Dienstag, 1. August 1916

     

Zehn Pfund Kartoffeln auf jeden Kopf gibt es diese und nächste Woche. Den Verbrauchern wird dringend empfohlen, ihren Bedarf für nächste Woche schon in dieser Woche mit zu beziehen, weil in der kommenden Woche die Zufuhr der Kornernte wegen Schwierigkeiten machen könnte.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 1. August 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 1. August 1916Städtisches Lebensmittelamt. In der Pressebesprechung, die gestern mittag mit dem Leiter des Städtischen Lebensmittelamtes, Herrn Beigeordneten Piehl, stattfand, wurde bekannt, daß die Ausgabe der Lebensmittelkarten für den Monat August sich ohne Schwierigkeiten vollzog. Beim Lebensmittelamt sind kaum Rückfragen in der Kartenausgabe-Frage erfolgt.
   Die städtische Verwaltung leidet augenblicklich unter Kartoffelüberfluß. Mit Rücksicht auf den Höchstpreis, der vom 1. August an um eine Mark sinkt, wurden in der jüngsten Zeit die Kartoffeln teilweise unreif ausgemacht. Außerdem litten die Kartoffeln unter der Einwirkung der Nässe. Am Samstag und am gestrigen Montag sind 10.000 Zentner Kartoffeln in Bonn angefahren worden. Es mußte Militär zur Abfuhr herangezogen werden. Ein Teil der Kartoffeln zeigt sich trotz der raschen Abfuhr angegriffen. Man hat deshalb diese Kartoffeln verlesen und zu fünf Mark für den Zentner verkauft.
   Die städtischen Kriegsküchen zeigen einschließlich der unter Leitung des Herrn Stadtverordneten Butscheidt stehenden neueröffneten Kessenicher Küche, die vorerst von 160 Personen besucht ist, eine Gesamt-Teilnehmerzahl von 3200 Personen auf. An Beiträgen zugunsten der Kriegsküchen sind aus der Bonner Bürgerschaft bisher 51.200 Mk. eingegangen. Um weitere Spenden zugunsten dieser gemeinnützigen Sache wird die begüterte Bürgerschaft herzlichst gebeten. Die städtische Verwaltung ist weiterhin darauf bedacht, die Kriegsküchen zu vervollkommnen. Zur Beruhigung der Bürgerschaft ist beabsichtigt, die Bereitung der Speisen dauernd unter ärztliche und nahrungsmittelchemische Kontrolle zu stellen.
   Vor 1. August ab sind verschiedene tief einschneidende Verordnungen in Kraft: Die Verordnungen über die Zulassung des Großhandels in Lebens- und Futtermitteln. Zur Bekämpfung des Kettenhandels müssen den Geschäften besondere Zulassungsscheine gegeben werden. [...] Ferner gelangt die Reichs-Seifenkarte heute zur Einführung, die der einheitlichen Bewirtschaftung der Seife durch Herstellung der K. A.-Erzeugnisse [K. A.: Kriegsausschuss] unter Einschränkung des Seifenverbrauchs dient. Es werden 50 Gramm Fein-Seife und 250 Gramm Seifenpulver verausgabt. Die Abgabe von Schmierseife ist verboten, ebenso der Hausierhandel mit Seife.
   Das Bekleidungsamt wird kaufmännisch durch die Herren Gentrup und Kalt geleitet. Eine sachkundige Beratung ist wichtig sowohl für den Käufer wie auch für den Schutz der Geschäftsinteressen.
Anzeige im General-Anzeiger vom 1. August 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 1. August 1916   Ueber den Fettverbrauch tritt am 12. August eine Verordnung in Kraft, durch die eine Reichsregelung erfolgt. Es ist die Bewirtschaftung sämtlicher Speisefette und Speiseöle ebenso der Milch in einheitlicher Weise zugunsten der Kommunalverbände dadurch geregelt. Dabei soll als Hauptgrundsatz gelten, daß, soweit angängig, in die Frischmilch-Lieferung nicht eingegriffen wird. Sämtliche Erzeugnisse in Molkereien sind beschlagnahmt. Als Molkereien gelten jetzt bereits Betriebe, in denen täglich mehr als 50 Liter Milch im Durchschnitt verarbeitet werden. Die Grenze ist sehr tief gesetzt. Es fallen bereits Milchwirtschaften mit sieben bis acht Kühen darunter. Wir werden uns demgemäß noch eine weitere Einschränkung in der Fettversorgung gefallen lassen müssen. Wir haben dagegen die Befriedigung, daß endlich eine gleichmäßige Verteilung des Fettes über das ganze Reich angestrebt wird.
   Die Stadt sieht daher in der Belieferung der Bevölkerung mit Speck für die nächsten Monate eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Um dies durchzuführen, vermag man bereits die städtische Schweinezucht in Anspruch zu nehmen. Es sind jetzt 200 Schweine städtischerseits in Mast, von denen die ersten in etwa 14 Tagen schlachtreif sein werden. Man kann dann damit rechnen, daß dann jede Woche rund 20 Stück Schweine zur Speckverarbeitung gelangen werden. Zusammen mit der vom Viehhandels-Verband belieferten Menge ist es dann möglich, auf den Kopf der Bevölkerung für eine Woche 50 Gramm Speck auszugeben.
   Der städtische Fischverkauf hat eine weitere Förderung erfahren. Die Verwaltung hat in den letzten Wochen etwas zehn Zentner Schellfisch verkauft, die guten Absatz fanden. Man will in dieser Woche die doppelte Menge verkaufen.
   In dieser Woche soll den Bäckereien das Backen des Zwiebacks freigegeben werden. Es geschieht dies vornehmlich mit Rücksicht auf Kinder und Kranke. Die Abgabe soll jedoch nur gegen einen Abschnitt der Brotkarte erfolgen und zwar wird gegen ein viertel Brotabschnitt ein halbes Pfund Zwieback gekauft werden können.
   Zum ersten Mal in dieser Woche wird die billige Wurst so ausgegeben, daß sie nur zur Hälfte des frischen Fleisches bewertet wird. Man kann somit für eine 30 Gramm-Fleischkarte 100 Gramm Blutwurst kaufen.
   Leider ist es trotz der lebhaftesten Bemühungen der Verwaltung noch nicht möglich geworden, die Preise für das Fleisch niedriger zu setzen, weil seitens des Viehhandels-Verbandes noch immer in erster Linie die Belieferung unserer Stadt mit ausländischem Fleisch erfolgt. In den nächsten Wochen ist aber in dieser Frage eine Besserung zu erwarten.
   Der Landkreis Bonn hat das Eierausfuhr-Verbot aufgehoben, sodaß jetzt wieder ein Austausch zwischen Stadt und Land in dieser Richtung erfolgen kann. Infolge der hohen Eierpreise ist der Verbrauch verhältnismäßig gering. Die Stadtverwaltung hat Mühe, die von den Eierhändlern herangeschaffte Zufuhr ganz abzusetzen. Andererseits ist es sehr schwierig, die Eier jetzt zu konservieren, da die Preise derart hoch sind, daß die konservierten Eier im Dezember unerschwinglich im Preise sein würden.

