Sonntag, 30. April 1916

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. April 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 30. April 1916Die Ausfuhr von Fleisch, Speck und Fett aus dem Stadtbezirk Bonn wird durch eine in dieser Zeitung veröffentlichte Bekanntmachung des Oberbürgermeisters verboten.

Eine andere Moderichtung. Dem Verband Westmark der deutsch-völkischen Partei ist auf seine Eingabe wegen der Mode vom stellv. Generalkommando in Münster folgende Meldung zugegangen: Laut Mitteilung des Kriegsministeriums ist vorgesorgt, daß die Herbst- und Wintermode eine andere Richtung einschlägt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Ein herrenloses fettes Schwein irrte am Samstag Morgen in der Nähe der Bachstraße auf dem Bahngeleise der Staatsbank umher. Anstatt herzhaft zuzugreifen, wichen die Passanten dem kostbaren Borstenvieh scheu aus. Erst nach längerer Zeit gelang es einem Geschäftsmann, das Schwein in seinen Hof zu treiben und dingfest zu machen. Der glückliche Besitzer konnte einstweilen nicht ermittelt werden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Deutsche Sommerzeit. Wir möchten nicht verfehlen, unsere verehrten Leser darauf aufmerksam zu machen, daß sie Sonntagabend um 11 Uhr ihre Uhren auf 12 Uhr vorrücken. Es liegt dies im eigenen Interesse sowohl als auch in einer geordneten Einführung der Sommerzeit.

Wehrbund. Am Ostersonntag trug das Dampfroß 62 Jungmannen des Bonner Wehrbundes siegaufwärts nach Altenkirchen zur fröhlichen Wanderfahrt durch Tal und über Höhen des Westerwaldes. Machte der Himmel auch ein finsteres Gesicht, waren die Wege auch naß und schlüpfrig: Der frohen Wanderlust geschah dadurch kein Abbruch. Marienberg war das Ziel des ersten Tages, das auf den Pfaden erreicht werden sollte, die die hiesige Ortsgruppe des Westerwaldklubs in ihre Pflege genommen und „Bonner Weg“ getauft hatte. Durch prächtigen Hochwald führt der Weg, oft steil bergauf und jäh bergab, über schwankende Stege und nur selten über die Landstraße, die der waldfrohe Wanderer gerne meidet. War der Laubwald auch noch blattlos, grün waren die Wiesen und der Tannenwald und prächtige Ausblicke belohnten die Mühe der Wanderer. Zur Mittagszeit wurde Rast gehalten und leibliche Stärkung bot der Inhalt des Rucksacks oder die Konservendose, vom kochkundigen Wanderer bald zum schmackhaften Mahl bereitet. Das Nachtlager in Marienberg war kriegsmäßig einfach: auf Stroh in einer Scheune und in einem Tanzsaal. Am Morgen des anderen Tages gab es frohe Gesichter, weil der Himmel auch ein frohes Gesicht machte. Der Sonne, die schon am vorherigen Tage Versuche gemacht hatte, die graue Wolkenschicht zu durchbrechen, war der Durchbruch beim erwachenden Morgen mit glänzendem Erfolge gelungen. Das Ziel des Tages war die Bahnstation Stershahn, die zur bestimmten Zeit erreicht werden mußte. Die kürzesten Wege mußten eingeschlagen werden, meist ging es über die harte Landstraße, selten durch den Wald, aber eine besondere Sehenswürdigkeit des Westerwaldes, die Seen bei Dreifelden, wurden doch in Augenschein genommen. Zur rechten Zeit war das Ziel erreicht und nun besorgte die Eisenbahn die Weiterbeförderung der ermüdeten Wanderer zur Ausgangsstation Beuel. In Gruppenkolonne mit frohem Liederklang, der auch auf der Wanderung nicht fehlte, wurde in Bonn Einzug gehalten. Ein schönes Fleckchen Erde hatten die Wanderer kennen gelernt, auf der Wanderung auch häufig Gruppen gefangener Gegner gesehen und hoffentlich dabei gedacht, daß nur die Tapferkeit unseres Heeres es verhindert hat, die Feinde zu kriegerischem Tun im Vaterlande zu sehen. Zur Erziehung eines kraftvollen Nachwuchses zur Verteidigung des Vaterlandes sollte auch die Wanderung beitragen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)