angewiesen werden, daß sie die harten und spitzen Federn, die das Durchdringen der Tinte durch leimschwaches Papier wesentlich mitbewirken, nach Möglichkeit vermeiden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Vaterländische Kampfspiele. In glücklichen Friedensjahren pflegten unserer Bonner Sport-, Spiel- und Sportvereine in frohem, friedlichen Kampfe alljährlich ihre Kräfte im großen Rahmen der Vaterländischen Festspiele zu messen. Die ernste, Entsagung fordernde Kriegszeit hat zur Genüge erwiesen, wie notwendig es war, daß auf diese Weise in unserer Jugend die Freude am Kampf, an körperlicher Anstrengung und selbstloser Entsagung wachgehalten wurde. Alle Zweige der Leibesübungen, Turnen, Spiel und Sport, sie haben gerade in dieser ernsten Zeit gezeigt, daß ihre Uebungen und Spiele im äußeren Gewande frohen Spieles und kraftvoller Lebensfreude hohe Arbeit bedeuten für das Vaterland: Erhaltung eines kräftigen, kampferprobten Geschlechtes! Während draußen vor dem Feinde die meisten der sonst alljährlich friedlich Kämpfenden der rauhen Wirklichkeit harte Proben ihrer körperlichen und geistigen Kraft abgeben, sollen am Sonntag auf dem Spielplatz an der Kölnstraße auch die noch in der Heimat Weilenden im Kampfe zeigen, daß sie gleich bereit und gewappnet sein wollen, wie die da draußen, auf die wir alle stolz sind. Die leichtathletischen und turnerischen Einzel- und Mehrkämpfe beginnen Sonntag, vormittags 9½ Uhr, die Endkämpfe, Schlagball-, Faustball- und Fußballspiele nachmittags 3½ Uhr.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)