Die Richtpreise für Gemüse, die heute auf Anordnung des Regierungspräsidenten auch auf unseren Märkten wieder eingeführt worden ist, haben die Anfuhr nicht beeinflußt. Alle Gemüsesorten, besonders Weißkappus, Kohlrabien, Bohnen waren stark und in besonders schöner Ware vertreten. Handel und Verkauf gingen flott vonstatten und auch für die Bürger blieb genug gutes Gemüse zu kaufen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Arndt-Eiche in Eisen! Am vergangenen Sonntag fand die feierliche Nagelung der Arndt-Eiche seitens des Beethoven-Chores in Bonn statt. Unter Mitwirkung der Kapelle des hiesigen Landsturm-Bataillons wurde ein reichhaltiges und mit großem Verständnis ausgesuchtes Programm abgewickelt. Nach verschiedenen Musikstücken und Chorvorträgen hielt der Ehrenvorsitzende des Beethoven-Chors, Herr H. Zerkaulen, eine von patriotischem Geiste getragene Ansprache, worauf die Nagelung der gestifteten Eisenplatte stattfand. [...] Eine große Menschenmenge folgte mit sichtlichem Interesse den Vorträgen und Musikstücken der festlichen Veranstaltung, bei welcher auch der Erlös aus dem Verkauf der Programme zum Besten der Arndt-Eiche überwiesen wurde. [...]

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)